Mit dem Schoko-3D-Drucker auf Erfolgskurs

Heilbronn  Die Handwerkskammer präsentiert auf der Buga Betriebe mit innovativen Ideen. Ein Sneaker-Reparaturbetrieb gehört dazu sowie ein Konditormeister, der selbst eine Maschine entwickelt hat, die süße Produkte kreiert.

Mit dem Schoko-3D-Drucker auf Erfolgskurs

HWK-Präsident Ulrich Bopp (re.) und Geschäftsführer Ralf Schnörr am Stand von Hagen Matuszak. Er hat einen Reparaturbetrieb nur für Sneaker-Schuhe aufgebaut.

Da staunen Buga-Besucher über die pfiffige Idee, und auch der Chef der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken ist richtig angetan. Einen 3D-Drucker, mit dem witzige Schokoladefiguren und schöne Schoko-Schriftzüge produziert werden, ist am Tag des Handwerks am Samstag auf der Ausstellungsfläche ein Blickfang.

Konditormeister und Chocolatier Benedikt Daschner aus Bayern hat die Maschine mit den süßen Endprodukten entwickelt und inzwischen viele Aufträge.

"Wir zeigen heute ganz bewusst innovative Ideen und wollen klar machen, dass es da keine Grenzen gibt", erklärt HWK-Präsident Ulrich Bopp. Die Imagekampagne des Deutschen Handwerks ist auf vielen großen Schautafeln zu sehen, wo mit flotten Slogans Lust auf Handwerk gemacht werden soll. Auch Bopp und HWK-Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr haben T-Shirts an, auf denen zum Beispiel "Ich bin Handwerker. Ich kann das." steht.

Nachfolger für viele bestehende Betriebe fehlen bundesweit

Hintergrund des Aktionstags sind graue Wolken über der Handwerkerzunft. Bundesweit sollen demnächst rund 180.000 Betriebe aus Altersgründen übergeben werden - und es gibt keine Nachfolger. "Auch bei uns in der Region ist das eines der größten Probleme", sagt Bopp und spricht von einem Akademisierungswahn, der nicht gut für die Gesellschaft sei.

Das Handwerk müsse sich "cooler" präsentieren, man müsse jungen Menschen auch zeigen, dass man hier in relativ kurzer Zeit gutes Geld verdienen kann. Und: Bei der Bezahlung insgesamt "müssen wir mehr tun".

Am Schoko-Drucker gut fünf Wochen selbst getüftelt

Mit dem Schoko-3D-Drucker auf Erfolgskurs

Benedikt Daschner (Mitte) erklärt seinen Schoko-3D-Drucker mit der feinen Düse, der Radfahrer, Köpfe, verzierte Tassen oder Schriftzüge produziert.

Fotos: Dennis Mugler

Clevere, innovative Ideen sind da natürlich hilfreich. Benedikt Daschner hat seinen Schoko-3D-Drucker selbst gebaut, nach rund fünf Wochen Tüfteln hatte er erste brauchbare Ergebnisse. Die beste Temperatur sei um 18 Grad, in 20 bis 25 Minuten sei eine Figur meist fertig. Je flüssiger die Schokolade sei, "desto schöner werden die Druckergebnisse", erklärt er.

Der Drucker mit der feinen Düse fertigt gerade einen Radfahrer, in einer Vitrine stehen eine verzierte Tasse, Tannenbäume oder gerahmte Schoko-Schriftzüge wie "Danke" und "Happy Birthday". Die Nachfrage steigt. Zu runden Geburtstagen, Hochzeiten oder für Werbegeschenke von Firmen fragen Kunden an. Inzwischen ist er "zu 50 Prozent 3D-Druck-Chocolatier".

Ein paar Meter weiter zeigt der Berliner Hagen Matuszak, wie er die begehrten Sneaker-Schuhe zu neuem Leben erweckt. Er hat einen Reparaturservice für die Schuhe aufgebaut, damit weniger Müll anfällt - und will Kunden faire Preise anbieten, so dass nicht der Großhandel an den neuen Schuhen viel Geld verdient und Leute in Billiglohnländern, die alles produzieren, nur "eine Handvoll Reis" erhalten. Im März 2018 startete er. Mit zwei Mitarbeitern repariere er in seinem "Sneaker Rescue" inzwischen bis zu 250 Schuhe im Monat. Im Internet kann man bei ihm anfragen und vorab Fotos von den Schuhen zusenden. Schleif- und Nähmaschine sind die wichtigsten Utensilien.

Wie aus alten Holzfenstern coole Pinnwände und urige Spiegel entstehen

Glasermeisterin Eva-Maria Keilbach aus Schöntal hat sich ein zweites Standbein aufgebaut, um aus alten Holzfenstern mit kreativen Ideen Neues zu schaffen. Einen Tisch oder einen schönen Spiegel hat sie aus alten Rahmen schon gefertigt, große Bilderrahmen ebenso. Derzeit fertigt sie mit vielen Weinkorken eine besondere Pinnwand aus einem alten Fenster. Die Patina der Holzelemente bleibt dabei erhalten. Harte Eiche würde sich am besten eignen, sie sei optisch schön und von der Qualität meist noch gut. Nebenher fertigt sie auch weiter neue, moderne Fenster mit der CNC-Maschine.

"Wir brauchen innovative Leute", betont Ulrich Bopp. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sei es, junge Menschen für die Branche zu begeistern. Auf der Buga hat die Kammer an rund 80 Tagen Veranstaltungen organisiert, unter anderem die große Holzwand der Schreinerinnung zum Mitbauen. Derzeit gibt es in der Region noch 600 freie Ausbildungsplätze. Bopp: "Man kann sich jederzeit noch bewerben."

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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