Initiative aus Heilbronn: Verein gegen Antisemitismus wird im Januar gegründet

Heilbronn/Stuttgart  Der Verein „konsequent e.V. - Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ wird am 29. Januar 2020 in Stuttgart gegründet. Das erklärte am Wochenende Initiator Guido Rebstock, der von Heilbronn aus die Entstehung des Vereins auf den Weg gebracht hat.

Email
Initiative aus Heilbronn: Verein gegen Antisemitismus wird im Januar gegründet
Der Verein möchte unter anderem aktives Engagement von Einzelnen und Gruppen fördern und in Form von Bildungsprojekten auch an Schulen, Veranstaltungen, Debattenbeiträgen und auch im Dialog mit Politik und Wirtschaft Impulse setzen. Foto: dpa

Der frühere Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium und heutige Geschäftsführer der Innovationsregion Hohenlohe freut sich sehr über die Terminbestätigung. Die Vereinsgründung werde in den Empfangsräumen der Landtagspräsidentin stattfinden. Ihre Teilnahme zugesagt hätten bereits u.a. die Fraktionschefs Andreas Schwarz (Grüne), Wolfgang Reinhart (CDU), Andreas Stoch (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP) sowie die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, der Antisemitismusbeauftragte des Landes Michael Blume sowie der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel. 

Neuer Verein knüpft an alte Tradition an 

Der Verein soll bundesweit aktiv sein. Er knüpft dabei bewusst an die Tradition des 1890 gegründeten historischen „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“ („Abwehrverein“) an, der bis 1933 Bestand hatte und mit den sogenannten „Abwehrblättern“ ein eigenes Mitteilungsheft herausgab. Bekannte Zeitgenossen, die sich dort engagierten, waren u.a. Robert Bosch, Heinrich Mann und Theodor Mommsen. Rebstock dazu: „Der hier neu zu gründende Verein macht es sich zum Anliegen, ihre Ziele in die Gegenwart übertragen.“

Guido Rebstock: „Wir müssen sagen: Es reicht!“ 

Besorgte Heilbronner Bürger wollten den Judenhass ebenfalls nicht hinnehmen. Im Oktober 1928 gründeten sie die Ortsgruppe des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“. Der Verein unter der Führung von Heinrich Grünwald stellte sich gegen die Hetzkampagnen der Nationalsozialisten und klärte in einer Zeitschrift über Verbrechen gegen Juden auf. Kurz nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933 löste sich der Verein auf.

Rebstock nennt Gründe für die Neugründung und bundesweite Ausrichtung: Übergriffe auf Juden im Land, der Mord an Walter Lübcke, das Attentat von Halle, zunehmender Rechtsextremismus und die Verrohung der Sprache „Aus der Mitte der Gesellschaft muss dagegen gehalten werden. Jede antisemitische Äußerung oder Tat ist ein Angriff auf unsere Demokratie. Wir müssen sagen: Es reicht!“

Der Verein möchte unter anderem aktives Engagement von Einzelnen und Gruppen fördern und in Form von Bildungsprojekten auch an Schulen, Veranstaltungen, Debattenbeiträgen und auch im Dialog mit Politik und Wirtschaft Impulse setzen. Darunter können Filmvorführungen, Diskussionsveranstaltungen u.ä. fallen, aber auch konkrete Projektunterstützung sowie Debattenbeiträge im Dialog mit Akteuren der Politik und Wirtschaft.

Antisemitische Taten sichtbar machen 

Er wird sich außerdem der Aufklärung zum Thema Antisemitismus und der Auseinandersetzung mit historischem Antisemitismus widmen, ebenso wie aktuellen Erscheinungsformen. Der Verein verstehe sich daher auch als Plattform, um dieses Thema in die Breite der Gesellschaft hineinzutragen, erläutert Rebstock. Antisemitische Äußerungen und Taten werde der Verein als solche sichtbar machen und ein deutliches Zeichen dagegen setzen. Auch soll die Geschichte des historischen Vereins zur Abwehr des Antisemitismus erforscht werden. 

Rebstock betont: „Gerade in Baden-Württemberg gibt es eine starke Tradition zivilgesellschaftlichen Engagements. Dieses Engagement ist eine Säule der Demokratie, des Einsatzes für Menschenrechte und Vielfalt, die es zu erhalten und zu stärken gilt. Dafür wird sich der Verein einsetzen, auch weil uns die deutsche Geschichte diese Verantwortung auf ewig übertragen hat.“


Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Stv. Chefredakteur

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme. Er leitet das Ressort Politik und Wirtschaft.

Kommentar hinzufügen