Wirtschaftsexperten geben Trump schlechte Noten

Heilbronn  Wirtschaftsexperten rund um den Globus haben US-Präsident Donald Trump ein Jahr nach seiner Wahl ein miserables Zeugnis ausgestellt.

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Ein Jahr nach den Präsidentschafts-Wahlen in den USA. Foto: dpa

Bei einer Umfrage des Ifo Instituts waren 73,9 Prozent der Fachleute der Auffassung, dass seine Politik die Weltwirtschaft negativ beeinflusse, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut jetzt mitteilte. Die seit Januar 2017 amtierende Regierung bekommt unter anderem schlechte Noten bei der Zusammenarbeit in multilateralen Organisationen, bei Frieden und Sicherheit sowie beim internationalen Handel, dessen Spielregeln Trump zugunsten der USA verändern will.

Doch wie bewerten deutsche Wirtschaftsexperten den US-Präsidenten? Die Heilbronner Stimme hat prominente Fachleute gefragt, die ihre Sicht auf Donald Trump und die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen schildern. 

 

Von Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft 

Die Präsidentschaft von Donald Trump ist bisher von Überraschungen auf der Verhaltensebene wie von Enttäuschungen auf der Politikebene geprägt. Angesichts mangelnder Vorbereitung bei Trump und seinem Team, dem erratischen Verhalten des Präsidenten gegenüber Kongress und Senat sowie der faktischen Spaltung der Republikanischen Partei ist bisher keines seiner Versprechen umgesetzt worden. Die Steuerreform ist noch ein Hoffnungswert. Das System der Gewichte und Gegengewichte der US-Demokratie funktioniert, allerdings ohne konstruktiv Gestaltungskraft zu entfalten.

Die internationalen Beziehungen haben bislang weniger gelitten, als zu erwarten war. Die Nato und die transatlantische Kooperation sind nicht unter die Räder gekommen, sondern durch intensive Kontakte auf der Arbeitsebene und häufige Gespräche auf der Spitzenebene stabilisiert worden. In der Handelspolitik ist noch unklar, ob es nicht auch neue Chancen gibt. Die Verhandlungen zu NAFTA sind angelaufen, die Aussichten auf eine transatlantischer handelspolitische Initiative noch nicht verbaut.

Schaden hat Trump den USA allerdings durch die Aufkündigung des transpazifischen Abkommens (TPP) zugefügt. Unklar bleibt indes, wie sich die Beziehungen zu Russland – angesichts der Vorwürfe der Manipulation im Wahlkampf – und zu China – angesichts der handelspolitischen Rhetorik und des Verbalkonflikts zwischen Trump und Kim Jong-un – sich entwickeln werden. Das laienhafte Auftreten des US-Präsidenten wird hier – anders als mit den europäischen Partnern – nicht durch eingeübte Kooperation auf der Arbeitsebene unterlegt.

Insgesamt bleibt der transatlantische Westen, für den es keinen Ersatz in einer Zusammenarbeit mit Russland oder China gibt, auf die Hoffnung verwiesen, dass der Apparat die Präsidentschaft dominiert.

 

Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) 

Ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten fällt es schwer, seiner bisherigen Amtszeit etwas Gutes abzugewinnen. Zwar profitiert die US-Wirtschaft noch von dem Aufschwung, für den sein Vorgänger nach der Finanzkrise die Weichen gestellt hat. Das gesellschaftliche Klima und die internationale Reputation der USA haben jedoch massiv gelitten. Insbesondere mit der Kündigung des Klimaschutzabkommens von Paris, der Kündigung des transpazifischen Freihandelsabkommens TPP und den Attacken auf NAFTA hat Trump eine Reihe enger Partner brüskiert. Vorwürfe gegen Japan hinsichtlich einer „unfairen Handelspolitik“, die Trump jüngst auf seiner Asienreise äußerte, lassen auch nicht darauf schließen, dass der US-Präsident von seiner protektionistischen Haltung in Zukunft abrücken wird. 

Aus deutscher Sicht ist das Beste seiner Amtszeit bislang etwas, von dem Trump schließlich die Finger gelassen hat: Eine „Border Adjustment Tax“ wie von einigen republikanischen Parteikollegen geplant, hätte gravierende Folgen für deutsche Unternehmen nach sich gezogen. Da die Vereinigten Staaten derzeit der wichtigste Exportmarkt für deutsche Produkte sind, hätte eine solche Grenzausgleichssteuer unserem Außenhandel eine empfindliche Delle versetzt.

 

Von Dietrich Birk, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in Baden-Württemberg

Die Vereinigten Staaten sind wichtigster Exportmarkt unserer hiesigen Maschinenbauer – daran hat auch ein Jahr Donald Trump nichts geändert. Im ersten Halbjahr 2017 hat der baden-württembergische Maschinenbau Produkte im Wert von 2,4 Mrd. Euro in die USA geliefert und damit einen leichten Zuwachs gegenüber Vorjahr realisiert. Auch im zweiten Halbjahr stellt sich der Handel mit den USA bisher positiv dar, so dass ein einstelliges Wachstum im Gesamtjahr wohl realisiert werden kann. Viele Unternehmen beurteilen die Geschäftsbeziehungen mit den USA aktuell sogar besser als noch 2016. Es dominiert das Vertrauen in den US-amerikanischen Markt und in den Erfolg der Gespräche auf politischer und administrativer Ebene.

Aber natürlich ist der Ausblick aufgrund der Unwägbarkeiten zahlreicher Reformvorhaben der US-Regierung und der grundsätzlichen „America-First“-Politik mit Unsicherheiten behaftet. Der VDMA betont in politischen Gesprächen mit Verantwortlichen der US-Administration - zuletzt vor zwei Wochen im Rahmen der Wirtschaftsdelegationsreise der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin - daher immer wieder die Bedeutung des deutschen Maschinenbaus für die Modernisierung der US-Industrie. Moderne Maschinen und Anlagen aus Deutschland verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Unternehmen und tragen somit auch zu einer Steigerung der US-Exportfähigkeit bei. Die deutsche Investitionsgüterindustrie ist darüber hinaus in den USA tief verwurzelt. So beschäftigt allein der deutsche Maschinenbau mit 81.000 Mitarbeitern mehr Menschen vor Ort in den USA als die gesamte amerikanische Kohleindustrie zusammen (76.000 Beschäftigte).

 

 


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