Wie Tiere Silvester erleben

Region  Egal ob Hund, Katze, Vogel oder Kalb: Für viele Tiere ist der Lärm des Silvesterfeuerwerks eine Qual.

Von unserem Redaktionsmitglied Julia Neuert

Wenn es mitten in der Nacht plötzlich knallt
Schnell unters Sofa oder hinter den Schrank: Wenn es in der Silvesternacht anfängt zu knallen, haben viele Tiere Angst und versuchen sich zu verstecken. Foto: dpa

Border-Collie-Hündin Pia ist die Erste, die weg ist. "Sie verkriecht sich und hat richtig Angst", erzählt Gerhard Kieß. Doch nicht nur bei den Hunden und Katzen auf seinem Hof ist die Aufregung an Silvester groß. Auch bei den Kälbern im Milchviehstall am Ortsrand von Kupferzell herrscht Unruhe, sobald es anfängt zu knallen. "Wir sind froh, wenn es wieder rum ist", sagt der Landwirt, "aber das Feuerwerk gehört eben dazu." Später in der Nacht geht Kieß noch einmal nachschauen, "ob alles in Ordnung" und keines seiner Tiere "irgendwo drüber gesprungen" ist.

Schreckhaft

Ob und wie schreckhaft die Tiere sind, hängt von den Erfahrungen, aber auch dem Charakter jedes einzelnen Tieres ab. "Meine beiden stecken das gut weg", kann Sylvia Menzel, Vorsitzende des Tierschutzvereins Hohenlohe, über ihre Hündinnen − einen Rottweiler und einen Border-Collie-Mix − sagen. Ganz anders erging es da einem Bernhardiner, der sich letztes Jahr in der Silvesternacht auf die Autobahn bei Neuenstein verirrte. Um kurz nach Mitternacht wurde Menzel von der Polizei informiert. Mit den Beamten gelang es, das 70 Kilo schwere Tier ins Tierheim in Waldenburg zu bringen.

Glück

"Zum Glück war wenig los auf der Straße", erinnert sich die Vorsitzende an den Vorfall. Während sein Herrchen feierte, war der Bernhardiner wohl aus Angst vor der Knallerei aus dem Garten getürmt. Am nächsten Tag holte der Halter ihn wieder ab. Die Silvesternacht verbringt Menzel mit ihren Vierbeinern im Tierheim in Waldenburg. Durch die Lage im Industriegebiet sei es dort nicht ganz so schlimm mit dem Lärm. Doch um den vier Hunden und rund 40 Katzen die Nacht erträglicher zu gestalten, lässt die Vorsitzende die Rollläden herunter, schaltet das Licht ein und macht das Radio an.

"Für die Tiere kommt das Feuerwerk völlig unerwartet mitten in der Nacht", erklärt Dr. Helmut Stoffel vom Veterinäramt des Hohenlohekreises in Öhringen. Auch für Nager bedeute Silvester Stress: "Hamster oder Mäuse sind klein, deshalb ist ihr Kreislauf besonders anfällig."

Bei Hunden, die eine Geräuschphobie haben und panisch reagieren, könne ein angstlösendes Medikament helfen, macht Joachim Dieter Fritz, Tierarzt und Inhaber der Kleintierklinik am Landratsamt in Heilbronn, deutlich. Der Anteil der Hundebesitzer, die auf Medikamente zurückgriffen, sei aber gering. Oft helfe es schon, die Fenster zu schließen, die Tiere zu beruhigen oder in einen stillen Raum zu bringen.

Flughöhe

Interessante Entdeckungen machten Forscher in den Niederlanden bei der Beobachtung von Vögeln mittels Radar während der Silvesternacht, erläutert Ralf Gramlich, Leiter der Ornischule in Zaberfeld. Während beispielsweise eine Amsel normalerweise in 50 oder 100 Metern Höhe fliegt, flüchteten die Vögel in über 1000 Meter Höhe, blieben lange in der Luft und kamen erst zehn Minuten nach Ende des Feuerwerks wieder herunter. "Wie nachhaltig sie dadurch gestört werden, lässt sich nicht sagen", betont der Ornithologe. Da stecke die Forschung noch in den Kinderschuhen.


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