"Eine Einkaufsstadt, in der man alles findet"

Heilbronn - Seit einem halben Jahr ist Anna Reinhardt Centermanagerin der Heilbronner Stadtgalerie. Unsere Redakteurin Franziska Feinäugle sprach mit ihr über die Einkaufsstadt Heilbronn, Stärken und Schwächen der Stadtgalerie und Leerstände in der Innenstadt.

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Lebt Offenheit, Geradlinigkeit und unkomplizierten Umgang: Centermanagerin Anna Reinhardt freut sich bei ihren Rundgängen in der Stadtgalerie über Feedback von Mietern und Besuchern, die Tür zu ihrem Büro ist jederzeit offen.Foto: Dennis Mugler

Heilbronn - Seit einem halben Jahr ist Anna Reinhardt Centermanagerin der Heilbronner Stadtgalerie. Unsere Redakteurin Franziska Feinäugle sprach mit ihr über die Einkaufsstadt Heilbronn, Stärken und Schwächen der Stadtgalerie und Leerstände in der Innenstadt.

Wo kauft eine Centermanagerin ein?

Anna Reinhardt: In meinem Center. Weil ich aus dem Raum Frankfurt komme, gehe ich ab und zu auch dort einkaufen, wenn ich meine Familie besuche. Kürzlich war ich an einem freien Samstag fünf, sechs Stunden sehr erfolgreich hier in der Stadtgalerie shoppen.

Was denken Sie über Heilbronn als Einkaufsstadt, über die Einkaufsstadt außerhalb Ihrer Stadtgalerie?

Reinhardt: Ich fühle mich sehr wohl in Heilbronn, gerade weil es überschaubar ist. Man findet hier alles, was man braucht. Die Stadt hat tolle Schuhgeschäfte und süße Boutiquen. Für Lebensmittel gibt es in der Innenstadt nur einen Supermarkt, das ist schade. Die Gastronomie ist gut, abends kann man schön weggehen: eine lebenswerte Stadt.

Die Stadtgalerie wird demnächst vier Jahre alt. Wie steht sie da?

Reinhardt: Sehr gut! Obwohl es in den ersten Jahren zeitweise ein bisschen holprig war. Ein Center braucht erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre, um anzukommen. Und das merkt man: Die Umsätze in der Stadtgalerie sind in den letzten ein, zwei Jahren stetig steigend. Die Kunden aus Heilbronn und Region kommen gern, und sie kaufen auch gern hier ein.

Worauf legen Sie in Ihrer Position als Centermanagerin besonderen Wert?

Reinhardt: Als Ansprechperson Nummer eins für Mieter und Kunden ist mir wichtig, dass ich nicht im geschlossenen Zimmer sitze. Meine Tür ist immer offen, und wenn hier jemand ohne Termin steht und mit mir sprechen will, gibt es für mich nie einen Grund, mir die Zeit nicht zu nehmen. Diese Offenheit wird angenommen, das freut mich. Auch auf meinen morgendlichen und abendlichen Rundgängen durchs Center freue ich mich über Feedback der Mieter und Besucher.

Einige Shop-Betreiber im Center haben inzwischen wieder aufgegeben. Was läuft da schief?

Reinhardt: Zum einen gibt es Betreiber, die am Anfang keine optimale Strategie haben: Für die ersten Monate braucht man immer einen Puffer, sonst kann man es finanziell nicht tragen. Zum anderen gibt es Konzepte, die einfach nicht gut laufen. Und in einem Center ist es entscheidend, Konzepte zu finden, die für diese Lage, diese Flächengröße und diese Miete passen.

Es heißt, die Besucherzahlen seien sehr unterschiedlich, je nachdem, wo man zählt. Wo im Center sind die stärkeren Bereiche, wo die schwächeren?

Reinhardt: Unser stärkster Eingang ist der Haupteingang Fleiner Straße und daher natürlich das Erdgeschoss. Schwächer wird es im Obergeschoss.

Woran liegt das?

Reinhardt: Erstens daran, dass das Obergeschoss keinen Eingang von außen hat. Zweitens daran, dass das Parkhaus unter dem Center liegt. Wenn die Leute im Aufzug hören: "Basement, Zugang Ladenstraße", dann steigen sie dort aus, statt noch zwei Etagen höher zu fahren.

Wie kann man das Obergeschoss trotzdem stärken?

Reinhardt: Indem man dort starke Mieter ansiedelt. Mit Yeans Halle, Görtz, Mister Lady und Thalia haben wir vier starke Mieter oben. Die ziehen − aber es könnte natürlich noch besser sein.

In jüngerer Zeit sind zusätzliche Shops hinzugekommen: Läden, mitten in die Passage gestellt. Provisorien oder Dauereinrichtungen?

Reinhardt: Solche sogenannten Mall-Kioske sind im Kommen. In anderen ECE-Centern gibt es teilweise zehn davon. Wir sind ein kleines Center. Wenn wir unsere wenigen Freiflächen vermieten, können wir keine Aktionen mehr machen: Das ist ein Zwiespalt. Am liebsten hätte ich die Freiflächen für unsere eigenen Mieter, so wie bis Ende des Monats für Segafredo. Einziger Mall-Kiosk zurzeit ist Amor-Schmuck: Dieser Vertrag läuft drei Jahre.

Welche Geschäfte würden Sie sich zusätzlich fürs Center wünschen?

Reinhardt: Noch einen guten, größeren Textilanbieter; hochwertige Herrenmode, ergänzend zu Engbers und Olymp. Und was immer gut ist: Unterhaltungselektronik und Lebensmittel, um Nahversorger zu sein. Aber dafür sind wir von der Fläche etwas eingeschränkt.

Jenseits des Einkaufens: Was schätzen Sie an Heilbronn?

Reinhardt: Die Menschen. Ich bin sehr gut aufgenommen worden, nach wenigen Wochen hatte ich das Gefühl, ich sei schon ewig hier. Die Umgebung ist reizvoll. Auch privat habe ich schnell Anschluss gefunden: Das ist nicht selbstverständlich, denn ich arbeite viel.

Was könnte besser sein?

Reinhardt: Im Moment überwiegen natürlich die vielen Baustellen in Heilbronn, aber das ist absehbar. Außerdem finde ich es sehr schade, dass einige Leerstände in Top-Lagen vorhanden sind, etwa der ehemalige C&A und der frühere Douglas. Die sollten schnell nachvermietet werden.

Zur Person: Anna Reinhardt

Die 28-jährige gebürtige Frankfurterin ist seit August 2011 Centermanagerin der Heilbronner Stadtgalerie. Während ihres Betriebswirtschaftsstudiums in Frankfurt/Main machte sie mehrere Praktika im Centermanagement des von ECE betriebenen Main-Taunus-Centers. Eineinhalb Jahre lang gewann sie dort als Aushilfe Einblicke in den Alltag und entschied sich, am ECE-Traineeprogramm teilzunehmen.

Nach Stationen in Centern in Magdeburg, Neu-Isenburg, Basel, Oldenburg und vier Monaten kommissarischer Leitung des Hessen-Centers in Frankfurt übernahm sie die Leitung der Heilbronner Stadtgalerie von Anne Klausmann, die als Centermanagerin nach Berlin wechselte. In ihrer Freizeit treibt Anna Reinhardt gern Sport, liest, geht essen oder ins Kino.