Angeklagter will „Gottes Stimme“ gehört haben

Heilbronn/Bad Friedrichshall  Der Prozess um den Mord an der Rentnerin in Untergriesheim wird immer mysteriöser. Jetzt wurde bekannt, dass der angeklagte Asylbewerber wenige Stunden nach der Tat in einer Neuensteiner Kirche Zuflucht suchte.

Von Carsten Friese
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Der Prozess um den Mord an einer Rentnerin in Untergriesheim wurde am Dienstag fortgesetzt. Foto: Archiv/Mugler

Der Prozess um den Mord an einer Rentnerin in Untergriesheim wird immer mysteriöser. Der muslimische Angeklagte hat wenige Stunden nach der Tat eine Kirche in Neuenstein aufgesucht und ist dann vom Pfarrer aus christlicher Nächstenliebe in eine Notunterkunft gefahren worden.

Auf einer Kirchenbank liegend entdeckte der evangelische Pfarrer den Asylbewerber aus Pakistan kurz vor 18 Uhr, sah seine nur leichte Bekleidung und wollte helfen. Ein aufgeschlagenes Gesangbuch lag in der Bank, in englischer Sprache verständigte sich der Pfarrer mit dem Besucher. Dass er aus irgendeinem Königreich komme und immer draußen übernachte, weil Gott ihm helfe, soll der Angeklagte geäußert haben. Um dann zu fragen, ob es in der Gemeinde „eine ältere Frau“ gebe, bei der er übernachten könne. 

Der Pfarrer verneinte. „Ich habe ihm nicht getraut“, sagte er am Dienstag als Zeuge im Gericht. Weil der Mann ausweichend, mit vagem Zeug“ auf Fragen geantwortet habe. Kurzentschlossen fuhr der Pfarrer den Gast zur noch offenen Notunterkunft nach Schwäbisch Hall. Aggressiv habe er den Mann nicht erlebt, eher psychisch angeschlagen. Rätselhaft war für ihn die Begegnung.

Asylbewerber hatte viel Geld bei sich

Sonderbar war eigentlich auch die Szene in der Notunterkunft, als der neue Gast noch mal irgendwo Zigaretten kaufen wollte und die Hausmeisterin dies mit Blick auf die abendliche Uhrzeit untersagte. Geld soll der Angeklagte ihr dann für Zigaretten angeboten haben. Sechs 50-Euro-Scheine sollen in seinem Geldbeutel zu sehen gewesen sein. Woher er so viel Geld hatte, fragte die Frau nicht nach.

Als der Angeklagte am nächsten Tag bei einem Sozialarbeiter der Erlacher Höhe erschien, um seine weitere Unterbringung zu klären, erlebte der Betreuer sonderbare Szenen. Dass er „Gottes Stimme“ gehört habe und Gott ihm sage, was er zu tun habe, soll der Mann geäußert haben. Um dann darum zu bitten, dass er gern in einer christlichen Familie leben möchte – weil es in der Asylunterkunft Konflikte wegen seines Glaubens gebe.

„Auffällig“ bezeichnete der Sozialarbeiter diese Aussagen. Alarmsignale seien aber bei ihm nicht angegangen. Zu klar habe der Mann sonst gewirkt.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe 

Nach wie vor streitet Abubaker C. die Tatvorwürfe ab, dass er die 70-jährige Rentnerin im Mai 2016 nachts in ihrem Bett im Schlafzimmer in Utergriesheim erdrosselt, Schmuck und Geld gestohlen haben soll. Zudem soll er arabische Zeichen und den Satz „It’s payback time“ (Es ist Zeit, zurückzuzahlen) an Wände im Haus geschrieben haben.

Aggressiv tritt der 27-Jährige immer wieder im Gericht auf, fällt dem Richter ins Wort, pocht darauf, jetzt auch mal etwas sagen zu dürfen, um dann wortreiche Ausführungen zu machen. „Ich brauche Ihre Welt nicht, geben Sie mir Arbeit zu Hause, mehr brauche ich nicht“, sagt er an einer Stelle.