Demo gegen Neonazis startet mit Gedenken

Heilbronn - 2.500 Flugblätter sind gedruckt. Die Route steht fest. Jetzt hoffen die Organisatoren auf möglichst viele Mitmarschierer, um nach den Morden von Thüringer Neonazis an neun Ausländern und der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn ein gemeinsames Zeichen zu setzen.

Von unserem Redakteur Carsten Friese
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Auch das Bündnis "Heilbronn sagt Nein", das bereits am, 1. Mai gegen Rechtsextremismus auf die Straße ging, beteiligt sich an der Demo. Foto: Archiv/HSt
Heilbronn - 2.500 Flugblätter sind gedruckt. Die Route steht fest. Jetzt hoffen die Organisatoren auf möglichst viele Mitmarschierer, um nach den bundesweiten Morden von Thüringer Neonazis an neun Ausländern und der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn ein gemeinsames, kräftiges Zeichen zu setzen.

"Ganz Heilbronn ist eingeladen", sagt DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein, wenn am Samstag, 28. Januar, eine Demo gegen Neonazis unter dem Titel "Kein Platz für Rassismus − weder in Heilbronn noch anderswo" startet.

Angst getrotzt

Impulsgeber war eine 34-jährige Migrantin, in Heilbronn geboren, heute Unternehmerin, die ungenannt bleiben will. Nach den Nachrichten über die Mordserie der Rechtsextremen hat sie Angst bekommen, auch um ihren kleinen Sohn. Wie sieht unsere Zukunft aus, fragte sie sich. "Man darf sich trotzdem nicht verstecken", plädiert sie für öffentlichen Protest − "damit die Nazis sehen, wir gehören zusammen". Ein Aufruf in ihrem Bekanntenkreis, der je zur Hälfte aus Ausländern und Deutschen besteht, brachte spontan viele Zusagen. Über die Integrationsbeauftragte der Stadt kam ihre Idee zu den Bündnissen "Heilbronn sagt Nein" und "Heilbronn stellt sich quer" − die Demo-Planung begann.

Für Silke Ortwein ist die Kundgebung ein wichtiges Zeichen, da die Mordserie eindeutig zeige, dass von Rechtsextremen große Gefahr ausgehe und Heilbronn als Tatort "auch Teil dieses Netzes ist".

Ein Volk

Ein 27-jähriger Sprecher vom Bündnis "Heilbronn stellt sich quer" ruft die Bürger auf, selbst aktiv Flagge zu zeigen und den Kampf gegen rechte Gewalt nicht an den Staat zu delegieren. Mit dabei ist auch die Heilbronner Gruppe der türkischen Arbeiterverein-Föderation DIDF. "Faschismus ist immer gegen Menschen. Wir sind aber ein Volk", sagt Kanar Husejin. Viele Mitglieder seien beim Protestzug dabei.

Demo gegen Neonazis startet mit Gedenken
Damit die Teilnehmer Ende Januar keine kalten Füße bekommen, soll viel gelaufen werden. An verschiedenen Punkten sind kurze Reden geplant. Start ist an der Gedenktafel für die erschossene Polizistin auf der Theresienwiese, wo Bundestagsmitglied Richard Pitterle (Linke) im Namen der Demoteilnehmer eine Blumenschale für alle Opfer des Nazi-Terrors ablegen wird. An der Synagogenkuppel wird beispielsweise Avital Toren reden, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Am Ende der Route, am Berliner Platz, werden die Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic (SPD) und Ulrich Schneider (Grüne) sprechen.

Auf zwei bis zweieinhalb Stunden taxieren die Organisatoren die Dauer ihrer als friedlich überschriebenen Demonstration. Dass die Polizei den Zug begleiten wird, bestätigt Sprecher Harald Schumacher. Man werde ein Einsatzkonzept aufstellen. Für Details sei es noch zu früh.