Kühnert: Queere Szene leidet unter Corona-Krise besonders

München/Berlin (dpa)  SPD-Vize Kevin Kühnert sieht Lesben, Schwule und Queers in der Corona-Krise besonders gebeutelt - und um ihre sicheren Räume wie Bars und Clubs gebracht.

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Kevin Kühnert Ende 2020 bei einer Demonstration in Berlin.

«Während der Corona-Pandemie habe ich noch stärker gemerkt, wie sehr die Szene ihre Treffpunkte braucht», wird der offen schwule 31-Jährige im neuen Buch «Coming-out» von Sebastian Goddemeier zitiert. Darin sprechen auch Promis wie die Youtuberin und Influencerin Melina Sophie (25), Designer Michael Michalsky (54) sowie Comic-Zeichner und Autor Ralf König (60) über ihre Identität und den Umgang damit.

«Wenn man davon ausgeht, dass sechs oder sieben Prozent aller Menschen homosexuell sind, dann gestaltet sich das Flirtverhalten schwierig», sagt Kühnert. «Wenn du 15 Leute anflirten musst, bis ein Treffer dabei ist, ist das unangenehm. Deswegen sind Safe Spaces so wichtig.»

Menschen, die sich im Coming-out-Prozess befinden, haben es laut Kühnert in den vergangenen zwölf Monaten besonders schwer gehabt. «Ich stelle mir vor, wie es gewesen wäre, wenn ich damals ein Jahr nicht rausgekonnt hätte - so wie das während der Pandemie der Fall war. Die Leute mussten zu Hause bleiben und soziale Interaktionen eingrenzen. Das war ein heftiger Einschnitt und zwang viele Menschen dazu, wichtige Identitätsfragen mit sich selbst auszumachen.»

Kühnert berichtet von einem recht problemlosen Coming-out in seiner Familie. Er sieht jedoch nach wie vor körperliche Angriffe auf gleichgeschlechtliche Paare im öffentlichen Raum als große Gefahr. Deswegen spaziere er auch nicht händchenhaltend durch Berliner Straßen, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzender der SPD.

«Vielleicht habe ich da Komplexe. Ich sehe immer eine Exotisierung dahinter», so Kühnert. «Wenn man 20 Paare sieht, die Händchen halten, und ein homosexuelles Paar darunter ist, merken sich alle das homosexuelle Paar. Niemand würde sagen: «Da sind gerade 19 Hetero-Pärchen an mir vorbeigelaufen.» Man sticht einfach heraus.» Der Politiker fügte hinzu: «Ich weiß, dass ich mich damit einschränke, wenn ich die Hand eines Mannes nicht halte. Daran sieht man, dass eigentlich überwundene Diskriminierungsmuster im Kopf erhalten bleiben. Vielleicht wird das in 30 Jahren niemanden mehr interessieren, darüber wäre ich sehr glücklich.»

© dpa-infocom, dpa:210309-99-744460/2


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