Gewaltexzess: 15-Jährige wird ins Gefängnis gebracht

Heilbronn/Bad Friedrichshall  Juristischer Paukenschlag im Prozess um einen Gewaltexzess junger Mädchen: Das Heilbronner Landgericht hat eine 15-Jährige zu fast drei Jahren Jugendstrafe verurteilt und gleich im Anschluss an die Verhandlung in ein Gefängnis bringen lassen.

Von Carsten Friese
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Ausgang der Gewalttaten: Hier am Bahnhof in Bad Friedrichshall trafen Täterinnen und Opfer per Zufall aufeinander. Ein Lachen löste alles aus. Fotos: Alexander Klug

Nach dem Gewaltexzess im Kocherwald muss die Haupttäterin für ihre Aggressionen und Misshandlungen hinter Gittern büßen: Das Heilbronner Landgericht hat die 15-Jährige am Dienstag zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Bei Angehörigen flossen Tränen im Gerichtssaal, als klar wurde, dass die Angeklagte sofort nach der Verhandlung in die Haftanstalt gebracht wird. Noch im Gericht wurde der Schülerin der Haftbefehl eröffnet. Dramatisch wirkende Szenen spielten sich offenbar aus Sicherheitsgründen auch in dem Gebäude ab.

Polizei sichert Gericht mit zehn Mann ab 

Rund zehn Kriminalbeamte in Zivilkleidung, die mit Funkknöpfen ausgestattet waren, sicherten den Saal und die Flure ab.

Offenbar aus Sorge, dass Familienangehörige auftauchen und möglicherweise aggressiv werden könnten. Es blieb ruhig. Flankiert von der großen Zahl an Polizeibeamten wurde die 15-Jährige in ein graues Zivilfahrzeug der Polizei begleitet und in ein Frauengefängnis in Württemberg gebracht.

Eine zweite 15-jährige Angeklagte fiel nach dem Urteil erleichtert ihrem Bruder um den Hals. Sie erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe mit Vorbewährung – was bedeutet, dass sie zwar frei ist, sich in den nächsten Monaten aber keine weiteren Aggressionen oder Straftaten leisten darf, da sie sonst ebenfalls ins Gefängnis kommt. „Keine weiteren Mätzchen mehr“, schärfte ihre Anwältin der Schülerin auf dem Flur ein. Der Grat zwischen Freiheit und Gefängnis sei ganz schmal. Gegen zwei weitere 16- und 17-jährige Angeklagte verhängte die Jugendkammer Bewährungsstrafen von zwei Jahren und 21 Monaten. 

Ein 14 Jahre altes Mädchen war im Kocherwald von sechs Mädchen schwer misshandelt worden.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte der Prozess aus Jugend- und Opferschutzgründen bis zuletzt stattgefunden. In der Anklage warf die Staatsanwaltschaft den angeklagten Mädchen schwere Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung vor. In dem Prozess ging es um brutale Attacken gegenüber einer 14-Jährigen, die im April 2016 am Bad Friedrichshaller Bahnhof ihren Anfang nahmen. Dort hatte die 14-Jährige im Gespräch mit Freundinnen laut gelacht. Für die Hauptangeklagte, die in der Nähe stand und das spätere Opfer nicht kannte, war dies offenbar ein Anlass, das lachende Mädchen gewaltsam zu bestrafen.

Unter ihrer Führung soll die Gruppe die 14-Jährige in den nahen Kocherwald dirigiert und mit dem Tod bedroht haben. Schläge und Tritte folgten. Es soll sogar zum Ausdrücken einer brennenden Zigarette auf der Haut und zum Anbrennen von Haarbüscheln gekommen sein.

Platzwunden, Blutergüsse, Prellungen

Zudem soll eine der Täterinnen das stark blutende Opfer im Gesicht mit Pfefferspray besprüht haben. Die Gruppe soll ihr Opfer darüber hinaus gezwungen haben, Erde zu essen. Das Opfer erlitt Platzwunden, Blutergüsse, Prellungen und Einblutungen an Augen und Ohren. Es musste längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden. 

Die Gewaltorgie hatte für großes Aufsehen und Diskussionen in der Region gesorgt. Einen Gewaltausbruch dieser Art hatten selbst erfahrene Polizisten unter Mädchen als neue Qualität eingestuft. Zwei Angeklagten wurden in der Anklage zudem weitere Körperverletzungen in einem Parkhaus sowie Sachbeschädigungen in einem Kaufhaus in Heilbronn zur Last gelegt.

Zwei weitere Ermittlungsverfahren gegen beteiligte Mädchen hat die Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses eingestellt. Die beiden waren unter 14 Jahre alt und damit strafunmündig. Es sollen Freundinnen des 14-jährigen Opfers gewesen sein, die von der anderen Mädchengruppe offenbar gezwungen wurden, sich an den Attacken zu beteiligen.