Verkauft Kirche das Hans-Rießer-Haus?

Heilbronn  Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn hat derzeit viele Baustellen. Nun kommt eine weitere hinzu. Die Sanierung des Verwaltungsgebäudes an der Ecke Allee/Wollhausstraße käme auf acht Millionen Euro. Der Verkauf ist nicht tabu.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth

Verkauft Kirche das Hans-Rießer-Haus?
Weil die Sanierung des Rießer-Hauses an der Ecke Allee/Wollhausstraße teuer kommt, prüft die Kirche Alternativen. Der Verkauf ist nicht tabu. Foto: Mario Berger

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn hat viele Baustellen. Nun kommen zwei große und einige kleinere hinzu. Vor wenigen Tagen wurde wie berichtet bekannt, dass die Kilianskirche in den nächsten fünf Jahren für 2,7 Millionen Euro saniert werden muss. Nun berichtet Vorsitzender Dr. Henning Hoffmann von einem noch "dickeren Brocken": Auf stattliche acht Millionen Euro schätzt er eine Generalsanierung des Hans-Rießer-Hauses, also des mehrstöckigen Verwaltungs- und Veranstaltungshauses an der Ecke Allee/ Wollhausstraße.

Angesichts der hohen Summe stehe die Frage im Raum: "Erhalten oder verkaufen?" Zwar sei das Haus noch voll funktionsfähig, die Beantwortung der Frage habe noch Zeit, doch bereitet der Engere Rat eine Empfehlung vor, über die wohl 2015 oder 2016 abgestimmt wird.

Baustellen

Dies gab der mit 74 von 75 Stimmen wiedergewählte Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderates bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums im Saal des von vielen schlicht "Hansi" genannten Nachkriegsgebäudes bekannt. "Ich kann mir vorstellen, dass es in einigen Gemeinden jetzt grummelt. Und was ist mit uns?", so Hoffmann weiter. Für 2014 sei die Sanierung des Süd- und des Wartberggemeindehauses in Arbeit, danach seien die Nikolaikirche am K3 und die Sontheimer Matthäuskirche an der Reihe. Außerdem werden einige Pfarrhäuser energetisch saniert, soweit das Förderprogramm des Stuttgarter Oberkirchenrates dies zulasse.

Hoffmann gab den 75 Räten aus sieben Gemeinden zunächst einen Überblick auf die rege Bautätigkeit der Vorjahre. Die durch eine Aktion von Stimme und Bürgerstiftung unterstützte Erneuerung der Gaffenberg-Freizeitanlagen soll rechtzeitig zur Sommersaison 2014 abgeschlossen und eingeweiht werden. Gleichzeitig kann dabei nach einer Vakanz die neue Jugendpfarrerin Christine Marschall begrüßt werden. Die Frage, ob sie offiziell "Oberonkelin" oder schlicht "Marschall" genannt wird, muss nach Angaben von Pressepfarrer Matthias Treiber noch beantwortet werden.

Verkauft Kirche das Hans-Rießer-Haus?

Die Finanzierung des neuen Kilianshauses in bester Lage gegenüber der Kilianskirche ist jetzt in trockenen Tüchern, nachdem eine ausgediente Gemeindeimmobilie an der Olgastraße für gutes Geld verkauft werden konnte: und zwar an die Schwarz-Gruppe, die in der Nachbarschaft ansässig ist. Hoffmann lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich Kirchenpfleger Rolf Krieg für sein professionelles Management − aber auch für seine gute Haushaltsführung.

Mitgliederschwund

Krieg gab zu bedenken, dass der Etat 2014 (siehe Tabelle) dank unverhoffter Steuereinnahmen zwar ausgeglichen sei, dass dies aber angesichts sinkender Mitgliederzahlen in Zukunft immer schwerer werde. 2003 ist die Zahl der Protestanten in Heilbronn erneut gesunken: um 1,71 Prozent auf 20 710; 1994 waren es noch 28 104.

Das Sparpotenzial beim Personal sei fast ausgereizt, hieß es, wobei die meisten der 250 Mitarbeiter in Kindergärten arbeiten, wo es sowieso keinen Stellen-Spielraum gibt. Die Gesamtkirchengemeinde ist Träger von 16 Kindergärten und sechs Tagesstätten. Dort gibt es vier betreute Spielgruppen für Zwei- und Dreijährige. Neu gestaltet wurden zuletzt der Johanneskindergarten und das Kinderhaus Schillerstraße. Neben dem Gaffenberg ist die Kirche an vielfältigen diakonischen Leistungen beteiligt: von Bahnhofsmission und anderen Missionsdiensten über Frauenhaus, Nichtsesshaftenhilfe, Nachbarschaftshilfe bis zur Altenbetreuung. Etliche Aufgaben werden im Schulterschluss mit dem Kirchenbezirk bewältigt.