Mit uriger Musikmaschine zum Buga-Star

Heilbronn  Performance-Künstler Stefan Göggel tuckert mit einem selbstgebauten Instrumente-Gefährt über das Gelände. Sitar, Didgeridoo und Spinnrad sind zentrale Elemente. Der 51-Jährige erklärt, warum sein Einsatz manchmal mit einem Marathonlauf vergleichbar ist.

Von Carsten Friese
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Mit uriger Musikmaschine zum Buga-Star

Ein bunter Mix aus Instrumenten: Mit seiner Musikmaschine verbreitet Stefan Göggel auf der Buga einen ganz besonderen Klang − und gute Laune.

Fotos: Andreas Veigel

Er ist ein besonderer Blickfang auf der Buga, der Besucher in Scharen staunen lässt. Wenn Stefan Göggel mit seiner rollenden Musikmaschine und den sphärisch-rhythmischen Klängen über das Gelände tuckert, ist ihm Aufmerksamkeit von Jung und Alt sicher.

31 Einzelklänge kann er auf seiner Doretta abrufen

Fünf Jahre hat der gelernte Automechaniker an dem besonderen Vehikel immer wieder getüftelt, in dem er bis zu 31 Einzelklänge abrufen kann. Viele Instrumente hat er auf engem Raum vereinigt, die er mit Spezialkonstruktion über ein Spinnrad bedienen kann.

Im Zentrum seiner Musik stehen eine indischer Sitar, eine gitarrenähnliche Langhalslaute mit 21 Saiten, und ein Didgeridoo, das dumpf klingende, lange Blasinstrument der Ureinwohner Australiens. Die bedient der 51-Jährige mit Händen und Mund. Über einen Fuß treibt der Musiker das Spinnrad an, das über eine Kette und Zahnräder dann zum Beispiel eine mit Kuhfell überzogene Rahmentrommel, ein Xylophon, eine Rhythmus gebende Magnetwalze oder ein schepperndes Schlagzeug in Gang setzt. Mit dem Knie steuert er Basstrommeln, neben seinem Sitz kann er den Sound mit Hilfe eines kleinen Mischpults variieren.

Eine große Tuba ist an einer Seite als Dekoration integriert, ganz vorne blinkt ein gelbes Autolicht von 1890. Über dem 250 Kilo schweren Gefährt hat der Musiker einen Thai-Schirm aus Bambus fest installiert. "Der ist fantastisch, hält Sonne und Regen ab." Zwei große, flügelartige Lederstücke am Heck verleihen dem urigen Vehikel ein weitere besondere Note.

Von mystisch bis fröhlich reicht sein Musikspektrum mit eigenen Stücken

Mit uriger Musikmaschine zum Buga-Star

Über ein Spinnrad und Ketten werden die meisten Instrumente angetrieben.

Was die rollende Ein-Mann-Band antreibt? Die Ur-Idee war, die Instrumente Sitar und Didgeridoo zu vereinen. Dann wollte Göggel die Pausen zwischen den einzelnen Liedern, die er selbst schreibt, mit weiteren Klängen füllen. "Doretta" hat er seine Musikmaschine getauft - in Anlehnung an seine frühere Partnerin mit Namen Doris, die irgendwann ohne ihn nach Australien auswanderte.

Mit seinem fahrenden Musikbaukasten ist der Reutlinger ein Pionier, das besondere Ensemble ist für ihn inzwischen Broterwerb. Er wird mit seinen Liedern für große Veranstaltungen, Geschäftseröffnungen, Automessen, Kinderfeste, Tage der offenen Tür oder Erlebnisparks gebucht. Seine Musik reiche von mystisch bis fröhlich - ein eigener Stil.

Als Performance-Künstler beschreibt sich Göggel selbst. Was an seiner Kunst den Reiz für ihn ausmacht? Er habe die Gabe, "Tausende Menschen zum Lachen zu bringen", sagt er. "Das bedeutet mir viel." Er wolle die Menschen mit seiner Musik "inspirieren". Und wenn die Menschen stehen bleiben, lachen, interessiert Fragen zu seiner Konstruktion stellen, bekomme er auch viel zurück.

Besucher bleiben stehen und machen Handyfotos von dem besonderen Gefährt

Maximal 5,5 Stundenkilometer fährt seine Doretta, die von einem Rollstuhlmotor samt Batterien angetrieben wird. Mit einer Fußwippe lenkt der 51-Jährige sein Vehikel - natürlich auch dies Marke Eigenbau. Ganz gemächlich tuckert das Gefährt an der Stadtausstellung und den orangefarbenen Buga-Zwergen vorbei. Seinen rhythmisch eingängigen Song "Jump" gibt Göggel gerade zum Besten. Er will mit seiner Kunst die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwinden lassen, hat er kurz davor gesagt. Überall drehen sich Buga-Besucher um, zucken die Handys. "Das ist toll", sagt eine Frau. "90 Prozent lächeln, wenn sie mich sehen", erzählt Göggel. Für ihn ein wunderschönes Gefühl. Und als er da mit zufriedenem Ausdruck seine Instrumente bedient, hat man den Eindruck, er hat in der Tat das Richtige für sein Leben gefunden.

Für Göggel ist sein Job auch eine Art Sport. Fünf Minuten Didgeridoo blasen sei von der Anstrengung wie 30 Minuten Joggen, vergleicht er. Ein Tag auf der Buga sei für ihn somit eine Art "Marathonlauf".

 
 

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