Bundeswehr-Verstärkung für die Katastrophengebiete

Berlin  Auch Hubschrauber-Besatzungen aus Baden-Württemberg sind im Einsatz. Ein Landeplatz befindet sich auf dem Fliegerhorst Nörvenich, rund zehn Kilometer Luftlinie von dem besonders betroffenen Ort Erftstadt-Blessem entfernt. 

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Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr bringt Trinkwasser nach Altenahr. Foto: dpa

Erst eine Woche ist seit dem Besuch von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im nordrhein-westfälischen Ort Uedem vergangen. Am 13. Juli hatte sie das Weltraumkommando der Bundeswehr in Dienst gestellt. Es soll den Schutz und die Überwachung von Satelliten übernehmen, gefährlichen Weltraumschrott beobachten, Aktivitäten anderer Staaten analysieren. Seitdem aber am 14. Juli in Ahrweiler, Bad Neuenahr, Dernau, Mayschoß, Rech, Schuld, Erftstadt, Bad Münstereifel, Schleiden, Hagen und vielen anderen Orten im wahrsten Sinne des Wortes die Welt unterging, kämpft die Bundeswehr im Hier und Jetzt, Seite an Seite mit vielen anderen Hilfsorganisationen, gegen dramatische irdische Herausforderungen. 

Weitere Bergungspanzer verlegt

Am Sonntag verschaffte sich AKK in Erftstadt – die Stadt liegt übrigens 120 Kilometer von Uedem entfernt - ein Bild von der Katastrophenlage. Die „Staatsbürger in Uniform“, wie die Truppenangehörigen gerne genannt werden, sind seit Tagen pausenlos im Einsatz, und es werden immer mehr Einheiten zur Verstärkung verlegt. Alleine am Sonntagabend rollten mehr als ein Dutzend Fahrzeugkolonnen aus dem Norden und Osten Deutschlands kommend über die Autobahnen Richtung Westen, beladen mit schwerem Gerät, beispielsweise weiteren Bergungspanzern. Inzwischen sind mehr als 1000 Soldatinnen und Soldaten in das Katastrophengebiet verlegt worden.

 

Militärischen Katastrophenalarm ausgelöst

Das Verteidigungsministerium hatte bereits am Freitag den „militärischen Katastrophenalarm“ ausgelöst. Das bedeutet: Entscheidungsinstanzen werden genau dorthin verschoben, wo sie gebraucht werden. Eine Verbandsführerin vor Ort kann nun selbst entscheiden, ob der Bergepanzer, ob der militärische Lkw, ob das Stromaggregat bereitgestellt wird, wenn es denn verfügbar wird. Dezentrale Entscheidungsstrukturen sollen die Hilfe beschleunigen. 

Im Zuge des Alarms wurden auch bundesweit alle Kräfte angewiesen, nötiges Großgerät verfügbar zu machen. Der Bund hat im Katastrophenschutz in Friedenszeiten keine unmittelbaren Zuständigkeiten, kann aber auf Anforderung der Länder mit Einsatzkräften und Material helfen.

Hubschrauber aus Hohenlohe 

Im Einsatz sind auch Soldatinnen und Soldaten aus der Region.  Ein Sprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg sagte unserer Redaktion, dass das Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten in Hohenlohe sowie das in Laupheim stationierte Hubschraubergeschwader 64 Einsatzbefehle erhielten, um die Rettungs- und Aufräumarbeiten in den Hochwasser-Katastrophengebieten zu unterstützen. Die SAR-Rettungshubschrauber, Transport-Hubschrauber vom Typ CH-53 und Mehrzweckhubschrauber vom Typ H145M können den Militärflughafen Kerpen-Nörvenich als Basis nutzen. Er liegt nur gut zehn Kilometer Luftlinie vom besonders von der Flut betroffenen Erftstadt-Blessem entfernt. Die Hubschrauberbesatzungen retten nicht nur Leib und Leben, sondern bringen auch Trinkwasser in schwer zugängliche Gebiete, oder sie unterstützen die Einsatzleitungen mit Lagebeurteilungen aus der Luft. 

 

Dass die Folgen der Klimakrise auch in zunehmenden Maße auch ein Thema der Sicherheitspolitik wird, ist Verteidigungsexperten schon länger klar. Bereits im Weißbuch 2016 zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr hieß es: „Der Klimawandel als globaler Trend beeinflusst bereits heute die Lebensbedingungen von Hunderten von Millionen Menschen. Klimatische Veränderungen haben zudem signifikante und existenzbedrohende Folgen für zahlreiche Staaten und ihre Bevölkerungen“. In Verbindung mit Ressourcenknappheit und demografischem Wachstum könnten klimatische Veränderungen vor allem in Regionen fragiler Staatlichkeit noch zusätzlich destabilisierend oder konfliktverstärkend wirken. Im schlimmsten Fall könnte dies zu Staatsversagen, gewaltsamen Auseinandersetzungen und unkontrollierten Migrationsbewegungen führen, stellte das Weißbuch ebenfalls fest. Und AKK sagte erst im Frühjahr diesen Jahres in einem Interview, dass ein Nichtaufhalten des Klimawandels dramatische Folgen haben werde, Lebensräume seien bedroht, beispielsweise in der Sahel-Zone in Afrika. 

Nun ist der Krisenfall eingetreten, direkt vor unserer Haustüre. Eine Erhebung der Münchner Sicherheitskonferenz hat erst im Juni offenbart, dass die Sorge um Extremwetter, Klimawandel und natürliche Ressourcen zunimmt. Die Herrschaft über Klimatechnologie entscheide künftig auch über Sicherheit, hieß es. In einer Umfrage zu den größten Risiken landeten in Deutschland gleich drei Umweltthemen auf den ersten Plätzen.  Die größten Sorgen der Deutschen sind: der Klimawandel, extreme Wetterlagen, die Zerstörung der natürlichen Umgebung.


Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Chefkorrespondent in Berlin

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme.

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