250 Kurden ziehen friedlich durch Heilbronn

Heilbronn - Es geht auch friedlich: Eine Demonstration von rund 250 Kurden ist am Freitagabend in der Heilbronner Innenstadt ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Polizei war nach Angaben eines Sprechers mit rund 250 Kräften in der Stadt und hielt sich deutlich im Hintergrund.




Heilbronn - Am Ende blieb alles friedlich, und sowohl die Polizei als auch der Demonstrationsleiter waren zufrieden. Ein Protestzug von rund 250 Kurden ist am Freitagabend in der Heilbronner Innenstadt ohne Zwischenfälle verlaufen.
 
Die Polizei war nach Ausschreitungen zwischen Kurden und Türken in Ludwigshafen in dieser Woche vorgewarnt und hatte ebenfalls 250 Kräfte aufgeboten. Einige Polizisten waren wieder in starker Schutzmontur mit Helm und Schlagstock dabei. Sie hielten sich im Hintergrund und ließen die friedlichen Frauen, Kinder und Männer gewähren. Bis auf ein paar Ermahnungen, keine verbotenen kurdischen Parolen zu skandieren, mussten die Einsatzkräfte nicht eingreifen.
 

Keine Störungen

„Wir hatten mit deutlich mehr Demonstranten gerechnet“, sagte Polizeisprecher Rainer Köller zum großen Aufgebot an Mannschaftswagen in der Innenstadt. In der Vergangenheit war es zu kritischen Aufeinandertreffen zwischen Kurden und Türken in Heilbronn gekommen. Dieses Mal gab es keine Störungen und der Protestmarsch in der Abendsonne wirkte mehr wie ein Familienausflug – vor ernstem Hintergrund.

Mit Plakaten „Stoppt den türkischen Staatsterror“ und „Deutsche Waffen raus aus Kurdistan“ gingen die Demonstranten vorwärts, singen auf dem Kiliansplatz ein kurdisches Lied. Sie protestierten gegen Todesfälle an der Grenze der Türkei zum Irak, wo das türkische Militär zwölf Kämpfer der verbotenen PKK getötet hatte. Dies hätten versucht, in die Türkei einzudringen, hatte der türkische Generalstab erklärt.
 

Einheitliche Rechte 

Der Heilbronner Linke-Stadtrat Hasso Ehinger betonte als Gastredner, die EU müsse deutlich machen, dass ohne Freiheit für Kurden und einheitliche Rechte in der Europäischen Gemeinschaft kein Platz für die Türkei sei. Nach eineinhalb Stunden packten die Demonstranten ihre Plakate zusammen und beendeten gegen 18.30 Uhr den Protestzug. Orhan Ates, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinschaft Heilbronn, zeigte sich sehr zufrieden und lobte auch die Zurückhaltung der Polizei. Einsatzleiter Volker Rittenauer gab das Lob für die friedliche Demo zurück. „Das war vollkommen okay.“
 



Todesfälle an der Grenze
 
Mit dem Aufmarsch wollten die Kurden gegen Todesfälle an der Grenze der Türkei zum Irak protestieren. Dort hatten türkische Soldaten im Grenzgebiet zwölf Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet. Diese hätten versucht, in die Türkei einzudringen, hatte der türkische Generalstab mitgeteilt.


Böllerwürfe im November

Im November hatte eine Demo von rund 500 Kurden und Deutschen aus dem Spektrum der Antifa in Heilbronn für Aufsehen gesorgt. Damals hatte die mit großem Aufgebot angerückte Polizei nach Böllerwürfen aus den Reihen vor allem auswärtiger Demonstranten den Protestzug gestoppt. Einige Polizisten erlitten ein Knalltrauma, die Polizei setzte Pfefferspray gegen einen Block junger Männer ein. Mehr als 50 Verletzte, 41 vorübergehende Festnahmen und 82 Platzverweise lautete die traurige Bilanz.
 
Dieses Mal war die Antifa nicht zu sehen – die kurdischen Familien blieben unter sich.