Hochwasserkatastrophe: Hohe Nachfrage nach Warn-App Nina

Berlin/Heilbronn  Die Warn-App Nina ist am Tag der Starkregen-Katastrophe stark frequentiert worden. Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) haben sich Tausende von Menschen die App erstmals heruntergeladen.

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 Der Nutzerzuwachs belief sich am Mittwoch deutschlandweit auf circa 16.000. Im Vergleich dazu wurden am Vortag 7000 neue Nutzerinnen und Nutzer registriert. Von Mittwoch bis Donnerstagvormittag hat das BBK über die App 61 Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes mit unmittelbaren Bezug zur Unwetterlage versandt, beispielsweise zu akuten Hochwasserlagen und Stromausfällen. Hinzu kommen die acht landesweiten Hochwassermeldungen im Süden, Westen und der Mitte Deutschlands.  

Auch Feuerwehren und Rettungsleitstellen nutzen Nina

Nicht mitgezählt sind in der BBK-Statistik die Wetterwarnungen, die vom Deutschen Wetterdienst eingespeist werden. Diese Unwetterwarnungen erhält das BBK ab DWD-Warnstufe 3 (markantes Wetter) direkt vom Wetterdienst. Neben dem Bund selbst können auch die Lagezentren der Länder und angeschlossene Leitstellen von Städten und Kommunen das Warnsystem ebenfalls nutzen. Dies sind vor allem Feuerwehr- und Rettungsleitstellen, die Warnmeldungen für lokale Gefahrenlagen herausgeben, und davon am Mittwoch starken Gebrauch gemacht haben. 

Fast neun Millionen Nutzer

Die App NINA wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelt und soll vor allem dann helfen, wenn Sirenen und Rundfunk die Bevölkerung bei drohenden Gefahren nicht erreichen. Foto: dpa

Die anfangs auch mit Skepsis betrachtete Warn-App hat inzwischen fast neun Millionen Nutzer gefunden. Sie informiert nicht nur über Naturkatastrophen, sondern auch über Großbrände und Gefahrstoffausbreitung oder über die Corona-Pandemie. Das Bundesamt teilte erst vor kurzem mit, die historisch gewachsene Software komplett modernisieren und die Einsatzmöglichkeiten der App deutlich ausbauen zu wollen.

Das BKK wird stellt sich derzeit neu auf. So soll in Krisen und Katastrophenfällen eine noch bessere Information der Bürger gewährleistet werden. 

88 Millionen Euro für modernes Sirenen-System

Bis zum nächsten Warntag am 8. September 2022 werde eine „umfassende Testlandschaft aufgebaut”, teilte das Bundesinnenministerium kürzlich mit. Diese werde im ersten Quartal 2022 zur Verfügung stehen. Dabei gehe es um das Zusammenwirken der verschiedenen Kanäle, über die Bürgerinnen und Bürger in Gefahrensituationen erreicht werden sollen, etwa durch Radiodurchsagen, Sirenen, Lautsprecherwagen und eben die Warn-App Nina. Zeitgleich würden die Systeme zur Warnung der Bevölkerung ausgebaut sowie neue Warnkanäle erschlossen. Das BBK will den Aufbau neuer Sirenen und die Instandsetzung vorhandener Sirenen in den kommenden zwei Jahren mit 88 Millionen Euro fördern.

Beim ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 war einiges schief gelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb damals als „fehlgeschlagen” bezeichnet. Armin Schuster wurde schließlich zum neuen Behördenchef berufen.  

 

 


Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Chefkorrespondent in Berlin

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme.

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