Ärger bei Toys-R-Us um Betriebsrätin

Heilbronn  Heilbronn - So eine Geschichte habe sie in ihrem Bezirk noch nicht erlebt, kommentiert Verdi-Chefin Marianne Kugler-Wendt, wie die Heilbronner Filiale des Spielwarenunternehmens Toys-R-Us ihre Betriebsrätin loswerden wolle.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

Ärger bei Toys-R-Us um Betriebsrätin
Großer Andrang bei der Eröffnung in Heilbronn 2006.Foto: Archiv/Sattar

Heilbronn - So eine Geschichte habe sie in ihrem Bezirk noch nicht erlebt, kommentiert Verdi-Chefin Marianne Kugler-Wendt, wie die Heilbronner Filiale des Spielwarenunternehmens Toys-R-Us ihre Betriebsrätin loswerden wolle. "Andere Mitarbeiter werden dafür eingespannt, die Kollegin bespitzelt und schikaniert", sagt die Gewerkschafterin.

Seit 2012 hat die Filiale mit knapp 20 Beschäftigten eine Arbeitnehmervertretung. Die Wahl fand statt, nachdem sich rund die Hälfte der Mitarbeiter der Gewerkschaft Verdi angeschlossen hatten. Anlass sei die nicht tarifgerechte Bezahlung gewesen.

Der Ärger habe begonnen, nachdem Anfang 2013 unter einer neuen Filialleitung die Schichteinteilung für einige Mitarbeiter geändert werden sollte − nach dem Betriebsverfassungsgesetz ein mitbestimmungspflichtiges Vorhaben. Der Betriebsrat, der bei der Filialgröße aus nur der einen Betriebsrätin besteht, verweigerte die Zustimmung.

Die Betriebsrätin war selbst betroffen, auch sie sollte von der Früh- in die Spätschicht wechseln. Sie war vor sieben Jahren zu Toys-R-Us mit einem reinen Frühschicht-Vertrag gekommen, wegen ihrer Tochter wollte sie nachmittags zu Hause sein. Auf ihren Kompromissvorschlag, zunächst bis zu den Sommerferien einen Nachmittag zu übernehmen und danach weitere Gespräche zu führen, sei man nicht eingegangen. Stattdessen sei sie für die Spätschicht eingeteilt worden. Weil sie nicht nach der neuen Einteilung arbeitet, gab es inzwischen sechs Abmahnungen, deren Rechtmäßigkeit Verdi anzweifelt: "Die Mitarbeiterin hat nichts getan, woraus man ihr einen Vorwurf machen könnte", sagt Verdi-Sekretär Thomas Müssig.

Die Arbeitgeberseite habe jedoch ein gerichtliches Ausschlussverfahren angestrengt. Mitte Juli ist die Verhandlung. Weitere Vorwürfe von Verdi: Toys -R-Us habe durch Einzelgespräche die anderen Mitarbeiter verunsichert und eingeschüchtert, so dass es zu einer Unterschriftensammlung gegen die Betriebsrätin kam. Zudem habe man der Kollegin, eigentlich Verkäuferin, Putzarbeiten angewiesen. Für Marianne Kugler-Wendt ist der Vorgang auch ein Zeichen dafür, "dass Toys-R- Us noch nicht so aufgestellt ist, dass ein Betriebsrat selbstverständlich ist".

Widerspruch

Bei Toys-R-Us weist man die Vorwürfe entschieden zurück. Grundsätzlich habe eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit örtlichen Betriebsräten sowie dem Gesamtbetriebsrat oberste Priorität, entgegnet das Unternehmen. In konkreten Falle handele es sich keineswegs um einen generellen Konflikt mit der Institution Betriebsrat, vielmehr liege ein individuelles arbeitsrechtliches Fehlverhalten einer Mitarbeiterin vor. Die Belegschaft des Marktes habe sich mehrheitlich für eine Absetzung der Betriebsrätin ausgesprochen.