Schüler streiken weltweit

Klima  Die Bewegung Fridays for Future plant am Freitag Proteste in 105 Ländern. Auch Jugendliche in der Region gehen auf die Straße. Unterdessen haben Politikern die schwedische Aktivistin Greta Thunberg für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Von Tanja Ochs und Hans-Jürgen Deglow

Schüler streiken weltweit

Aktivistin Greta Thunberg hat auch in Hamburg für den Klimaschutz demonstriert.

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Die Zahl der Klimaproteste wächst und wächst. Schüler und Studenten wollen am Freitag in mehr als 1650 Städten in 105 Ländern nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg für mehr Klimaschutz demonstrieren. Das ging gestern aus einer Liste des #FridaysForFuture-Netzwerks hervor.

In Deutschland sollen fast 200 Protestaktionen stattfinden. Auch in Heilbronn und Künzelsau wollen Schüler auf die Straße gehen. Die 16-jährige Thunberg, die von schwedischen und norwegischen Politikern für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, schrieb auf Twitter: "Wir werden so lange weitermachen wie notwendig." Erwachsene seien herzlich willkommen, sich den jungen Demonstranten anzuschließen.

Reaktionen auf den Protest

Unterdessen ist eine Debatte entbrannt, ob die Politik richtig auf den Protest der Schüler und die Klimaproblematik reagiert. Seit 40 Jahren warnen Wissenschaftler vor der Erderwärmung. "Politiker reden das Thema schön", sagt Mojib Latif, Vorstandschef des Deutschen Klima-Konsortiums. Das Problem sei bekannt, "aber am Ende passiert nichts", erklärt der Wissenschaftler im Gespräch mit der stimme.de. Das hätten Jugendliche auf der ganzen Welt verstanden. Latif gehört zur Initiative Scientists4Future, die die Forderungen der Schüler ausdrücklich unterstützt.

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, glaubt ebenfalls, dass die Politik das Thema "nicht ernst genug nimmt". Er sagte dieser Zeitung: "Greta Thunberg ist in Schweden so heldenhaft positiv aufgenommen worden, weil Schweden 2018 von nicht dagewesener Dürre und allein 20 großen Waldbränden heimgesucht wurde." Zu Streikaktionen während des Unterrichts erklärte von Weizsäcker: "Rückblickend wird man sagen, dass die Schüler durch die Debatten um den Streik mehr gelernt und mehr bewirkt haben, als auf der Schulbank Französisch und Mathematik zu lernen."

Thema in den Unterricht einbeziehen

Auch Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) unterstützt "die Sache" ausdrücklich. Aber sie bittet gleichzeitig darum, "Schule und Klimaschutz nicht gegeneinander auszuspielen". Die Politikerin erklärt gegenüber unserer Redaktion: "Dieser Einsatz für unseren Planeten ist wichtig und nachvollziehbar, er kann aber auch in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden." Das Thema könne im Unterricht eingebunden werden und "mit außerschulischen Protesten sinnvoll untermauert werden".

Es gebe viele weitere wichtige Themen wie Menschenrechte oder Tierschutz. "Wenn nun jeden Tag für eines dieser Themen demonstriert wird, dann haben wir am Ende gar keinen Unterricht mehr. Und das kann es ja nicht sein", so Ministerin Eisenmann.

 


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