Syrisch-Orthodoxer Patriarch: Europa muss Christen in Syrien und im Irak mehr helfen

Politik  Der Patriarch der Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, Ignatius Aphrem II. Karim, hat im Gespräch mit der Heilbronner Stimme von Europa eine stärkere Unterstützung für die christliche Minderheit in Syrien und im Irak gefordert.

Von Jens Dierolf

Die Patriarch, hier bei einem Treffen mit dem Papst. Foto: dpa

"Als Christen finden wir, dass unsere Anliegen nicht hoch genug angesiedelt sind auf der Agenda der europäischen Länder“, sagte Aphrem II. in einem Interview mit der „Heilbronner Stimme“. Gerade die Christen bekämen die Folgen einer gescheiterten westlichen Nahost-Politik zu spüren. „Wir fühlen uns häufig so, als ob wir geopfert werden beim Versuch, einen Regimewechsel herbeizuführen und die Karte der Region neu zu zeichnen“, kritisierte der Patriarch.

„Wenn keine wirklichen Anstrengungen unternommen werden, um den anhaltenden Exodus der Christen in Syrien und im Irak zu verhindern, wird es dort eines Tages keine christliche Existenz mehr geben. Diese Gefahr ist sehr real“, warnte das kirchliche Oberhaupt von mehr als 3,5 Millionen Gläubigen weltweit. Mehr als 40 Prozent der Christen in Syrien hätten das Land seit Beginn des Bürgerkrieges verlassen.

Patriarch Ignatius reist Ende der Woche zur Sicherheitskonferenz nach München. Dort nimmt er am Samstag an einer Diskussion der Hanns-Seidel-Stiftung über die Zukunft der Christen im Nahen Osten teil.

Schutz und Gehör benötigt

Die Rückkehr in die von der Terrormiliz befreiten Gebiete im Irak sei noch immer sehr gefährlich. Um wieder ein sicheres Leben von Christen zu ermöglichen, hält er internationalen Schutz für nötig. „Wir glauben, dass es Christen und anderen Minderheiten ermöglicht werden sollte, ihre eigene international geschützte Enklave zu bekommen. Das gilt vor allem für die Ninive-Ebene“, sagte Aphrem II. der „Heilbronner Stimme“. Er bat darum, dass die christliche Gemeinschaft mehr Gehör bei der internationalen Gemeinschaft findet und forderte eine stärkere Unterstützung von Hilfsprojekten in Syrien und im Irak, die das Ziel haben, dass Christen in ihrer jahrhundertealten Heimat bleiben können.

Um ein Zusammenleben zwischen den Religionen zu ermöglichen, forderte der Patriarch einen breiteren interreligiösen Dialog. Vor allem junge Menschen sollten diesen vorantreiben: „Es ist von existenzieller Bedeutung, den Dialog von der akademischen Ebene auf eine alltägliche Ebene zu bringen.“

Revision von Lehrplänen

Beim Kampf gegen die Radikalisierung nahm der Patriarch muslimische Geistliche in die Pflicht. „Zunächst sollte es eine klare Verurteilung der Ideologien von ISIS seitens der islamischen Zentren wie der Al-Azhar-Universität und anderen Einrichtungen geben. Zweitens ist eine Revision der islamischen religiösen Lehrpläne nötig, um sicherzustellen, dass es keine Interpretation des islamischen Textes zur Unterstützung der ISIS-Ideologien gibt.“

 


Kommentar hinzufügen