Aussichtsturm zur Buga nimmt weitere Hürde

Heilbronn  Eine Mehrheit im Heilbronner Wirtschaftsausschuss ist für weitere Verhandlungen mit dem Betreiber des Skyliners. Er muss Miete bezahlen und ein Bodengutachten liefern.

Von Bärbel Kistner

Aussichtsturm zur Buga nimmt weitere Hürde

Das Reim-Areal hinter dem Rathaus: Weil an der Gerberstraße Stellplätze wegfallen, hat die Stadtverwaltung gegen den Skyliner plädiert.

Foto: Mario Berger

 

Die Entscheidung war knapp: Mit sechs zu fünf Stimmen hat sich der Wirtschaftsausschuss des Heilbronner Gemeinderats für die Aussichtsplattform zur Bundesgartenschau 2019 ausgesprochen. Vom 12. April bis 23. Juni soll der 81 Meter hohe Skyliner auf dem Reim-Areal hinter dem Rathaus an der Gerberstraße aufgestellt werden. Wenn der Betreiber die Auflagen erfüllt, soll über einen Mietvertrag verhandelt werden.

60 Parkplätze würden wegfallen

Die Verwaltung hat sich klar gegen die Vermietung des städtischen Grundstücks positioniert, konnte sich mit ihren Argumenten in dem zwölfköpfigen Ausschuss aber nicht durchsetzen. Den wichtigsten Grund dagegen sieht die Stadt im Wegfall eines Großteils der rund 60 Parkplätze auf dem Reim-Areal. Bei einem drei- bis vierfachen Umschlag der Plätze täglich entspreche das mindestens 200 Parkvorgängen, heißt es in der Vorlage.

"Sie entscheiden damit gegen die Parkplätze", untermauert der Erste Bürgermeister Martin Diepgen den Standpunkt der Stadt. Gerade in einer Zeit mit mehr Besucherfrequenz in der Innenstadt rechnet man bei der Verwaltung mit noch mehr Parksuchverkehr in dem ohnehin belasteten Viertel. Auch habe sich inzwischen im angrenzenden Käthchenhof Widerstand gegen den Turm formiert, berichtet Diepgen und verweist auf eine Liste mit mehr mehr als 20 Unterschriften.

Auch interessant: Die Konstruktion der Pavillons auf der Bundesgartenschau in Heilbronn sind von der Natur abgeschaut und mit dem Computer entworfen

 

Attraktion für die City?

Für die CDU bleibt Thomas Randecker dabei: "Der Turm ist eine Attraktion für die Innenstadt, um Handel und Gastronomie zu unterstützen." Er ist überzeugt, dass erforderliche Nachweise, etwa das Bodengutachten zum Untergrund, erbracht werden. Die Aufregung der Nachbarn um die Störung ihrer Nachtruhe sei überflüssig: Der Turm soll von 10 bis 20 Uhr in Betrieb sein, und auch nicht während der gesamten Dauer der Buga stehen, sondern für zehn Wochen.

FDP-Stadträtin Sylvia Dörr votiert ebenfalls für den Skyliner, den sie in Dresden als positiv erlebt habe. "Wir sollten alles nutzen, was die Stadt attraktiv macht." Herbert Burkhardt (Freie Wähler) versteht nicht, warum man in Heilbronn "so viel Gedöns" um den Turm mache und unterstellt der Verwaltung, nach Argumenten zu suchen, um den Turm zu verhindern. Zwischenzeitlich gibt es noch eine Stellungnahme der Heilbronner Feuerwehr, nach der die Betreiber ein Rettungskonzept vorlegen müssen.

Größeres Verkehrschaos?

Die SPD hat sich auf die Seite der Turm-Gegner gestellt: "Wir können die verkehrlichen Einwände und die Belästigung der Anwohner nachvollziehen", sagt Markus Scheffler. Die Nachteile seien deutlich größer als die Vorteile. Für Wolf Theilacker (Grüne) ist der Skyliner nicht das geeignete Instrument, um Buga-Besucher für die Heilbronner Innenstadt zu begeistern. Das Verkehrschaos werde zudem noch größer.

Klar ist: Der Platz wird dem Betreiber nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, wie im ersten Antrag der CDU-Fraktion angedacht. Die Verwaltung hat 21 000 Euro Einnahmeausfall an Parkgebühren errechnet. Dieser Betrag steht nun als Miete im Raum. "Wir sind trotzdem weiterhin interessiert, nach Heilbronn zu kommen", sagt Skyliner-Marketingchef Christoph Loosen auf Stimme-Anfrage.

OB Mergel dagegen

Oberbürgermeister Harry Mergel bleibt bei seiner ablehnenden Haltung: "Aus meiner Sicht braucht Heilbronn dieses Fahrgeschäft so dringend wie der Mensch eine dritte Schulter. Wir werden das Projekt aber nun auftragsgemäß weiterbearbeiten und dann dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen."