Besitz von Kinderpornos: Heilbronner Erzieher angeklagt

Heilbronn  Weil er kinderpornografische Schriften besessen haben soll, steht ein Erzieher am 16. März vor dem Amtsgericht Heilbronn. Der Mann soll mindestens 10.000 Bilder und 900 Videos kinderpornografischen Inhalts auf seinem Rechner gespeichert haben.

Von Helmut Buchholz

Prozess wegen Kinderpornografie
Ein Fahnder hält eine CD mit kinderpornografischem Material in der Hand. Symbolfoto: dpa  

Nach Informationen unserer Zeitung war der Erzieher in einem Kindergarten in Heilbronn angestellt, der in kirchlicher Trägerschaft ist. Er wurde Mitte Januar von seinem Posten suspendiert. Der Mann hat neben seinem Job im Kindergarten gegen Honorar auch Kindergeburtstagspartys veranstaltet.

Der Heilbronner Erzieher wurde 2014 beim Bundeskongress Elternbegleitung in Berlin von der damaligen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Gewinner eines vom Bundesfamilienministerium ausgelobten Wettbewerbs prämiert.

Rolf Krieg, Kirchenpfleger der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn, sagt: "Wir haben den Beschuldigten unmittelbar freigestellt, nachdem uns die Staatsanwaltschaft informiert hat." Die Staatsanwaltschaft habe keine Anhaltspunkte dafür, dass in der Einrichtung, in der der Erzieher arbeitete, Aufnahmen gemacht wurden. Krieg unterstreicht: "Der Vorgang ist für uns alle unfassbar."

Auf die Frage, wann der Arbeitgeber von den Ermittlungen gegen den Erzieher Kenntnis erlangt hat, möchte der Kirchenpfleger nichts sagen. Auf Stimme-Anfrage teilt Gerichtssprecher Alexander Lobmüller mit, dass die Polizei schon im November 2017 über den Fall mit dem Arbeitgeber gesprochen habe. Ein entsprechender Aktenvermerk sei jedenfalls zu diesem Datum verzeichnet. Das Gespräch dürfte jedoch noch früher geführt worden sein.

Material bei Hausdurchsuchung auf PC gefunden 

Wie kamen die Ermittler dem Beschuldigten auf die Spur? Nach den Erkenntissen unserer Zeitung sollen die kinderpornografischen Schriften bei einer Hausdurchsuchung daheim auf dem Rechner des Erziehers gefunden worden sein. Diese Hausdurchsuchung hat bereits 2016 stattgefunden. Offenbar ging der Mann zuvor den Fahndern ins Netz, als er Bilder auf einer Tauschbörse im Internet tauschen wollte. Der Tauschpartner war ein Ermittler der Kriminalpolizei.

Die Staatsanwaltschaft hat − wie ein Sprecher unserer Zeitung bestätigt − im Dezember 2017 Anklage gegen den Erzieher erhoben. Dass die Ermittlungen nach der Hausdurchsuchung 2016 bis zur Anklageerhebung so lange dauerten, sei nichts Ungewöhnliches, berichtet ein Insider der Stimme. Die Fahnder hätten einfach so viele Fälle. Die Ermittlungen würden sich in solchen Fällen generell lange hinziehen. 

 

Gesetzeslage

Die Strafbarkeit im Bereich Kinderpornografie regelt Paragraf 184 des Strafgesetzbuchs. Nach deutschem Recht ist die Herstellung, Verbreitung und bereits der Besitz kinderpornografischen Materials strafbar und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob die Darstellung gedruckt, auf Datenträgern gespeichert oder elektronisch verbreitet wird.

Es gibt nur wenige belastbare Zahlen zum Thema Kinderpornografie in Deutschland. Laut Bundeskriminalamt wurden 2016 bundesweit rund 12 000 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern registriert. Das sind sind etwa 230 Fälle von sexueller Gewalt pro Woche. Die Aufklärungsquote dieser Straftaten lag 2016 bei fast 90 Prozent.