Zivilcourage wird belohnt

Der Präventionsverein „Sicher im Heilbronner Land“, die Heilbronner Bürgerstiftung und das Medienunternehmen Heilbronner Stimme loben im Rahmen des Zivilcouragepreises 2018 insgesamt 6000 Euro aus – für Menschen, die im Jahr 2018 Zivilcourage bewiesen haben. Bewerbungsschluss ist am 31. Januar 2019.

In drei Kategorien können sich Bürger, Organisationen, Gruppen und Schulen bewerben: für den Einzelpreis „Spontanes Einschreiten“, den Gruppenpreis „Projekte und Aktionen zum Thema Zivilcourage“ sowie den Schulpreis für „Projekte oder Aktionen zum Thema Zivilcourage“.

Hinweis: Das Online-Bewerbungsformular finden Sie am Ende dieses Artikels. Das Formular zum Ausdrucken (im pdf-Format) gibt es hier:

 

PDF-Datei: Zivilcouragpreis 2018: Bewerbung Dateigröße: 217.14 KBytes. Datum: 21.11.2018
PDF-Datei: Zivilcouragpreis 2018: Vorschlag Dateigröße: 217.14 KBytes. Datum: 21.11.2018

 

 


Zwölf Mutige erhalten Preis für Zivilcourage   

Am 25. Juli ist der Zivilcouragepreis 2017 in Heilbronn verliehen worden. Der Polizeipräsident erteilte ein dickes Lob an die Preisträger für ihren Einsatz.

Für Polizeipräsident Hans Becker ist es ein Zeichen, dass das Thema Zivilcourage in der Bevölkerung angekommen ist. Zwölf Bürger sind am Mittwochabend für ihren besonderen Einsatz für Mitbürger in Not mit dem Zivilcouragepreis 2017 ausgezeichnet worden. Auch wenn nicht alle zwölf anwesend sein konnten: „Ihr Verhalten war klasse“, lobte der Polizeichef. Und erzählte, dass man auch schon einige positive Beispiele für das Jahr 2018 habe.

Polizei, Bürgerstiftung und Heilbronner Stimme sind Kooperationspartner, wenn es darum geht, wieder neue Preisträger für ihr beispielhaft couragiertes Auftreten auszuzeichnen. „Der größte Erfolg dieser Veranstaltung ist, dass es immer wieder Nachahmer gibt“, betonte Chefredakteur Uwe Ralf Heer bei der Feierstunde im Stimme-Druckhaus.

Vorbild

Den Hut zog der Polizeichef vor Jörg Neubauer. „Vorbildlicher geht es nicht mehr“, sagte Becker. Der Heilbronner hatte einen Gewalttäter, der auf offener Straße auf seine Ex-Partnerin einstach, von hinten umfasst und vom Tatort weggezogen. Ob er nicht auch eine Gefahr für sich gesehen habe? „Ich habe nicht daran gedacht, als ich die Hilfeschreie der Frau hörte“, sagte der 49-Jährige. Und als er den Mann dann von dem Opfer weggebracht hatte, „hat er keinen Muckser mehr gemacht“.

Außergewöhnlich war auch der spontane Hilfseinsatz von Carmelo Cretto. Der Cleebronner (34) befreite einen Jungen, in den sich ein Rottweiler verbissen hatte. „Es war eine spontane Reaktion, ein Instinkt“, erklärte Cretto sein Handeln. Von hinten hat er dem aggressiven Hund ins Maul gefasst, den Kiefer etwas geweitet, so dass der Junge befreit werden konnte. Cretto hatte selbst mal einen Rottweiler. Den Griff hat er jedoch zuvor nie angewandt.Und wie es der Zufall so will: Mittlerweile ist Cretto Trainer der E-Jugendmannschaft, in der auch der Junge kickt.

Mutige Rentnerin

„Zivilcourage ist keine Frage des Alters“, stellte Uwe Ralf Heer bei der Ehrung von Karolina Eichhorn fest. Die Rentnerin hat im Alter von 82 Jahren mit ihrem Gehstock intensiv auf einen Gewalttäter eingeschlagen, der in einem Geschäft in Neckarsulm heftig auf seine am Boden liegende Ex-Partnerin einschlug und eintrat. Er ließ irgendwann von der Frau ab – und die Polizei ist überzeugt, dass der Einsatz der Seniorin schlimmere Verletzungen beim Opfer verhindert hat. Ihren Gehstock mit dem harten Kunststoffgriff hatte Eichhorn dabei. Der Täter habe sicher auch ein paar blaue Flecken davongetragen, ist sie überzeugt.

Für Polizeichef Hans Becker sind einige Fälle auch gute Beispiele, wie rasches Handeln am Tatort und schnelles Informieren der Polizei zu schnellen Fahndungserfolgen führen kann. „Trauen Sie sich, rufen Sie frühzeitig die 110 an“, betonte er. Und nicht nur dann, wenn etwas ganz Schlimmes passiert sei.

 

Hier stellen wir die Fälle vor:
 

Fall 1: Elektrorad-Räuber gestellt

Mit seinem Elektrorad neben sich wartete ein 30-jähriger Mann im Oktober 2017 in der Heilbronner Cäcilienstraße, als ihn plötzlich ein unbekannter Mann auf den Verfassungsschutz ansprach und seinen Ausweis forderte. Als der 30-Jährige dies ablehnte, schlug der Unbekannte dem Radbesitzer unvermittelt ins Gesicht, stahl das Pedelec und fuhr damit davon. Durch Hilferufe alarmiert, nahmen die Radfahrer Alev Seker und Felix Schuster die Verfolgung des Täters auf. Sie holten den Fahrradräuber ein und sprachen den Mann an. Der Unbekannte ließ das Elektro-Rad fallen und floh zu Fuß weiter. Die beiden Helfer brachten das Rad zum Besitzer zurück.

Parallel dazu nahmen zwei weitere Zeugen des Geschehens, Gheorghe Burtz und Albert-Claudiu Tordai, die weitere Verfolgung des Täters auf. Sie schnitten dem Flüchtenden den Weg ab. Als sie ihn ansprachen, schlug der Unbekannte einem der Zeugen ins Gesicht, ehe beide Männer den psychisch kranken Mann zu Boden brachten und bis zum Eintreffen der Polizei festhielten. Preisgeld: jeweils 200 Euro.


Fall 2: Messerstecher überwältigt

Dieser Mann hat einem Gewaltopfer das Leben gerettet: Als Jörg Neubauer im August 2017 in der Heilbronner Hoover-Siedlung laute Hilfeschreie einer Frau hörte, überlegte er nicht lange. Er rannte zu dem Wagen, in dem eine stark blutende Frau saß, auf die ein Mann durch die offenen Scheibe mehrfach mit einem Messer einstach. Der Täter war der Ex-Freund des Opfers. Die frühere Partnerin hatte ein Annäherungsverbot erwirkt. Neubauer griff ein, umklammerte den Täter von hinten, zog ihn vom Auto weg und hielt ihn in Schach, bis die Polizei eintraf. Preisgeld: 400 Euro.


Fall 3: Kind aus Rottweiler-Biss befreit

Beim Mönchsbergseefest in Brackenheim hat Carmelo Cretto im Juni 2017 einen Jungen quasi aus den Zähnen eines Rottweiler-Rüden gerettet. Der Junge lief mit seinem Vater an dem Hund vorbei, streifte das Tier offenbar aus Versehen leicht mit dem Schuh. Der Hund fuhr herum, biss dem Jungen in den Oberschenkel und ließ ihn nicht mehr los – obwohl sein Halter auf den Rottweiler einschlug. Cretto kam zufällig vorbei und handelte geistesgegenwärtig: Er griff dem Hund ins Maul, konnte den Biss lösen und das Kind dadurch befreien. Preisgeld: 200 Euro.


Fall 4: Jugendliche überführen Parfümdieb

Mit beherztem Eingreifen haben drei Jugendliche einen Ladendieb verfolgt und geistesgegenwärtig Fotos von ihm gemacht, die sie dann der Polizei für die Fahndung zur Verfügung stellten. In einem Drogeriemarkt in Bad Rappenau hielten sich David Marschal, Marie Kamitz (Bild links) sowie Milane Ruoff (Bild rechts) im Juli 2017 auf. Plötzlich beobachteten die drei in dem Geschäft, wie ein Kunde seinen Einkaufskorb mit Parfümpackungen füllte und dann ein Handtuch darüberlegte. Als der Unbekannte im Kassenbereich war, wartete er einen Moment ab, bis die Kassiererin kurz abgelenkt war, und ging dann ohne zu bezahlen aus dem Geschäft.

Die Jugendlichen folgten dem Dieb bis zum Bahnhof, fotografierten ihn unterwegs mit ihren Smartphones und alarmierten die Polizei. Als die Polizeistreife am Bahnhof eintraf, war der Unbekannte gerade mit der Stadtbahn Richtung Heilbronn abgefahren.

Dank der guten Personenbeschreibung und der gefertigten Fotos konnte die Polizei den Straftäter im Bahnhof Neckarsulm mitsamt der Beute im Wert von 500 Euro festnehmen. Preisgeld: jeweils 200 Euro.


Fall 6: Mit Gehhilfe Opfer verteidigt

Auf seine frühere Partnerin hatte ein 24-Jähriger im Oktober 2017 in einem Ladengeschäft in Neckarsulm mehrfach mit der Faust eingeschlagen. Das Opfer lag am Boden, der Mann trat weiter auf sie ein. Als Rentnerin Karolina Eichhorn (82) im Geschäft dazukam und die Szenen sah, ging sie mit ihrer Gehhilfe auf den Täter los und schlug mehrfach auf ihn ein. Der Mann ließ von dem Oper ab und verließ das Geschäft. Nach Überzeugung der Polizei erreichte die Seniorin durch ihren Einsatz, dass das Opfer nicht lebensgefährlich verletzt wurde. Preisgeld: 200 Euro.


Fall 7: Unfallflüchtigen verfolgt

Nachdem ein Autofahrer mit hohem Tempo im August 2017 in der Heilbronner Oststraße auf einen Wagen aufgefahren war, flüchtete der alkoholisierte 56-Jährige in seinem Ford Richtung Neckartalstraße. Dabei kam er von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Anja Siebel beobachtete die Szene, fuhr dem weiter Flüchtenden hinterher nach Böckingen, wo sie beim Polizeirevier Anzeige erstattete. Als ein Feuerwehrmann den demolierten, rauchenden Ford sah, stellte er sein Einsatzfahrzeug quer und beendete die Flucht des Mannes. Preisgeld: 200 Euro.

 
Fall 8: Einbrecher fotografiert

Als Saskia Lips im September 2017 morgens als erste Angestellte einen Einkaufsmarkt in Böckingen betrat, hörte sie ein verdächtiges Husten. Sie überraschte Diebe auf frischer Tat. Einer versuchte zwei Glasschiebetüren zum Verkaufsraum aufzudrücken, um einem eingeklemmten Mittäter zu helfen. Die 24-Jährige ging couragiert auf den Eingeklemmten zu, nahm ihm das Diebesgut (Tabak, Knoblauchpresse) aus der Hand und schoss ein Handybild. Die Täter flohen. Die Polizei konnte sie durch die gute Beschreibung und das Bild überführen. Preisgeld: 200 Euro.

 

 


Ansprechpartner bei der Polizei

Roberto Monaci

Telefon: 07131 104-1041

E-Mail: roberto.monaci@polizei.bwl.de

 

Ansprechpartner im Medienunternehmen Heilbronner Stimme

Telefon: 07131 / 615-587

E-Mail: redaktionsmarketing@stimme.de

 

Ich/wir bewerbe/n mich/uns für den Zivilcouragepreis 2018*



Name und Anschrift des Bewerbers *
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Beschreibung: Wann oder wie haben Sie/hat der Vorgeschlagene Zivilcourage bewiesen? Welches Ihrer/seiner Projekte dreht sich um das Thema Zivilcourage?*



* = Pflichtfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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