Beim Zen heißt es Sitzen in Kraft und Stille

Heilbronn  Wie die einstündige Zen-Meditation schon 800 Buga-Besucher inspiriert hat.

Beim Zen heißt es Sitzen in Kraft und Stille

Zen-Trainerinnen und Trainer (v.li.) Sabine Marquardt, Andrea Koppenhöfer, Matthias Denzinger, Hedwig Gerster und Sabine Schirbel: Die Verbeugung ist fester Bestandteil der Meditation, als Zeichen des Respekts.

Foto: Mario Berger

Männer und Frauen, Jüngere und Ältere. Mal sind es nur fünf, and manchen Tagen kommen 25 und lassen sich ein auf eine Stunde Zen-Meditation. Der Daishin-Zen-Verein und Sanbo-Zen aus Heilbronn haben sich zusammengetan, um während der Buga drei regelmäßige Termine anbieten zu können. Zehn ausgebildete Trainer übernehmen die Zeremonie, die sehr unterschiedliche Menschen anspricht.

Jeder Trainer setzt zudem seinen eigenen Schwerpunkt. Daishin-Zen macht Meditationen im japanischen Stil. Bei Sanbo-Zen sei Zen auch Friedensarbeit, sagt Trainerin Hedwig Gerster. "Wenn man auf verbaler Ebene in eine Sackgasse geraten ist, dann kann Stille eine Verbindung zwischen den Menschen schaffen."

Holzbänkchen unter dem Po

Die Gruppe wird vor der Jugendherberge abgeholt und in den Zen-Raum geführt. Dort warten schwarze Fußbodenmatten und Holzbänkchen mit abgerundeten Füßen auf die Teilnehmer. Der Zen-Lehrer bittet, Platz zu nehmen. Wer Probleme mit den Knien hat, darf sich auf einen Stuhl setzen. Eine Verbeugung zu Beginn und am Ende ist Bestandteil der Zeremonie, als Zeichen des Respekts vor sich selbst und den anderen.

Ein feste Sitzposition, die mit dem Boden verbindet, den Rücken gerade, die Augen halb oder ganz geschlossen, die Hände ruhen vor der Körpermitte: In dieser Haltung gilt es, die Stille zu erleben, den Atem zu spüren, die Gedanken zur Ruhe zu bringen. "Es gibt eine Verbindung von Stille und Energie", sagt Matthias Denzinger. "Desto mehr Stille, desto mehr Energie", so die Erfahrung. Viele Teilnehmer würden dabei merken, dass sie schon sehr lange nicht mehr still gesessen sind, ohne etwas anderes zu tun, zum Beispiel auf ihr Handy oder Tablet zu gucken, erklärt der Zen-Lehrer. "Einem Schwaben zu sagen, "setz" dich hin und mach" nichts", ist eine echte Herausforderung."

Wie im Zen-Kloster

Zusätzlich zu den regelmäßigen Terminen gibt es die zweistündige Meditation mit Teezeremonie, die noch an zwei Samstagen vor Ende der Buga stattfindet. Sie soll an einen Morgen im Zen-Kloster erinnern. In vier Schlucken wird dabei der speziell zubereitete Grüntee getrunken, und dazu werden die Worte Klarheit, Respekt, Harmonie und Stille gesprochen.

800 Teilnehmer sind seit Beginn der Buga bereits dabei gewesen. Viele kommen regelmäßig und planen die Stunde in ihre Buga-Runde ein. Rund ein Drittel, so schätzen die Trainer, sind Dauergäste. Manche kämen auch spontan, etwa aus der Jugendherberge. "Unsere jüngste Teilnehmerin war vier Jahre alt." Selbst so junge Menschen hielten die Meditation gut aus: "Stille trägt auch Kinder mit", sagt das Team.

Für Matthias Denzinger hat die Buga eine ganz besondere Energie. Und bei Andrea Koppenhöfer geht Zen auf der Buga weit über die einstündige Zeremonie hinaus: Man habe mit der Gartenschau immer auch Fragen der Stadtentwicklung und des Zusammenlebens in der Stadt aufwerfen und beantworten wollen. "Der Aspekt der Stille ist für unsere Gesellschaft so wichtig."


Termine auf der Buga

Treffpunkt vor der Jugendherberge ist montags und mittwochs um 10 Uhr, freitags um 18 Uhr, Dauer jeweils eine Stunde. An den Samstagen 14. September und 5. Oktober ist von 10 bis 12 Uhr eine längere Meditation mit Teezeremonie.


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

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