Die einstige Metallgesellschaft kappt endgültig ihre Wurzeln

Frankfurt/Main (dpa) - Mit dem Umzug vom Stammsitz Frankfurt nach Bochum bricht der Konzern mg technologies, die einstige Metallgesellschaft,

Von Alexander Missal, dpa
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Die ehemalige Metallgesellschaft hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

endgültig in eine neue Ära auf. Vor 123 Jahren hatte Wilhelm Merton mit zwei Mitstreitern die Firma gegründet.

Merton und seine Partner wollten mit der Metallgesellschaft die heimische Industrie mit Rohstoffen aus Metall versorgen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich aus dem Unternehmen ein unüberschaubares Geflecht aus Beteiligungen. Spekulationen brachten die Metallgesellschaft Anfang der 1990er Jahre an den Rand des Ruins. Im Zuge der anschließenden Sanierung blieb kaum ein Stein auf dem anderen.

Mit Rauschebärten und ernsten Mienen präsentieren sich die Gründer Wilhelm Merton, Leo Ellinger und Zacharias Hochschild auf historischen Fotos. Mögen sie 1881 schon geahnt haben, dass der Metallgesellschaft eine lange, aber sehr wechselvolle Geschichte vergönnt sein würde? Der Grundstein für das spätere Konglomerat wurde im 19. Jahrhundert gelegt, als die industriellen Beteiligungen in der Metallurgischen Gesellschaft (heute: Lurgi AG) zusammengefasst wurden. Nach den Erschütterungen von zwei Weltkriegen profitierte die Metallgesellschaft während des Wirtschaftswunders vom wachsenden Bedarf an Rohstoffen.

Durch Expansion im In- und Ausland entstand ein Wirrwarr aus 91 direkten und 655 indirekten Beteiligungen. Der Handel mit Metallen und Öl sowie der Bergbau machten 1992 zusammen drei Viertel des Umsatzes aus. Verlustreiche Ölgeschäfte stürzten das Imperium in eine existenzbedrohende Krise. Die Gläubigerbanken einigten sich auf eine Neuausrichtung, die den Verkauf von Beteiligungen, aber auch weitere Zukäufe vorsah. Karl Josef («Kajo») Neukirchen übernahm die Führung der Metallgesellschaft und erarbeitete sich in den folgenden Jahren einen Ruf als erfolgreicher, aber auch umstrittener Sanierer. Die Kritik an seinen Bilanzierungspraktiken riss nicht ab, und der Konzern blieb eine Baustelle.

Die aus heutiger Sicht wichtigste Weichenstellung war die Übernahme des Bochumer Anlagen- und Komponentenherstellers GEA 1999. Die Keimzelle des Unternehmens, der Metallhandel, wurde an die Börse gebracht. Auch die 1906 gegründete Metall-Bank, die später im Zusammenhang mit der Schwarzgeld-Affäre der hessischen CDU in die Schlagzeilen geriet, wurde verkauft. Schließlich verschwand auch der traditionelle Name Metallgesellschaft. Neue Kerngeschäftsfelder sollten das Chemiegeschäft und der Anlagenbau werden, die 1992 nur jeweils zwölf Prozent vom Umsatz ausgemacht hatten.

Mit dem früheren GEA-Eigentümer Otto Happel bekam der nun unter mg technologies firmierende Konzern einen neuen und streitbaren Großaktionär. Happel gewann sowohl den Machtkampf mit Neukirchen als auch mit dessen Nachfolger Udo Stark, der im Oktober seinen Hut nahm. Stark hatte die Zusammenlegung von Dachgesellschaften und den Verkauf des Großteils der Chemiesparte rund um das 1992 erworbene Traditionsunternehmen Dynamit Nobel umgesetzt. Mit dem Umzug des Vorstands zu GEA nach Bochum ist die Straffung der Konzernführung abgeschlossen. Rund 120 Millionen Euro werden so pro Jahr eingespart.

An diesem Freitag treffen die ersten Möbelpacker ein. Im Frühjahr zieht dann die Buchhaltung als letzte Stabsabteilung ins Ruhrgebiet, auch wenn der juristische Sitz zunächst noch am Main bleibt. Ganz ohne Metallgesellschaft muss Frankfurt aber nicht auskommen: Rund 1200 Mitarbeiter des Konzerns arbeiten auch künftig im Rhein-Main-Gebiet, zum Beispiel in der Lurgi-Zentrale. Sie ist in dem nach dem Firmengründer benannten Frankfurter Merton-Viertel angesiedelt.


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