Strapazen für Millionen Rinder und Schweine

Tierschutz  Millionen Rinder, Schweine und andeer Nutztiere werden durch Europa transportiert. Aus Sicht vieler Tierschützer ein unhaltbarer Zustand. Die Bundestagsfraktion der Grünen setzt sich mit einem parlamentarischen Antrag für eine Begrenzung solcher Transporte ein. Demnächst wird darüber abgestimmt.

Von Reto Bosch

Nutztiere sollen nicht mehrmit Langzeittransporten durch Europa gefahren werden. Zumindest dann, wenn nicht sichergestellt werden kann, dass Tierschutzvorgaben eingehalten werden. Das ist das Ziel verschiedener Initiativen. Die Bundestagsfraktionen von Grünen und FDP haben entsprechende Anträge eingebracht. Eine von einer Wüstenroterin vorangetriebene Petition soll sämtliche Landesparlamente und den Bundestag zum Umdenken bewegen. Kernforderung: keine Transporte mehr von Deutschland ins Ausland.

Transportstopp in bestimmte Länder gefordert

"Wir müssen vor allem die grauenhaften Langstreckentransporte endlich beenden", sagte der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner (Schwäbisch Hall) dieser Redaktion. Im vergangenen Jahr seien mehr als 80.000 lebende Rinder aus Deutschland exportiert worden, aus der ganzen EU seien es mehr als 700.000. Bei den viel zu seltenen Kontrollen gebe es in drei Viertel der Fälle Beanstandungen. Die Grünen-Fraktion hat Anfang des Jahres einen Antrag eingebracht, in dem sie die Bundesregierung unter anderem dazu auffordert, sich bei der EU für Verbesserungen einzusetzen und auf einen Transportstopp in jene Länder hinzuwirken, die Tierschutzvorgaben nicht einhalten. Die Grünen wollen am 26. September im Landwirtschaftssausschuss über diesen Antrag abstimmen lassen. Harald Ebner: "Dann müssen auch Union und SPD Farbe bekennen."

Auch die FDP sieht dringenden Handlungsbedarf

In eine ähnliche Richtung geht ein Antrag der FDP-Fraktion, der genauso wie das Grünen-Papier in einem Fachgespräch mit mehreren Sachverständigen Ende Juni diskutiert worden ist. "Persönlich sehe ich erhebliche Dringlichkeit", sagte der Heilbronner FDP-Abgeordnete Michael Link dieser Redaktion. Tierwohl und die nötige Rechtssicherheit für alle Seiten drängten zur Eile. Allerdings, so Link, seien nicht alle Anliegen der Tierschützer erfüllbar, "auch und gerade unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten". In einem wichtigen Punkt gehen die Grünen weiter als die Liberalen. Sie fordern, dass die für Tiertransporte maßgebliche Verordnung geändert wird: Fahrten in Deutschland insgesamt auf maximal vier, ins Ausland auf höchstens acht Stunden begrenzen. In eine ähnliche Richtung zielt die Petition ab, die von der Organisation Mensch-Fair-Tier vorangetrieben wird. An diesem Samstag endet die Unterzeichnungsfrist.

Das Haus von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner weist darauf hin, dass die Verordnung ein in weiten Teilen "hinreichendes Regelwerk" sei. Die Minister Deutschlands und einiger anderer Länder setzten sich bei der Europäischen Kommission aber für gewisse Veränderungen ein. Etwa, was das Raumangebot, Belüftung oder Fütterungsintervalle angeht. Zudem sollten zeitliche Begrenzungen für den Transport von Schlachttieren erwogen werden.

In Baden-Württemberg wurde ein Runder Tisch eingerichtet

In Baden-Württemberg hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk mit einem Runden Tisch auf das Problem reagiert. Landwirte, Händler und Tierschutzorganisationen hätten sich darauf verständigt, auf die Vermarktung von lebenden Tieren aus Baden-Württemberg zur Schlachtung in Drittländern zu verzichten, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Zudem bestehe Einigkeit, dass auf EU-Ebene weitere Verbesserungen notwendig sind. Um diesem Ziel näher zu kommen, habe das Land entsprechende Vorschläge in der Agrarministerkonferenz gemacht.

Der Deutsche Bauernverband lehnt Schlachtviehtransporte ab

Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist der Ansicht, dass die deutschen Vorschriften für Tiertransporte ausreichen. "Wir haben allerdings ein starkes Gefälle innerhalb von Europa und vor allem in Richtung EU-Drittländer", sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken unserer Redaktion.

"Schlachtviehtransporte in Drittländer lehnen wir grundsätzlich ab." Bei Zuchtviehtransporten sei es unverzichtbar, dass europäische Standards eingehalten werden, betont Krüsken. Grundsätzlich sei bei Transporten weniger die Dauer, sondern der Umgang mit Tieren wichtig.