Brüder trauen Georg M. die kaltblütige Tat nicht zu

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht hat im Löwensteiner Mordprozess eine wichtige Frage behandelt: Wo war der Angeklagte am Abend der Tat? Es gibt zwei Versionen, die nicht zusammenpassen.

Von Carsten Friese

Mordprozess Löwenstein
Ein Bild von einem Verhandlungstag im Januar. Foto: Berger  

Zwei Brüder des Angeklagten im Löwensteiner Mordprozess halten Georg M. nicht für einen Mörder. "Ich kenne ihn 63 Jahre lang. Ich bin mir ganz sicher, dass er es nicht sein kann", sagte ein 68-jähriger Bruder am Freitag als Zeuge vor dem Heilbronner Landgericht aus.

Er berichtete, dass sein Bruder am Tatabend etwa eine Stunde in seinem Lokal in Obersulm gewesen sei. "Er war locker wie immer." Kurz bevor eine Fußballübertragung im Fernsehen begonnen habe, sei er wie viele andere Gäste gegangen. Der Zeuge glaubt, dass Bayern München in der Champions League gespielt hat, Spielbeginn sei immer um 20.45 Uhr.

Angaben passen nicht

Da hakte das Gericht ein. Es gibt einen Beleg, dass Georg M. an dem Abend um 20.15 Uhr an einer Tankstelle in Neckarsulm getankt hatte. Dann könne die Zeitangabe nicht stimmen, mahnte Richter Roland Kleinschroth. "Ich habe nicht auf die Uhr geschaut", rechtfertigte sich der Zeuge, "vom Gefühl war es so spät für mich."

Eine Recherche des Gerichts ergab: An dem Abend hat zwar Bayern München Champions League gespielt - aber nur das Frauenteam, um 20 Uhr. Im TV wurde damals nichts übertragen.

Mordopfer Margot M. (59) war im März 2017 gegen 21.30 Uhr auf dem Parkplatz der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein mit 14 Messerstichen getötet worden. Sie hatte sich nach langer Ehe von Georg M. getrennt, hatte einen neuen Partner.

Für Tat nicht fähig?

Auch ein zweiter Bruder (62) hält Georg M. "nicht für fähig, so etwas zu tun". Er habe die Familie immer beschützt und sei ein hilfsbereiter, nicht aggressiver Mensch gewesen, der sich bei Konflikten lieber zurückzog. Wie das im Einklang mit einem Schlagstock steht, den die Polizei im Auto des Angeklagten fand? Dafür hatte der Zeuge keine Erklärung.

Der jüngere Bruder hatte Georg M. am Tatabend um 20.34 und 21.36 Uhr wegen eines Versicherungsfalles zwei Mal angerufen und nicht erreicht. Bei der Polizei hatte er ausgesagt, dass sein Bruder ihm hinterher berichtet habe, sich nach der Arbeit daheim hingelegt zu haben und eingeschlafen zu sein. Von einem Lokalbesuch war da nicht die Rede.

Differenzen mit den Eltern

Dass Georg M. mit etwa 16 in ein Heim für schwer Erziehbare kam, bestätigten die Brüder. Als Grund nannte sie Differenzen mit den Eltern. "Georg, wenn du es warst, musst du es sagen, Gott hat es doch auch gesehen", wandte sich eine Schwägerin als Zeugin an den Angeklagten.

Sie berichtete, dass M. seinen Sohn früher wegen Ungehorsams mal heftig geschlagen und kurz danach wieder geküsst habe. "Er hat einfach zwei Seiten."


Was bisher beim Prozess geschah: