Baron von Berlichingen: Auch heute wäre der alte Götz Jurist

Jagsthausen - Goethe machte den fränkischen Reichsritter Götz von Berlichingen mit seinem gleichnamigen Schauspiel unsterblich. Sein Nachfahre, Baron Götz von Berlichingen, fühlt sich der Tradition des Namens verpflichtet, will sich aber nicht auf ein Leben hinter Burgmauern beschränken.

Von Simon Leißler

Jagsthausen - Baron Götz von Berlichingen ist Perfektionist - vor allem was sein Erbe betrifft. Wenn es darum geht, die Besitztümer seiner Familie zu pflegen und Gästen in einem guten Licht zu präsentieren, achtet der Stammhalter des alten Adelsgeschlechts auf kleinste Details.

Vor dem Betreten der Götzenburg in Jagsthausen entfernt er noch kurz ein Päckchen Taschentücher, das jemand achtlos auf den Rasen im Vorhof geworfen hat. So viel Zeit muss sein. Der Geburtsort des historischen Götz von Berlichingen, über den einst Johann Wolfgang von Goethe schrieb, soll schließlich ein tadelloses Gesamtbild abgeben.


Der Nachfahre und Namensvetter des Ritters mit der eisernen Hand fühlt sich seiner Familientradition verpflichtet und nimmt die ihm vererbte Aufgabe ernst. „Meine Eltern haben mir diese Werte vermittelt“, sagt von Berlichingen. „Wir sind alle Glieder in der langen Kette der Berlichingens und jedes Glied muss versuchen, dass die Kette nicht abreißt, sondern alles in bestem Zustand an die nächste Generation weitergegeben wird.“

Mit der Geschichte seines berühmten Vorfahren kam von Berlichingen schon früh in Berührung. „Mein Vater hat mir viel über ihn erzählt“, erinnert sich der 44-Jährige. „Goethes Stück habe ich zum ersten Mal als Theateraufführung gesehen, als Kind hier in der Burg bei den jährlichen Freilichtspielen.“ Gelesen habe er Goethes 1773 veröffentlichtes Schauspiel zum ersten Mal mit zwölf oder 13 Jahren. „Das war recht früh und ich weiß noch, damals fand ich die Geschichte stinklangweilig“, schmunzelt von Berlichingen.

Anwalt und Verwalter

Von Beruf ist der leidenschaftliche Skifahrer nicht Burgverwalter, sondern Anwalt für Erb-, Versicherungs- und Verkehrsrecht. Vor zehn Jahren hat er mit ein paar Kollegen in Heilbronn eine Kanzlei aufgebaut. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern auf Schloss Rossach, wenige Kilometer von der Götzenburg entfernt.

Im Alter von 27 Jahren, noch während seines Jurastudiums, starb sein Vater und er erbte die Götzenburg sowie alle weiteren Familienbesitztümer. Gebäudeerhaltung, Museumspflege, Hotel, Forstgebiete und Landwirtschaft - all das musste seitdem noch nebenher erledigt werden. Meist früh morgens, spät abends und an den Wochenenden. „Ich muss alles so regeln, dass ich es irgendwie unter einen Hut bekomme“, sagt von Berlichingen.

Seinen Anwaltsberuf aufzugeben, oder ihn gar nicht erst anzutreten, war für ihn aber nie eine Option. „Ich habe Jura studiert, um zu praktizieren“, sagt der Baron. „Ich wollte immer noch etwas anderes machen als die Güterverwaltung, um auch über den Tellerrand hinaus zu schauen.“

Wildes Ritterleben

Der historische Götz von Berlichingen führte ein wildes Leben mit zahlreichen Fehden gegen Fürsten, Geistliche und Kaufleute, war Raubritter und Anführer der Bauern im Bauernkrieg. 487 Jahre liegen zwischen der Geburt des Ritters mit der eisernen Hand und der seines Nachfahren, 18 Generationen.

Dennoch ist der legendäre Vorfahr ein Vorbild für den heutigen Götz von Berlichingen. „Was ich an ihm großartig finde, ist dass er ein sehr willensstarker Mensch war“, sagt der Baron. „Man muss sich vorstellen, dass er mit 24 seine rechte Hand verloren hat und dann über ein Jahr mit hohem Fieber im Wundbett lag.“

Mit Blick auf die Leidenschaft für die Juristerei sieht er Parallelen zwischen sich und dem historischen Götz. „Wenn ich mir anschaue, wie viele Rechtsstreitigkeiten er damals geführt hat, und dass ihm das anscheinend sehr viel Spaß gemacht hat, denke ich, dass der alte Götz in der heutigen Zeit auch Jurist geworden wäre.“

Unangenehme Momente

Trotz allem war es für den Baron nicht immer leicht, denselben Namen wie das historische Vorbild zu tragen. „Es gab Zeiten, da war es mir unangenehm“, gibt er zu. „Das war vor allem in der Schule, vor allem von der vierten bis zur siebten Klasse, wenn die Kinder anfangen zu hänseln.“

Wenn beim Jugendsportfest sein Name über den Lautsprecher gerufen wurde, dann habe es gleich ein riesiges Gelächter im ganzen Stadion gegeben. „Aber irgendwann bekommt man ein dickes Fell und es ist nicht mehr so tragisch.“ lsw