Goldbetrug: Für Geschäfte Namen des toten Bruders benutzt

Heilbronn  Im langwierigen Prozess um siebenfachen Betrug mit angeblichem Gold und Diamanten wurde ein 52 Jahre alter Mann vom Heilbronner Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Von Carsten Friese

Wegen siebenfachen Betrugs mit Gold und Diamanten bei Internetgeschäften hat das Heilbronner Amtsgericht am Donnerstag einen 52 Jahre alten Angeklagten aus dem südlichen Landkreis Heilbronn zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Der Mann hatte auf einer Verkaufsplattform im Internet die Ware angeboten, Geld als Vorkasse überweisen lassen und die Ware nicht geliefert. Den Internet-Account hatte er unter dem Namen seines verstorbenen Bruders geführt, für die Überweisungen das Konto seiner geschiedenen Frau genutzt. Von einer Schadenssumme von 85.000 Euro geht das Gericht aus.

Frau getäuscht

Pikant war, dass der Mann die Geschäfte offenbar vorbereitete, kurz nachdem er wegen einer ähnlichen Straftat aus dem Gefängnis entlassen worden war. Da zog der gelernte Estrichleger wieder bei seiner Ex-Frau und seiner Tochter ein, lebte dort ohne offizielle Anmeldung und nutzte auch deren Konten. Offenbar vor dem Hintergrund, der Tochter angeblich den lange vernachlässigten Unterhalt zukommen zu lassen, sagte die geschiedene Ehefrau als Zeugin aus.

Sie war nach ihren Worten davon ausgegangen, dass ihr Ex-Mann auf seriöse Art mit Edelsteinen und Schmuck handelte. Eingehende hohe Geldbeträge hob sie jedes Mal auf Anweisung in bar ab und übergab alles ihrem Ex-Mann. Unter der Annahme, dass er das Geld für neue Einkäufe brauchte, wie sie erklärte. Ein zweiter Internet-Account war auch auf den Namen der Frau angemeldet.

Rund 90.000 Euro Schaden

Von einer „Verschleierungstaktik“ sprach Richter Friedrich Hiller. Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass der Angeklagte hinter den Aktionen auf der Plattform steckte. Zumal ein Geschädigter sich ein Mal wegen eines anderen Geschäfts mit ihm traf und ihn vor Gericht identifizierte. Rund 90.000 Euro Schaden entstand nach Auffassung des Gerichts innerhalb von zwei Monaten bei den geprellten gutgläubigen Kunden - von denen einige „echt reich waren“, so der Richter. Eine betrogene Kundin reiste sogar aus Wien als Zeugin an und schilderte ihre Verzweiflung nach dem gescheiterten Geschäft. Da ging es um eine Summe von 33.000 Euro.

„Eigentlich ist nichts mehr da“, fasste der Richter zusammen, dass das eingenommene Geld weg ist. 5000 Euro überwies der Angeklagte einem Kunden, der mit dem Anwalt gedroht hatte, zurück. Ansonsten hielt er sich oft im Ausland auf. Von Spielbankbesuchen war im Prozess die Rede.

Das Verfahren gegen die frühere Ehefrau ist vom Hauptprozess aus Termingründen abgetrennt worden. Ein Urteil steht noch aus. Hier deutete der Richter an, dass man die Frau weiterhin als Gehilfin in dem ganzen Fall ansehe. Wer sein eigenes Konto einem verurteilten Betrüger zur Verfügung stelle, der bereits einmal zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war, „ist nicht schutzwürdig“, merkte der Richter kritisch an. cf