"Szenario wie in einem Katastrophenfilm“ - Redakteur berichtet aus überschwemmten Wohnort

Leichlingen  Niklas Frielingsdorf sagt, es sei „ein Szenario wie in einem Katastrophenfilm“. Der ehemalige Stimme-Redakteur lebt heute in Leichlingen, einem der Orte, die von schweren Überschwemmungen getroffen wurden.

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Das Wasser kam am Mittwochnachmittag. Von seinem Balkon aus sah Niklas Frielingsdorf wie Sturzbäche die Straße hinunter flossen, die Gullydeckel überliefen. Bis zum späten Abend spitzte sich die Lage in Leichlingen dramatisch zu. Das Zentrum der 28000-Einwohner-Stadt im Rheinisch-Bergischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) liegt in einer Senke, direkt an der Wupper. Der Fluss trat über die Ufer, auch weil in den Talsperren der Umgebung Wasser abgelassen werden musste.

„Gegen 23 Uhr mussten die Bewohner in den am stärksten betroffenen Straßen ihre Häuser verlassen. Sie wurden in Notunterkünfte gebracht oder kamen bei Verwandten und Freunden unter“, berichtete der ehemalige Stimme-Redakteur aus seinem Wohnort. 

Wasser stand hüfthoch

Das ganze Ausmaß der Überschwemmungen trat am Donnerstagmorgen zu Tage. „Das war ein Szenario wie in einem Katastrophenfilm. Völlig surreal“, sagt Frielingsdorf. „Hüfthoch stand das Wasser im Zentrum.

Niklas Frielingsdorf. Foto: Andreas Veigel

Hausrat bis hin zu Waschmaschinen trieben durch die Stadt. Ein Mehrfamilienhaus stand in Flammen. Mit einem Lösch-Hubschrauber versuchte die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude zu verhindern.“ Für eine üblicherweise fünf Minuten dauernde Autofahrt benötigte der 40-Jährige 90 Minuten. Frielingsdorf selbst hatte „Glück im Unglück“, wie er sagte. „Ich wohne am Hang. Bei mir ist nur das Internet ausgefallen.“ 

Was ihn positiv überraschte: „Es waren überall Leute unterwegs, um sich gegenseitig zu helfen. Es wurden Pumpen besorgt, Sandsäcke gestapelt. Das hat mich beeindruckt und bewegt.“ Bereits in der Nacht zu Donnerstag hörte es auf zu regnen. Das Wasser floss langsam ab. Die Aufräumarbeiten werden aber noch lange andauern.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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