Der Weg nach Kenia führt über die Buga

Heilbronn  Staatssekretär Marco Wanderwitz (CDU) spricht bei einem Buga-Besuch auch über die politische Lage in seiner sächsischen Heimat nach der Landtagswahl.

Email
Der Weg nach Kenia führt über die Buga

Neue Perspektiven: Der Heilbronner CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Throm mit Marco Wanderwitz und Buga-Chef Hanspeter Faas (von links).

Foto: privat

Als "willkommenen Fluchtpunkt aus dem sächsischen Wahlkampf" hat Marco Wanderwitz in den vergangenen Wochen Termine wie die Führung über das Heilbronner Buga-Gelände gelegentlich genossen. Der CDU-Mann ist nämlich nicht nur Staatssekretär im Berliner Innenministerium, sondern sitzt als Chef der sächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag an einer entscheidenden Schnittstelle zwischen dem Bund und Dresden.

Chef der sächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag sieht Kenia als Chance

Während er am Freitag beim Rundgang auf Einladung seines Heilbronner Fraktionskollegen Alexander Throm die Stadtausstellung als "gut gelungen" lobt, hat er auch das Handy im Blick. Zeitgleich fallen in Sachsen erste Entscheidungen, die die CDU in Richtung Kenia-Koalition mit Grünen und der SPD führen sollen. Wanderwitz, dessen Wahlkreis zwischen Chemnitz und Zwickau liegt, ist zuversichtlich, dass es klappt. "Ich sehe das auch als Chance", sagt er. Gerade, weil die Dreierkoalition zum Erfolg verdammt sei. Auch Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (89) hat sich für Kenia ausgesprochen. Wanderwitz betont aber: "Wir dürfen keine Notkoalition machen, die sich im tagespolitischen Klein-Klein verliert, wir müssen zusammenkommen und eine gemeinsame Geschichte erzählen: Die Geschichte eines Strukturwandels, der einerseits grün ist, aber anderseits ein industrieller Strukturwandel ist."

In Zwickau herrscht "helle Aufregung" wegen der Umstellung auf E-Mobilität

Nicht nur für die Lausitz gelte das: Auch in seiner Heimat ist Strukturwandel das Thema: VW baut das Werk Zwickau in eine reine Elektroautofabrik um. "Da ist helle Aufregung", sagt er: Weil sich ein E-Auto ingenieurtechnisch von einem Verbrenner "total unterscheidet" und andere Zulieferer benötige. Auch künftig müssten die Menschen in Sachsen gute Arbeitsplätze haben, fordert Marco Wanderwitz. Der Wegzug gut ausgebildeter Menschen habe die Gesellschaft deformiert: "In der Lausitz sind ganze Abiturjahrgänge weggegangen."

"Wenn wir den Strukturwandel politisch gestalten und zum Erfolg bringen, ist das auch ein Zeichen von Handlungsfähigkeit. Dann ist mir nicht bange, dass wir in fünf Jahren wieder eine bessere Situation haben", sagt er im Blick auf das Wahlergebnis: "Die AfD ist nämlich dort stärker , wo die strukturellen Probleme größer sind." Wanderwitz" Optimismus, dass die ungleichen Partner zusammenkommen, hängt auch mit den handelnden Personen zusammen: "Jeder hat seine roten Linien, aber wir müssen auch mal kreativ werden und die Felder definieren, in denen wir die Zukunft des Freistaats gemeinsam weiterschreiben wollen." Seinem Parteifreund Michael Kretschmer, Martin Dulig von der SPD und dem Grünen-Spitzenkandidaten Wolfram Günther traut Wanderwitz das zu: "Die wollen das und können das auch."

"Wir werden nicht überall so wertig bauen können wir auf der Buga"

Er selbst wird sich dann wieder mehr auf seine Themen konzentrieren können. Zum Beispiel auf die Verfügbarkeit von Baustoffen: "Unsere Sandgruben werden schneller als geplant ausgebeutet. Und es ist fast unmöglich, neue genehmigt zu bekommen." Oder die Baustandards: "Wir werden nicht überall so wertig bauen können wie auf der Buga. Wir müssen ein Stück weit an die Standards ran." Den oft kritisierten Brandschutz nimmt er ausdrücklich aus: "Diese Regeln ersparen uns Bilder, wie wir sie bei dem Hochhausbrand in London gesehen haben."

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

Kommentar hinzufügen