Konzert der Würth Philharmoniker auf der Bundesgartenschau

Heilbronn  Die Würth Philharmoniker spielen gemeinsam mit ihrem Solisten József Lendvay ein überzeugendes Konzert auf der Sparkassenbühne. Auf eine Zugabe muss der Violinist allerdings verzichten - Schuld ist das Wetter.

Von Michaela Adick
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Konzert der Würth Philharmoniker auf der Bundesgartenschau

Charmant waren sie ja, seine Kollegen. Reif fürs Irrenhaus sei Beethoven gewesen, als er seine 7. Sinfonie komponiert habe, mutmaßte so ein offensichtlich enervierter Carl Maria von Weber. Ob er vielleicht trunken war, als er den vierten, allzu stürmisch geratenen Satz seiner 1811/12 entstandenen Sinfonie schrieb? Wer solche Freunde hat, braucht seine Feinde nicht zu fürchten.

Doch in der Tat ist alles gewaltig an dieser Sinfonie Beethovens, mit der sich die Würth Philharmoniker unter ihrem Gastdirigenten Martin Panteleev an diesem frischen Frühlingsabend von der Sparkassenbühne verabschieden. Mitgerissen von einem ekstatischen Taumel, spielen sie die Sinfonie, die in bewegten Zeiten entstanden ist. Erinnert sich noch jemand an die Völkerschlacht von Leipzig, an die napoleonischen Feldzüge? Beethoven hat hier gewissermaßen die Zeit der Schlachten und der Neuordnung Europas vertont, sie auch kommentiert.

Es ist kalt auf dem Buga-Gelände

Ganz sanft, mit kleinen Zeichen nur, führt der 42-jährige Bulgare Panteleev seine Philharmoniker, begleitet diese Achterbahn der Emotionen ruhig und gelassen. Ein dramatisches Ende für ein Konzert, das ganz elfenhaft und mit der Ouvertüre zu "Ein Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn-Bartholdy begonnen hatte. Eine Fingerübung für den ganz jungen, gerade einmal 17-jährigen Mendelssohn-Bartholdy, der hier sehr viele Themen andeutet und wenig ausarbeitet.

Das eigentliche, mehrsätzige Bühnenwerk entstand kurioserweise erst Jahre später. Flirrend spielen die Würth Philharmoniker diese Fantasie eines jungen Mannes über Shakespeares Bühnenstück. Die versammelten Elfen ehrenhalber im Publikum indes, sie frieren, Handschuhe und Mützen werden hervorgekramt. Im Zauberwald Shakespeares, der für einen Moment auf der Buga zu erleben ist, ist es bitter kalt.

Was einen Profi wie Martin Panteleev nicht abhält, zu charmieren. "Hier ist es magisch, Musik zu machen", sagt"s und bittet den Solisten József Lendvay auf die Bühne. Samt seiner Stradivari. Auch eine gut 300 Jahre alte Geige aus Cremona liebt es lieber warm, doch der Ungar entscheidet sich an diesem Abend für die Stradivari. Zwei Virtuosenstücke von Camille Saint-Saëns und Franz Waxman interpretiert er furios, was selbst den Dirigenten erstaunen lässt. "Er spielt unmögliche Sachen", so Panteleev achtungsvoll. Das ist kein Fishing for Compliments, hier arbeiten zwei Musiker zusammen, die sich gut kennen, sich mit Respekt begegnen.

Eine gerissene Saite verhindert die Zugabe

Mit der Leichtigkeit eines Flohs spielt Lendvay die Läufe, Bravorufe hallen durch das Zelt. Man ahnt, weshalb die Virtuosenstücke in der anglo-amerikanischen Welt auch als Showpieces bezeichnet werden. Hier gibt ein Solist seine Visitenkarte ab, was in der "Carmen Fantasie" des deutschen Exilkomponisten Franz Waxman seinen Höhepunkt findet. Die Bizet-Bearbeitung Waxmans für einen längst vergessenen Hollywood-Schinken mit Joan Crawford mag längst vergessen sein: An Magie hat diese nichts verloren. Stehende Ovationen für József Lendvay und die Würth Philharmoniker. Auf eine Zugabe muss Lendvay schweren Herzens verzichten. Eine Saite seiner Stradivari hatte die Strapazen nicht überstanden.

 

 

Auf unserer Webseite Buga aktuell finden Sie weitere Informationen über die Heilbronner Bundesgartenschau 2019 und Hintergrundberichte. Dazu gibt es 360-Grad-Rundgänge über das Gartenschau-Gelände und Vorher/Nachher-Aufnahmen von der Entstehung der Buga. 

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