Sorge vor Krise mit Nordkorea

Heilbronn  Die Organisation „Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges“ sorgt sich wegen der Konflikte in der Welt, nicht nur wegen Nordkorea. Und sie warnt vor einer atomaren Eskalation.

Von Hans-Jürgen Deglow
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Der US-Flugzeugträger USS Carl Vinson (CVN-70) nimmt Kurs Richtung Nordkorea. Foto: Matt Brown/DOD/U.S. Navy/ZUMA /dpa

Vor dem Jahrestreffen der Organisation „Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges“(IPPNW) an diesem Wochenende in Berlin zeigte sich die Vorsitzende Susanne Grabenhorst tief besorgt über zunehmende Spannungen und die atomare Bedrohung in der Welt. Insgesamt gebe es „eine besorgniserregende Militarisierung der Politik“, sagte Grabenhorst der Heilbronner Stimme: „Die weltweiten Bedrohungen haben zugenommen. Die Konfrontation zwischen Nato und Russland, die Spannungen im Pazifik und die gegenseitigen Drohungen im Zusammenhang mit Nordkorea sind sehr beunruhigend, insbesondere weil überall Atomwaffen eine große Rolle spielen.“

Scharfe Kritik äußerte Grabenhorst an der Bundesregierung: „Die Bundesregierung agiert aufgrund einer falschen – nämlich vorwiegend militärischen – Interpretation von »Verantwortung« wieder zunehmend kriegerisch in Konflikten." Die Rüstungsausgaben stiegen. Dabei, so Grabenhorst, würden die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Erfolglosigkeit des militärischen Strebens nach nachhaltiger Sicherheit ignoriert. 

Überleben der Menschheit bedroht

Als Lichtblick bezeichnete sie, dass Ende März in einer ersten Runde etwa 130 Staaten über einen Atomwaffenverbotsvertrag verhandelt und die Abschaffung von Massenvernichtungswaffen gefordert hätten. Allerdings hätten Deutschland und andere Nato-Mitglieder die Konferenz  boykottiert. Grabenhorst forderte die Bundesregierung nachdrücklich auf, sich an den diesjährigen Verhandlungen zu beteiligen: „Wir wenden uns gegen die atomare Eskalation, die das Überleben der Menschheit existenziell bedroht, und fordern die Bundesregierung auf, sich an den Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot aktiv und konstruktiv zu beteiligen“, sagte sie. Zudem müsse sie den Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel durchzusetzen.

Grabenhorst betonte: Der Begriff Krieg taucht immer häufiger auf, weil der Krieg in vielen Regionen der Welt zum schrecklichen Normalzustand gehört - ebenso wie das Geschäft mit dem Krieg. Es nützt aber nichts, den Begriff zu vermeiden, wo er angebracht ist. Begriffe wie »(humanitäre) Intervention«, »Durchsetzung von Flugverbotszonen«, »Regime change«, » Responsibility to Protect«, »Einsatz«, »Raketenschutzschild« haben angesichts der schrecklichen kriegerischen Realität oft eine verschleiernde Wirkung.

Wir wollen aber auch andere Begriffe in die Diskussion bringen: Abrüstung und Konversion, Zivile Konfliktlösungen, fairen Interessensausgleich, Dialog, Traumabearbeitung, Versöhnung. Das sind die Ziele, denen wir unser Engagement widmen.

Auf dem Jahrestreffen des IPPNW sollen die Mitglieder auch über eine sogenannte „Berliner Erklärung“ entscheiden, in der die Ärzte für eine „Kultur des Friedens“ eintreten. 

 

Nordkorea misslingt laut Bericht erneut Raketentest

Nordkorea hat trotz Verboten durch die Vereinten Nationen erneut eine Rakete gestartet. Sie soll allerdings kurz nach dem Start in der Luft explodiert sein. Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Samstag unter Berufung auf die Streitkräfte. Um welchen Raketentyp es sich handelte, war zunächst unklar.

Im Streit um das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas hatten die USA zuvor gewarnt, das Land noch stärker wirtschaftlich und diplomatisch isolieren zu wollen. dpa

 

 

 

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