Heilbronn will den Buga-Holzpavillon behalten

Heilbronn  Der architektonisch revolutionäre Bau soll nach der Bundesgartenschau versetzt werden. Mehrere mögliche Standorte sind im Gespräch - darunter der Wertwiesenpark.

Von Helmut Buchholz
Solothurner Tag auf der Bundesgartenschau
An diesem August-Wochenende drängen sich die Buga-Besucher unter den Holzpavillon. Als OB Mergel zu einem spontanen Wohlfühlkonzert anstimmt, bekommen viele Gänsehaut. Foto: Ralf Seidel

Gänsehautstimmung auf der Bundesgartenschau: Noch vielen ist das Gewitter und das Gastspiel von Heilbronns Schweizer Partnerstadt im Buga-Holzpavillon in Erinnerung. Der Oberbürgermeister und rund tausend Besucher sangen das schlechte Wetter einfach weg - fast wie bei dem legendären Woodstock-Festival vor 50 Jahren. Einen nicht ganz unerheblichen Beitrag zu diesem ganz besonderen Buga-Moment hatte der Veranstaltungsort selbst.

Der architektonisch revolutionäre Bau, den ein Roboter nach bionischen Prinzipien aus 400 Segmenten zusammengesetzt hat, war - wenn man so will - der heimliche Star des Abends. Vor allem bei Dunkelheit versprüht die nach außen offene und an ihrer höchsten Stelle sieben Meter hohe Holzkuppel durch ihr sanftes Licht einen ganz eigenen Charme. Deshalb hat es vielleicht auch nicht viele überrascht, als Oberbürgermeister Harry Mergel beim Solothurner Abend vor dem Publikum verkündetete, dass die Stadt den Holzpavillon erhalten will. "Schon wieder ein Ziel gesteckt", sagte der OB.

Bisheriges Areal wird bebaut

Doch in diesem Fall ist gesagt noch lange nicht getan. "Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen", erklärt Rathaussprecherin Claudia Küpper. Klar sei, dass der Pavillon wieder auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt werden kann. Klar ist auch, dass die Plattenkonstruktion nicht an der Stelle, wo sie auf der Buga steht, bleiben kann. Das Areal heißt Sommerinsel und wird nach Ende der Bundesgartenschau mit Häusern bebaut.

Also, was tun mit der Bühne, die der Buga so gut zu Gesicht steht? Auch Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn-Marketing-GmbH, ist bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage beteiligt. "Wir haben uns schon Gedanken gemacht", sagt er. Der Holzpavillon sei relativ groß und brauche Platz, um zur Geltung zu kommen. Das schränke die möglichen Standorte ein. Im Gespräch seien zum Beispiel eine Fläche zwischen Buga-Jugendherberge und Bootshaus. Auch der Wertwiesenpark wird in Erwägung gezogen. Schoch: "Für den Pfühlpark scheint der Holzpavillon zu dominant zu sein."

Wer füllt den Pavillon mit Leben?

Außerdem ist es sicher nicht mit einem neuen Standort getan. Der Holzpavillon müsste an seinem Platz ja auch mit Leben gefüllt werden, sprich ein Programm sollte her. Eine neue Aufgabe für die Heilbronn-Marketing-Gesellschaft? Schoch sagt: "Bisher haben wir weder das Geld noch das Personal für ein Programm." Der HMG-Chef denkt aber schon an das Neckarfestival, das im nächsten Jahr am Fluss zwischen Götzenturm und Alter Reederei stattfinden soll. Dabei könnte der Holzpavillon genutzt werden. "Doch das muss für die Bewohner verträglich sein." Für Schoch sind das alles neue Ideen. "Wir sind gerade euphorisch, durch die Buga haben wir eine Festivalstimmung." Die wolle man natürlich erhalten, aber irgendwann werde es auch wieder Normalmaß geben.

Stadt will Buga-Holzpavillon behalten
Der architektonisch einzigartige Holzpavillon auf dem Buga-Gelände ermöglicht stimmungsvolle Veranstaltungen. Foto: Archiv/Heibel

Mit rund 2,5 Millionen Euro hat das Land Baden-Württemberg den Bau der beiden Pavillons unterstützt. Bauherr war die Buga GmbH. Doch das Land will durch seine Finanzspritze bei der Weiterverwertung mitreden. Möglich sei auch, dass der Holzpavillon bei der Buga 2023 in Mannheim installiert wird, berichtet Buga-Sprecherin Suse Bucher-Pinell. Bei den Gesprächen über die Zukunft der Pavillons seien vier Partner involviert: Buga Heilbronn und Mannheim, das Land, die Stadt Heilbronn.

Klar ist allerdings, was aus der Sparkassenbühne wird, wo die meisten Veranstaltungsbesucher Platz haben. Die Bühne war nur von einem Eventspezialisten "ausgeliehen" und wird wieder zurückgegeben. Die Zukunft der Fährlebühne auf dem Neckar an der Alten Reederei, die auch der Buga gehört, ist dagegen ebenso offen.

 

Vorbild Natur

Eine Gruppe der Universität Stuttgart vom Institut für computerbasiertes Entwerfen und Bauen hat den Holz- und Faserpavillon auf der Buga realisiert. Pate stand dabei die Natur. Beim Holzpavillon war es die Plattenstruktur der Seeigel-Hülle, beim Faserpavillon der Flügel eines Käfers namens Elytra. Beide Werke sind in Leichtbauweise gefertigt, sie sind leicht und gleichzeitig stabil. Die Konstrukteure schauten sich von der Natur auch die Effizienz ab, das heißt, den schonenden Umgang mit Ressourcen. Material wird nur dort verdichtet, wo es nötig ist. So sparte man beim Holzpavillon rund 30 Prozent des Materials bei herkömmlicher Bauweise ein.


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