Abiturienten sollen aufräumen

Heilbronn - Chaotisch, gefährlich, unmöglich: Spaziergänger und Anwohner haben nach ausgelassenen Feiern von Abiturienten in Heilbronn mit viel Unverständnis auf unübersehbare Hinterlassenschaften der Schüler reagiert.

Von Carsten Friese
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Heilbronn - Chaotisch, gefährlich, unmöglich: Spaziergänger und Anwohner haben nach ausgelassenen Feiern von Abiturienten in Heilbronn mit viel Unverständnis auf unübersehbare Hinterlassenschaften der Schüler reagiert. Nicht nur im Wertwiesenpark blieben am Freitagabend reihenweise Flaschen, Kartonagen oder Plastikbecher im Gras zurück. Auch am Friedensplatz, wo Schüler der anliegenden Schulen kräftig feierten, sah es nach Angaben von Robert-Mayer-Gymnasium-Schulleiterin Angela Droste „furchtbar“ aus. Vor allem viele Scherben seien eine große Gefahr. Eine Nachbarin habe in der Schule angerufen, weil sie sich an einem Flaschenhals verletzt habe.

Appell verpufft

Enttäuschung, fast schon Ohnmacht macht sich breit. Man habe an alle Schüler eindringlich appelliert, den Ort des Feierns ordentlich zu verlassen, sagt Droste, die geschäftsführende Schulleiterin für die Heilbronner Gymnasien ist. Heutzutage gehöre es aber „offenbar dazu, Scherben und Müll liegen zu lassen“, ärgert sie sich. Auch Grünflächenamtsleiter Hans-Peter Barz ist nach Beschwerdemails von Bürgern über die Sauerei im Park „geladen hoch drei“. Man könne nicht die ganze Zeit dabei sein. Wenn Vollzugsdienst oder Polizei vorbeikämen, „benehmen sie sich“, sagt er über einige Schüler. Sei man weg, „geht es wieder zur Sache“.

Indes: Der Ärger über den verdreckten Wertwiesenpark ist zum Teil hausgemacht. Entgegen der Angaben vom Wochenende war dort doch kein privater Reinigungsdienst im im Einsatz. Er habe es verwechselt, dieser Dienst fange erst am 1. April an, räumte Barz ein. Dessen Aufgabe: Vor allem an sonnigen Wochenenden die Mülleimer und den Bereich drumherum in den Parks aufräumen. Damit Müll nicht das ganze Wochenende liegen bleibt. Rund 12 000 Euro im Jahr kostet dieser Dienst – Geld der Steuerzahler.

Auch am Montag lag noch Müll vom Freitagabend im Wertwiesenpark – weil viele Stadtmitarbeiter beim Streik des öffentlichen Dienstes dabei waren. Ein Stadtangestellter stellte auf der Wiese, wo weitere Abiturienten sich gestern nach ihrer letzten Prüfung zum Feiern niederließen, Metall-Zusatzeimer und Papiertüten an vollen Mülleimern auf.

Räumdienst festlegen

Der Grünflächenamtsleiter versteht die Müllsünder nicht. Früher hätten „unsere Eltern uns am Schlafittchen gepackt, um den Park aufzuräumen“. Heute heiße es von Eltern, ihre Kinder seien nicht zum Müllräumen da, vergleicht er. Dennoch: Für Barz ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Man wolle Abiturienten das Feiern nicht verbieten. Aber: Bis spätestens zum mündlichen Abitur im Juni wolle er in Kooperation mit den Schulen erreichen, dass vor den Feten ein Räumdienst der Schüler festgelegt werde. Nach der Feier sollte dieser aufräumen – die Stadt würde Säcke, Müllgreifer und Wagen zum Transport bereitstellen.

„Ich bin absolut für einen Räumdienst“, steht Angela Droste hinter der Idee. Da dieser außerhalb der Schulen stattfinde, müsse man die Zustimmung der Eltern haben. Aber: „Man muss die jungen Leute an ihre Pflichten erinnern.“

Gestern räumte die 7b des RMG als turnusgemäßer Schuldienst den Müll der Abiturienten rund um die Schule weg. Nach einem Aufruf via Facebook seien auch zwei Abiturienten dazugekommen, berichtet Droste. Zwei von 150 im Jahrgang.

Reaktionen im Rathaus

„Es kann nicht sein, dass auf Kosten der Steuerzahler unsere Abiturienten feiern. Entweder sie nehmen ihren Müll wieder mit oder kommen für die Kosten auf“, sagte gestern Heilbronns OB Helmut Himmelsbach. Er habe nichts gegen Feten, aber es müsse dabei geordnet zugehen. Grünen-Fraktionssprecherin Susanne Bay forderte Schul-Säuberungsteams. CDU-Fraktionschef Alexander Throm bat darum, die Sache nicht zu hoch zu hängen: „Auch wir haben gefeiert und Müll hinterlassen.“ jof