Die Helden des Alltags in der Krise

Region  Handwerker, Physiotherapeuten, Wäschereien - sie alle sind auch während der Krise weiter "ganz normal" im Einsatz. Wir haben einige von ihnen getroffen und mit ihnen über ihren Alltag in Krisenzeiten gesprochen.

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Nicole Kopp, Textilbranche 

Bei vielen Unternehmen in der Wäschereibranche, die für Hotels und Gastronomie tätig sind, ist in Zeiten von Corona das Geschäft eingebrochen –  bei der Textilpflegefirma Kopp aus Untereisesheim ist genau das Gegenteil der Fall. „Wir kämpfen aktuell mit sprunghaft ansteigenden Mengen an Wäsche aus Pflegeheimen. Wir wurden quasi überrollt mit Aufträgen“, schildert Nicole Knopp, eine von insgesamt drei Geschäftsführern, ihre Erfahrungen. Rund 18 Tonnen Wäsche täglich müssten die insgesamt vier Waschstraßen bearbeiten, im Schnitt zwei Tonnen mehr als vor Corona. Um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden, hat sich die Firma Kopp, die hautpsächlich für das Gesundheitswesen tätig ist, mit der Wäscherei Schäfer aus Walldorf zusammengeschlossen. Die hätten aufgrund der Tatsache, dass sie vor allem das Hotel- und Gastronomiegewerbe bedienen, kaum noch Arbeit. Regelmäßig die Hände zu desinfizieren sei für die 180 Mitarbeiter nichts Neues, und schon vor Corona fest im Arbeitsalltag integriert gewesen„Wir sind dankbar, dass unsere Mitarbeiter in diesen Krisenzeiten so toll mitziehen“, lobt Inhaberin Nicole Kopp. 

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Simon Hebestadt, Dachdecker 

 „Wer hätte das gedacht, das ich so etwas mal erlebe“, sagt Simon Hebestadt mit Blick auf Corona. Der Dachdecker ist angestellt bei Josef Lang und Sohn in Heilbronn, kann bereits auf 14 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Seine Arbeit macht er gerne. In Zeiten von Corona sogar noch lieber als sonst: „Ich bin froh, dass wir Handwerker weiter gefragt sind und arbeiten dürfen.“ Auch sonst versucht Simon Hebestadt optimistisch zu bleiben und trotz der Krise das Gute zu sehen: „Morgens auf dem Weg zur Baustelle sind die Straßen wie leer gefegt, das ist angenehm, ich komme viel schneller an.“ Ansonsten habe sich nicht viel geändert. Die Mittagspause verbringt er meistens ungestört auf dem Dach, erzählt er. Bei schönem Wetter spannt er auch mal seine Hängematte ans Gerüst und genießt die Ruhe. Angst, sich anzustecken, hat der Dachdecker nicht: „Wir sind immer die gleiche Gruppe, halten Abstand voneinander und tragen im Auto einen Mundschutz.“ Während seiner Arbeit oben auf dem Dach begegnet er außer seinen Kollegen keinen anderen Menschen. „Dort haben wir unsere Ruhe.“ Viele Baustellen hätten zudem einen Waschcontainer, „in dem wir uns vor dem Betreten die Hände waschen“.

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Semir Berbic, Handwerker 

„Wir haben große Umsatzeinbußen“, sagt Semir Berbic, Inhaber der Firma IPB Bau- und Plan in Heilbronn. Geplante Termine mit Privatpersonen zur Wohnungsrenovierung seien alle abgesagt worden. Aber Berbic hat Verständnis für den Einbruch an Terminen, die nun größtenteils verschoben werden sollen: „Ich würde vermutlich auch nicht wollen, dass fremde Handwerker zu mir nach Hause kommen. Man kann nie wissen, was die rein schleppen.“ Semir Berbic beschäftigt sechs Mitarbeiter. Vereinzelt musste er bereits welche in Kurzarbeit schicken. Zudem hat er Schichten eingeführt. Seine Mitarbeiter teilen sich die Arbeit auf, arbeiten alle paar Tage im Wechsel. „Das ist sicherer, ich habe sonst die Befürchtung, dass sich einer mit Corona infiziert und im schlimmsten Fall die ganze Gruppe ansteckt.“ Mindestens zwei Meter Abstand während der Arbeit einzuhalten sei schwierig, vor allem bei Montagearbeiten, bei denen die Handwerker oft auf gegenseitige Hilfe angewiesen sind. „Zum Beispiel beim Anheben schwerer Platten.“ Ob Semir Berbic einen Wunsch hat? „Wieder normal und ohne Einschränkungen arbeiten zu können.“

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Michael Kling, Handwerker

„Die Autos stehen Schlange, oft die ganze Straße runter“, schildert Michael Kling seine Erfahrungen aus den vergangenen Wochen. Besonders viel los sei vor dem langen Osterwochenende gewesen. Seit 17 Jahren arbeitet Michael Kling als Platzwart auf dem Nordheimer Recyclinghof des Landratsamts Heilbronn. Eine derartige Situation habe er in all den Jahren aber noch nicht erlebt. Seit Corona das Leben stark einschränkt, gelten auch auf dem Recyclinghof strenge Sicherheitmaßnahmen. Nur sechs der insgesamt zwölf Plätze dürfen demnach belegt sein, so die Anweisung des Landratsamts. „Die Menschen müssen auf jeden Fall Geduld mitbringen.“ An den regulären Öffnungszeiten soll sich dem Platzwart zufolge aber nichts ändern. „Die bleiben gleich.“ Während seiner Arbeit steht Michael Kling am Eingang des Recyclinghofs und winkt die Anlieferer in ihren Autos her, sobald ein Platz frei wird. Ob die Menschen genug Abstand halten, während sie ihren Müll entsorgen? „Auf jeden Fall. Das ist bei den meisten zur Routine geworden.“ Das freut Michael Kling: „Dann habe ich auch keine Angst, mich mit Corona zu infizieren.“

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Manuel Majunke, Physiotherapeut

Am Anfang der Corona-Krise sei auf das Therapiezentrum Rehadrom eine regelrechte Angstwelle zugekommen. „Viele Patienten haben ihre Termine abgesagt und wollten nicht kommen“, erinnert sich Manuel Majunke, der mit seiner Partnerin Maria Koller die Praxis betreibt. „Wir haben Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent.“ Behandlungen in Altenheimen sind wegen des dort verhängten Besuchsverbots vom Terminkalender gestrichen. Rehasport in Gruppen? Nicht mehr möglich. Und das Fitnessstudio im dritten Stock? Geschlossen. Nur noch Patienten mit Rezept dürfen dort trainieren. „Wir haben die Zeit aber genutzt, die Geräte umgestellt und einen neuen Boden verlegt“, erklärt Maria Koller. Bevor es zu einem Hausbesuch geht, wird sich mit dem Patienten abgesprochen. Zudem tragen alle Mitarbeiter einen Mundschutz, Türklinken und Trainingsflächen werden regelmäßig desinfiziert. „Wir tun alles, was im möglichen Bereich liegt, um Mitarbeiter und Patienten zu schützen“, betont Manuel Majunke, der seit gut zehn Jahren als Physiotherapeut arbeitet. Bald soll es Online-Kurse geben, an denen die Patienten von zu Hause teilnehmen können.

Heike Mohler, Ladeninhaberin 

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Am 9. März öffnete der neue Dorfladen nach einigen Umbauten des vorherigen Gemüseladens in der Pfedelbacher Ortsmitte seine Türen. Im Eiltempo stellten sich die Mitarbeiter auf die neuen Bedingungen ein. Zwei Kunden dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten. „Die meisten akzeptieren das“, meint Verkäuferin Silke Heinle. Ungefähr einmal am Tag sei ein Kunde der kein Verständnis zeige. „Aber wir lassen uns nicht stressen.“ Von derart bösen Anfeindungen, wie es öfter Einzelhandel zu hören ist, blieben sie dennoch verschont. Ruhiger ist es zudem. Die Mitarbeiterinnen bedauern, dass das Tante Emma-Laden-Feeling fehlt. „Die Älteren, die am Anfang gekommen sind und Zeit für ein Schwätzchen hatten, kommen zur Zeit nicht“, meint Heinle. Auf der anderen Seite ziehe es auch Kunden in den Laden, denen es im Supermarkt zu voll ist. Besondern stolz ist Inhaberin Heike Mohler auf die frische Hefe im Kühlregal. „Die zu organisieren war nicht ohne“, lacht sie. „Es war über fünf Ecken über einen Bekannten.“ Nun hofft sie auf die Vernunft ihrer Kunden, denn von Hamsterkäufen hält sie nichts.“ 


Lisa Könnecke

Lisa Könnecke

Volontärin

Lisa Könnecke arbeitet seit Februar 2020 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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