Drehscheibe sichert Audi-Stellen
Neckarsulm - Ab heute legt das Neckarsulmer Audi-Werk bis Anfang Mai wieder eine fünftägige Kurzarbeitspause ein. Dass die rund 13.500 Unterländer Audianer von der Krise nicht sehr viel stärker betroffen sind, verdanken sie vor allem der der sogenannten Drehscheibe: Fast 300 Millionen Euro hat Audi seit 2005 investiert, damit der A4 nicht nur in Ingolstadt, sondern auch hier vom Band rollen kann.

Neckarsulm - Ab heute legt das Neckarsulmer Audi-Werk bis Anfang Mai wieder eine fünftägige Kurzarbeitspause ein. Dass die rund 13.500 Unterländer Audianer von der Krise nicht sehr viel stärker betroffen sind, verdanken sie vor allem der der sogenannten Drehscheibe: Fast 300 Millionen Euro hat Audi seit 2005 investiert, damit der A4 nicht nur in Ingolstadt, sondern auch hier vom Band rollen kann.
Was vor vier Jahren als langfristige Maßnahme zur Standortsicherung gedacht war, ist wenige Monate nach dem A4-Produktionsstart zu einem Rettungsschirm für das Werk geworden: Der Kleine ist heute eine ganz große Stütze des Standorts. Niemand hätte es damals im zehnten Jahr der Rekordjagd auch nur ansatzweise für möglich gehalten, dass die Drehscheibe so schnell eine so große Bedeutung bekommen würde. Denn der A6 steht im Wettbewerbsvergleich zwar gut da, und die Produktionszahlen haben sich stabilisiert. Aber eben auf einem niedrigen Niveau.
„Man mag sich überhaupt nicht ausmalen, welche Misere wir heute hätten, wenn die Drehscheibe nicht realisiert worden wäre“, sagt Rolf Klotz, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Neckarsulmer Audi-Werks. Neckarsulm sei von der Krise der Autoindustrie „besonders betroffen“ - weil hier die teuersten, größten und schnellsten Audis gebaut werden, die sich derzeit besonders schwer verkaufen lassen.
Auf der Betriebsversammlung nannte Rolf Klotz vergangene Woche Ross und Reiter: Die aktuelle Planung sieht vor, so der Betriebsrat, dass im laufenden Jahr mehr A4- Modelle und Cabrios gebaut werden als A6-Fahrzeuge. Nur der Drehscheibe ist es also zu verdanken, dass die Zahl der Autos, die in diesem Jahr in Neckarsulm gefertigt werden, um lediglich 15 bis 20 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen wird, wie Werkleiter Albrecht Reimold unlängst sagte. „Wir würden mit dem Rücken zur Wand stehen.“ Zumal sowohl der A6 als auch das Neckarsulmer Premium-Modell A8 „mitten im Leben stehen“, wie Rolf Klotz es formuliert: Weil die Nachfolger dieser Fahrzeuge schon fast in Sicht sind, hätten die Neckarsulmer ohnehin mit einem Rückgang rechnen müssen.
Beschäftigungsgarantie
Ohne Drehscheibe würden in Neckarsulm zurzeit nur halb so viele Autos produziert, als es jetzt der Fall ist. Was das für die rund 8000 Mitarbeiter bedeuten würde, deren Arbeitsplätze direkt mit den Stückzahlen zusammenhängt, lässt sich an fünf Fingern abzählen: Ohne den A4 wären trotz Beschäftigungsgarantie Massenentlassungen kaum vermeidbar, auch wenn niemand das Wort in den Mund nehmen möchte.
Indirekt bestätigt der Neckarsulmer IG-Metall-Chef Rudolf Luz diese Analyse: „Ohne Drehscheibe hätten wir eine dramatische Situation, die wir gar nicht auffangen könnten.“ Der damalige Audi-Personalvorstand Horst Neumann nannte die Drehscheibe 2005 nicht von ungefähr die „wirtschaftliche Grundlage“ für den Kündigungsschutz.
Über die Drehscheibe profitiert das Werk Neckarsulm übrigens nicht allein davon, dass sich der A4 gut verkauft, sondern auch von der Abwrackprämie, wie Luz aufzeigt: Durch die hohe Nachfrage nach dem VW Polo, der auch in Brüssel gebaut wird, können mehr A3-Modelle in Ingolstadt produziert werden. Das wiederum macht eine Verschiebung von A4-Umfängen nach Neckarsulm möglich, ohne dass dafür die Beschäftigten des bayrischen Schwesterwerks Ingolstadt über Gebühr beansprucht würden.
Hintergrund: Drehscheibe
Über 300 Millionen Euro hat Audi seit 2005 in die Drehscheibe investiert. An vielen Stellen waren Eingriffe in die Strukturen des Werks Neckarsulm notwendig, damit der A4 auch hier gebaut werden kann. Der größte Brocken des Investitionspakets ging mit 172 Millionen Euro in den Karosseriebau. In die Montage wurden rund 64 Millionen Euro investiert, ins Presswerk sind weitere 23 Millionen Euro geflossen. Die Neckarsulmer Logistik wurde für acht Millionen Euro aufgerüstet, die Lackiererei bekam sieben Millionen Euro.
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Stimme.de
Kommentare
am 24.04.2009 09:45 Uhr
Sorry, mir war nicht klar, dass meine Frage, was denn diese Drehscheibe eigentlich ist, so doof war, dass man meinen entsprechenden Kommentar gleich löschen musste!
Ich wüssts aber gern. Ich kann mir darunter nix vorstellen. Also bitte, klären Sie eine Unwissende auf: Was iss'n das?
am 05.05.2009 23:28 Uhr
..kannst ja Spass vertragen...
1.Weisst Du wirklich nicht was eine Drehscheibe ist? :les doch regelmaessig die HST da wird es ausfuehrlich erklaert...
2. Geh zu einem Zulieferer- was Du da nicht siehst waere dann eine Drehscheibe...
3. Ueber den letzten Absatz des Berichtes kann man wirklich nur den Kopf schuetteln..Zulieferer auf zu ALDI da gibt es ab Montag Drehscheiben im Sonderangebot!!..und Euere Probleme sind geloest!
4.Was bei Audi Arbeitsplaetze sichert faellt bei KARMAN weg...und wenn man wieder einen guten Werkzeugbau hat, gehen eben bei Laepple die Lichter aus..so ist das nun mal in einer solidarischen Gewerkschaft...schliesslich sind diese Kollegen ja uch auf die Strasse gegangen um fuer Arbeitsplatzsicherung bis 2011 zu demonstrieren...
vor allem fuer die Audianer
am 24.04.2009 08:49 Uhr
Der Kampf um die Drehscheibe war hart, und es ist keinesfalls selbstverständlich, dass es sie gibt. Die 300 Millionen Euro, die Audi im Werk Neckarsulm dafür investieren musste, sind schließlich kein Pappenstil. Jetzt ist klar: Das Armdrücken hinter den Kulissen hat sich gelohnt. Auch für Audi. Der Autobauer spart sich damit nicht nur schlechte Schlagzeilen, sondern auch jede Menge Unruhe in der Belegschaft. Ohne die Drehscheibe könnte sich jetzt kein Audi-Vorstand vor seine Mannschaft stellen und verkünden, dass die Arbeitsplätze sicher sind.
Ohne Zweifel ist die Drehscheibe eine gute Nachricht für die Region. Für die Zulieferer geht die Rechnung aber nicht unbedingt auf: Wer Teile für den A6 oder den A8 liefert, und solche Firmen gibt es in der Region viele, dem hilft es wenig, wenn in Neckarsulm mehr A4-Fahrzeuge gebaut werden. Das erklärt auch, warum viele Zulieferer stärker von der Krise betroffen sind als die Hersteller. Die meisten Lieferanten haben eben keine Drehscheibe.