Unversöhnlich: Kommentar zur Antrittsrede des neuen US-Präsidenten

Kommentar  Kampfansagen und Schuldzuweisungen statt Visionen - Donald Trumps Antrittsrede muss Sorgen machen, meint unser Politik-Chef Hans-Jürgen Deglow.

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Hans-Jürgen Deglow.

Antrittsreden von US-Präsidenten bieten Visionen und wollen das im Wahlkampf gespaltene Land einen. Manchmal werden dabei Sätze für die Ewigkeit geprägt. "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt", sagte etwa John F. Kennedy. Worte, die die USA geprägt haben − hier das Misstrauen in einen zu starken Staat.

Donald Trump hingegen: Kampfansagen und Schuldzuweisungen. "Wir geben euch das Land zurück!" rief er, als hätten es die Washingtoner Elite, ausländische Mächte und unpatriotische Konzerne gestohlen. Dämonische Bilder von Jobs, die ins Ausland verschwanden, von einer Mittelschicht, der man ihren Wohlstand genommen hat. Sprach da seine private Pastorin und Beraterin, die offen der Prosperität, dem Reichtum als Liebe Gottes huldigt?

Zugleich machte der Milliardär in Robin-Hood-Verkleidung Versprechungen, die nur ein dominanter Staat erfüllen kann: Jobs für alle, den Vergessenen eine Stimme! Oder: Grenzen dicht, Kriminalität eindämmen, Straßen bauen, den militanten Islamismus "vom Antlitz der Erde tilgen". Großmannssucht klingt durch, wenn das amerikanische Volk geeint stehen soll hinter der einen Fahne im Kampf um Platz 1 in der Nationenwertung.

Aufpeitschen gegen den Rest der Welt statt Miteinander. Vorwürfe statt Visionen. Schlaraffenland-Versprechungen statt Konzepte. Insoweit wurden die schlimmsten Befürchtungen bestätigt, die Hoffnung, das Amt werde den Egomanen verantwortungsvoller werden lassen, glimmt nur noch als kleiner Funke unter der dicken Schicht populistischen Getöses. Aber sie glimmt. Denn überraschend war die Erwähnung der sauberen Energien. Sollte doch Vernunft mit den Trumps einkehren ins Weiße Haus? Wenn, dann ist es die Vernunft, die glaubt, einen Vorteil zu erkennen. Sie gilt es künftig anzusprechen.

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hans-juergen.deglow@stimme.de

 

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