Gourmet-Essen per Lieferdienst

Essen & Genuss  Das neue Genuss-Start-up "Eating with the chefs" bringt Menüs (fast) tellerfertig in die eigenen vier Wände und überzeugt geschmacklich.

Von Stefanie Sapara
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Doch, zugegeben: Das sieht prima aus, was da auf dem Teller liegt: Ein mit Sous-vide-Methode gegarter Lachs mit Rote-Bete-Salat, als Hauptgang Schwarzfederhuhn mit Mais und Barbeque-Jus, und zum Dessert ein gehaltvolles Schokotörtchen mit Erdbeerpüree und Kokos. Selbst gemacht. Na ja, fast. Sagen wir lieber: selbst fertiggestellt und angerichtet. Das eigentliche Zubereiten haben nämlich etablierte Köche übernommen.

"Eating with the Chefs" ist ein neues Genuss-Start-up für die Spitzengastronomie. In Zusammenarbeit mit Berliner Spitzen- und Sterneköchen verschickt das Unternehmen Gourmet-Menüs in die eigenen vier Wände - so soll exklusive Kochkunst ganz leicht in jedem Esszimmer auf dem Tisch landen können.

Bestellung und Lieferung: Der Selbsttest zeigt: Die Bestellung funktioniert denkbar einfach. Über www.eating.de stellt sich der Kunde sein Menü zusammen, die Auswahl ist begrenzt, aber so, dass jeder fündig werden sollte. Vorspeisen liegen je nach Angebot bei etwa sechs bis acht Euro, Hauptspeisen gibt es ab acht bis 18 Euro, Desserts kosten an die sechs Euro. Heißt: Ein Drei-Gänge-Menü für eine Person ist ab zirka 20 Euro zu haben - zuzüglich Versand von 4,50 Euro, die Samstagszustellung kostet 9,50 Euro. Zum Wunschtermin wird das Paket per DHL Kurier ins Haus geliefert - bundesweit.

Verpackung: Die Größe und Schwere des Pakets lässt allerdings erst einmal eine ganze Wochenration vermuten, anstatt ein dreigängiges Menü für eine Person. Der Grund erschließt sich gleich beim Öffnen: Das Paket ist ausgelegt mit sechs dicken Platten aus zusammengepresstem Stroh, die jeweils durch eine Plastikfolie zusammengehalten werden. Das ist zwar umweltfreundlicher als Styropor, das Ganze später zu entsorgen braucht allerdings extrem viel Platz in der Biotonne. Wer keine hat, muss sich überlegen, wie er diese Verpackung anderweitig wieder los wird. Gut gesichert zwischen den Strohplatten liegen die einzelnen Gänge, portioniert in kleinen Pappschachteln. Darin wiederum befinden sich die einzelnen Zutaten vakuumverpackt in kleinen Plastikbeuteln. Für den Hauptgang sind das in diesem Fall: ein Stück Schwarzfederhuhn, das Maispüree, ein paar Stangen Babymais, ein Jus und schließlich: Popcorn.

Zubereitung: Jetzt heißt es, der beigelegten Anleitung folgen: Das Fleisch kommt kurz in den Ofen, Püree, Babymais und Sauce werden in heißem Wasser erwärmt. Falsch machen kann man dabei kaum etwas - selbst, wer sich auf diesem Gebiet für talentfrei hält, sollte hier ein Erfolgserlebnis haben. Denn: Sogar das Anrichten der einzelnen Komponenten erfolgt Schritt für Schritt per Anleitung - inklusive Fotos. Ein kleines Stück kross gebratene Hühnerhaut wurde ebenfalls eingeschweißt mitgeliefert und wird am Ende zusammen mit dem Popcorn auf dem Gericht verteilt. Zufrieden bleibt festzustellen: Optisch kommt das eigene Werk dem auf dem Bild recht nah. Ebenso erfreulich: Beim Zubereiten ist auf jeder Tüte zu lesen, was für Zutaten pro Beutel enthalten sind. Und die sind allesamt klar verständlich, es gibt weder Geschmacksverstärker noch Konservierungs- noch sonstige Zusatzstoffe.

Vier bis sechs Stunden verwenden die "Eating with the chefs"-Köche nach eigenen Angaben auf die Vorbereitung des Menüs. Dass man dieses selbst innerhalb von nur wenigen Minuten fix und fertig zu Hause auf den Teller bringen kann, liegt an der Sous-vide-Garmethode, die die Köche anwenden.

Geschmack: Bleibt am Ende die Frage: Schmeckt das Ganze denn nun auch? In der Tat ist das Fleisch unerwartet zart, die Hühnerhaut kross, bei der Soße schmeckt man die Qualität. Dass es keine aus dem Päckchen ist, erschließt sich beim ersten Probieren. Billig ist das Vergnügen nicht - das ist ein Besuch in einem guten Lokal aber natürlich auch nicht. Kurzum: Preis-Leistung geht in Ordnung. Und auch, wenn die Portionen nicht riesig sind, ein normaler Esser wird mit einem Drei-Gänge-Menü allemal satt.

Fazit: Pizza per Bote kennt jeder. Und mag irgendwie auch jeder. Zumindest ab und an. Dass auch ein feines Gourmet-Menü direkt ins Haus geliefert wird, ist mal etwas anderes. Und mal abgesehen von der doch sehr aufwendigen Verpackung: Für den einen oder anderen schönen Abend zu Hause mit feinem Essen, ohne vorherigen Einkaufs- und Zubereitungsstress sowie ohne Küchenchaos, ist das Konzept eine gute Sache.

 

 


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