Stadt und Region tüfteln an Schnellzug-Plan

Heilbronn  Im Hintergrund laufen Gespräche für eine Realisierung der Intercity-Anbindung deutlich vor dem genannten Termin 2028.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Stadt und Region tüfteln an Schnellzug-Plan

Kurzes Intermezzo: Fahrgäste steigen im Juli 1973 in einen DC-Schnellzug in Heilbronn ein. 1975 strich die Bundesbahn diese Verbindung wieder.

Foto: Archiv/Kachelmus

 

Es ist der Wunschtraum vieler in der Region, heiß ersehnt und bisher noch in weiter Ferne: Dass die Stadt Heilbronn mit einer Intercity-Verbindung endlich wieder ans Schnellzugnetz angeschlossen werden soll, hat Rathaus, Regionalverband und Verkehrsclub Deutschland (VCD) elektrisiert. Das von der Bahn in Aussicht gestellte Datum "bis 2028" allerdings dämpfte die erste Freude schlagartig auf Kühlschranktemperatur.

Im Hintergrund laufen derzeit viele Gespräche. In der zweiten Aprilhälfte wolle man in enger Abstimmung mit regionalen Entscheidungsträgern "in direkten Gesprächen mit der Bahn deutliche Verbesserungen im Fernverkehr erzielen", teilt Heilbronns Rathaussprecher Anton Knittel mit. Besonders werde der Blick dabei auf die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn gelegt.

Auch im Regionalverband Heilbronn-Franken herrscht emsiges Treiben. Auf "kontinuierliche Abstimmungsgespräche" verweist Verbandsdirektor Klaus Mandel und vertröstet ebenfalls auf Ende April.

Neckarland

Es gab Zeiten, da hatte Heilbronn einen Anschluss ans Fernverkehrsnetz der Bahn. In den 1970er Jahren gab es die "City-D-Züge" (DC), die ab Sommer 1973 auf verschiedenen Linien fuhren. Heilbronn war über den DC "Hohenloher Land" oder "Frankenland" an die Strecke Saarbrücken-Nürnberg angeschlossen, eine Linie "Neckarland" fuhr zwischen Würzburg und Stuttgart. Bis zu drei Mal täglich sollten diese Schnellzüge nicht ans Intercity-Netz angeschlossene Städte mit den IC-Punkten verbinden. Als "ersten Schritt in das Eisenbahn-Zeitalter der Zukunft" beschrieb die Stimme damals die Neuerung.

Die neue geplante IC-Verbindung der Bahn Richtung Würzburg ist für den Heilbronner Roland Rösch, früherer Eisenbahner in der Generalvertretung in Stuttgart, deshalb eigentlich "eine alte Geschichte". Mit dem DC "gab es das ja schon".

Klassen-Wirrwarr

Das DC-Zeitalter war nur von kurzer Dauer. 1978 gab die Bahn die Zuggattung komplett auf, in Heilbronn wurde bereits 1975 die erste Linie eingestellt. Die Nachfrage: offenbar zu gering. Man könne es sich nicht leisten, "Geisterzüge verkehren zu lassen", hieß es damals bei der Bundesbahn. Indes: Kritik wurde an der Bahn laut, dass sie ein unausgegorenes Angebot gemacht hatte. Die IC-Ergänzungszüge fuhren zweite Klasse, im IC gab es jedoch nur 1. Klasse. Als der Intercity-Slogan "jede Stunde, jede Klasse" ausgegeben wurde, war es für Heilbronn zu spät, erinnert sich Rösch. Da war der DC bereits gestrichen.

Kommt jetzt mit dem neuen Projekt endlich eine langfristige Verbesserung? Hans-Martin Sauter, Vorsitzender im VCD-Regionalverband, hat schon Stimmen gehört, dass Heilbronn erst ans IC-Netz angebunden werden könne, wenn das Stuttgart-21-Projekt fertig ist − weil zuvor keine Gleise im Stuttgarter Hauptbahnhof zur Verfügung stünden. Bisheriger Termin für S?21?sei frühestens 2021. Auch Sauter will forcieren, dass Heilbronn bereits zur Buga einen IC-Anschluss erhält. Falls es mit der Bahn nicht umsetzbar sei, "muss man versuchen, einen privaten Anbieter zu finden". Vielleicht könnte sich die Region finanziell beteiligen, blickt er voraus. Eine Schnellzug-Strecke Konstanz-Stuttgart-Heilbronn-Fulda fände Sauter sinnvoll − weil man in Fulda "auf vier ICE-Linien umsteigen kann".

Privater Anbieter

Doch vorerst müsste die Frankenbahn-Strecke Richtung Würzburg ausgebaut werden. Aus Sicht von Sauter müssten im Bereich Neckarsulm mindestens drei zusätzliche Weichen und weitere Signale platziert werden, "damit sich zusätzliche Züge nicht gegenseitig ausbremsen". Ein zweites Gleis auf der Jagsttalbrücke sei zudem notwendig.

Er rechnet mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich − und ärgert sich, dass der Bund im Südwesten zu wenig Mittel für Schienenprojekte bereitstellt. Mittlerweile müsse das Land Baden-Württemberg mehr als 100 Millionen Euro zuschießen, "damit keine Züge gestrichen werden". Sauters Fazit: Der Bund müsse seine Gelder "besser verteilen".

Stadt und Region tüfteln an Schnellzug-Plan

Ein TEE (Trans-Europ-Express) hält auf einer Sonderfahrt im September 1969 in Heilbronn: "Eine Minute lang war Heilbronns Hauptbahnhof Tor zur großen, weiten Welt", schrieb die Heilbronner Stimme damals.

Foto: Archiv/Scheuber

 

 

Auch an das Interregio-Netz, das die Deutsche Bundesbahn ab Ende der 1980er Jahre einführte, war Heilbronn einmal angebunden. Es gab unter anderem eine "Rennsteig"-Verbindung, die über Würzburg nach Erfurt führte. 2001 wurde sie gekappt, stellte SPD-Stadtrat Gerd Kempf kürzlich im Gemeinderat fest. Seitdem sei die Großstadt Heilbronn "vom Fernverkehr abgeschnitten".

Für VCD-Regionalchef Hans-Martin Sauter ist das jetzt vorgestellte, aktuelle Modernisierungskonzept der Bahn mit den neuen geplanten IC-Anschlüssen fast identisch mit dem damaligen Interregio-Netz. "Ein großer Wurf" sei es damit nicht. cf