Buga 2019 ist auf Sturmböen und Störer vorbereitet

Heilbronn  Starke Winde, verlorene Kinder oder ein Terroranschlag: Die Verantwortlichen der Bundesgartenschau im nächsten Jahr erläutern, was so alles zum Sicherheitskonzept für die 173 Tage dauernde Groß-Veranstaltung gehört.

Von Alexander Klug

Buga 2019 ist auf Sturmböen und Störer vorbereitet

Auch wenn eine Bundesgartenschau nicht unbedingt mit einem Fußballspiel oder Rockkonzert vergleichbar ist, haben sich die Verantwortlichen um Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas Gedanken um die Sicherheit gemacht; haben sich überlegt, was in welchem Szenario zu tun ist.

Denn Ereignisse wie Unwetter, Unfälle oder auch Amokläufe können jede Veranstaltung treffen, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Die Buga-Gesellschaft hat ein Büro mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt.

Erfahrung mit Stürmen nutzen

Weit oben auf der Prioritätenliste stehen Wetterereignisse. "Die extremen Stürme haben über die Jahre zugenommen", sagt Geschäftsführer Hanspeter Faas. "Darauf müssen wir uns einstellen. Die Gartenschau im Havelland 2015 war vier Tage wegen eines Sturms geschlossen." Es wurden sämtliche Bäume auf dem Buga-Gelände auf ihre Standfestigkeit untersucht. "Das basiert auf Erfahrungen. Bei der Buga in Koblenz sind damals bei einem Sturm einige Bäume umgestürzt und große Sonnenschirme durch die Luft geflogen", erinnert sich Faas.

Große Zelte habe man in Heilbronn keine, die Gebäude auf dem Fruchtschuppenareal seien fest. "Darin und unter Brücken könnten Besucher zum Beispiel bei Starkregen Schutz finden. Um es im Handumdrehen zu räumen, ist das Buga-Gelände schlicht zu groß."

Zäune zur Besucherlenkung wie in Koblenz halte man in Heilbronn nicht für nötig. "Wir müssen nach dem Start schauen, wie es tatsächlich läuft und nachjustieren", sagt der Leiter des Gartenschau-Projektmanagements, Berthold Stückle. Zum Beispiel sei kaum vorherzusagen, wie sich die Ankommenden auf die drei Eingänge verteilen.

Sicherheit ja, Hochsicherheitstrakt nein

Auch mögliche Störer, Amokläufer und Terroranschläge spielen bei den Überlegungen eine Rolle. "Das sind heikle Themen. Auf der einen Seite wollen wir den Besuchern ein Gefühl von Sicherheit geben, auf der anderen nicht den Eindruck eines Hochsicherheitstrakts vermitteln", sagt der Geschäftsführer.

"Wir besprechen alle bekannten Szenarien mit Stadtverwaltung, Polizei, Feuerwehr und Notärzten." Nach den Terrorfahrten in Nizza oder Berlin mit vielen Toten treffe man auch Vorkehrungen, die die Zufahrt zum Gelände erschweren. "Diese Vorbereitungen laufen aber eher im Stillen", sagt der Geschäftsführer. Sowohl Polizei als auch privater Sicherheitdienst sind auf dem Gelände unterwegs - in Uniform und Zivil. "Das Gelände wird 24 Stunden bewacht."

Was passiert, wenn ein Kind vermisst wird?

Zusammen mit dem beauftragten Büro spiele man viele denkbaren Varianten durch. "Zum Beispiel den, dass ein Kind vermisst wird", sagt Faas. Es gebe eine klare Kette, wer wen wann in Kenntnis setzt: Sprechen Besucher in einer solchen Situation das Personal an, werde zunächst das Rote Kreuz vor Ort informiert - die Helfer passen auf Kinder auf, die ihre Eltern aus den Augen verloren haben.

Der rund um die Uhr erreichbare Chef vom Dienst koordiniert die Suche, auch die Polizei ist im Einsatz. "Ist das Kind nach sechs Stunden immer noch verschwunden, wird der Geschäftsführer informiert, der wiederum Oberbürgermeister und Feuerwehr alarmiert. "Die übernimmt die Regie, vor allem, wenn es um die Suche in Gewässern geht."

Augen offen halten

Wichtiger Teil des Konzepts ist der Sanitätsdienst - auch wenn die erwarteten Fälle eher harmloser Natur sind: Werde ein Arzt gebraucht, gehe es erfahrungsgemäß um ein Pflaster für die Blase im Schuh oder ein aufgeschlagenes Knie. "Wegen möglicher allergischer Reaktion sorgt manchmal ein Bienenstich für Aufregung. Bei Hitze macht der eine oder andere Kreislauf schlapp."

Eines sei, so Hanspeter Faas, aber auch klar. "Wir sind uns bewusst, dass 100-prozentige Sicherheit nicht durch Planung möglich ist. Wir müssen die Augen offen halten und nachsteuern."

 


Kommentar: Das Sicherheitskonzept macht einen soliden Eindruck

Alexander Klug

Was sich die Verantwortlichen der Buga im nächsten Jahr für die Sicherheit der Gartenschaubesucher haben einfallen lassen, macht einen guten, soliden Eindruck. Nichts scheint unberücksichtigt: Der Zugang zum Areal, wer zu welchem Zeitpunkt wofür zuständig ist, wer wann informiert wird. Ereignisse vom kleinen Wehwehchen bis zum Hagelschlag. Was Planung wert ist, wird freilich erst die Wirklichkeit im Frühjahr zeigen - umso wichtiger, dass die Sätze der Buga-Macher zum Thema Spontaneität ernst gemeint sind: Die Notwendigkeit von Selbstkritik und Korrekturen wird erst deutlich, wenn die Menschen zahlreich durch die Tore strömen. Sie sollen Blütenpracht und Bühnenshow erleben, nicht lange Schlangen oder Durcheinander.

Fröhlichen Charakter bewahren

Dass der Umgang mit Ausnahmesituationen wie Amoklauf oder Terrorfahrt zum einen für Verschlossenheit und zum anderen für eine gewisse Wehrlosigkeit sorgt, ist nachvollziehbar - lässt sich aber nicht vermeiden. Denn ausschließen lassen sich solche Wahnsinnstaten auch mit Betonbarrieren und schwer bewaffneten Polizeibeamten nicht völlig. Trotz der Terrorfahrten in Nizza und Berlin nicht um jeden Preis zu versuchen, die Sicherheit zu erhöhen, ist richtig - solche Maßnahmen würden den fröhlichen Charakter einer Veranstaltung konterkarieren, die nicht nur "Bundesgartenschau", sondern auch "Blühendes Leben" im Namen trägt.

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