Rufe nach mehr Klimaschutz

Heilbronn/Berlin  Alexander Gerst, Astronaut aus Künzelsau und ISS-Kommandant, ist schockiert über den Zustand auf der Erde. Auf Twitter veröffentlichte er Aufnahmen aus dem All, die das Ausmaß der Dürre dokumentieren. Die Bundesregierung gerät angesichts der Folgen des Klimawandels unter Druck.

Von Hans-Jürgen Deglow und Jürgen Paul
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Rufe nach mehr Klimaschutz
Blick auf Deutschland aus dem Weltall. Die Folgen der monatelangen Trockenheit sind deutlich erkennbar. Foto: Alexander Gerst/ESA/NASA

Die Aufnahmen aus 400 Kilometern Höhe kommentierte "Astro-Alex" mit den Worten: "Konnte eben die ersten Bilder von Mitteleuropa und Deutschland bei Tag machen, nach mehreren Wochen von Nacht-Überflügen. Schockierender Anblick. Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein sollte."

Auch wenn die große Hitze am Dienstag von örtlichen Unwettern etwas unterbrochen wurde, so hat die große Trockenheit in diesem Sommer deutliche Spuren hinterlassen. Die gesamte Nordhalbkugel der Erde ist von einer ausgeprägten Hitzewelle erfasst, zahlreiche Temperaturrekorde wurden gebrochen. Immer lauter werden daher die Rufe nach einer Reduzierung der Treibhausgase.

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Der Klimaforscher Jos Lelieveld, Direktor des Max-Planck-Instituts in Mainz, sagte dem "Wiesbadener Tagblatt": "Ich habe den Eindruck, dass es der gesamten Bundesregierung am nötigen Elan fehlt, den Kohlekonsens aufzukündigen. Dazu wären viel größere Anstrengungen nötig." Es fehle an der Einsicht, dass "Kohleenergie per se schmutzig ist" und sich "fatal" auf die Kohlenstoffdioxid-Bilanz auswirke.

Die Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock sagte der Heilbronner Stimme: "Die Bundesregierung sollte sich für ein wirksames Klimaschutzsofortprogramm, das Ende der Kohle, eine ökologische Verkehrswende und einen CO2-Preis einsetzen. Leider tut sie dies nicht. Das ist eine große Gefahr für dieses Industrieland, vor allem für die Autoindustrie."

Der SPD-Europapolitiker Arne Lietz betonte: "Wir müssen selbst unsere Hausaufgaben machen und die selbstgesetzten Klimaziele erreichen." Die neue Bundesregierung hatte erklärt, dass sie die Klimaziele nicht erreiche. Die nationalen Treibhausgasemissionen sollten bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden.

Gefahr einer "Heißzeit" kann nicht ausgeschlossen werden

"Dass wir auf Starkregenereignisse, Hitzeperioden, Unwetter vorbereitet sein müssen, predigen wir schon seit Jahren", teilte das baden-württembergische Umweltministerium auf Anfrage mit. Aus Sicht von Klimaforschern kann die Gefahr einer "Heißzeit" nicht ausgeschlossen werden. Dabei würde sich die Erde langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer neuen Studie.

 

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CO2-Ausstoß

Etwa 2,43 Millionen Tonnen CO2 hat das Heilbronner Kohlekraftwerk 2017 produziert. Ein Auto müsste bei einem durchschnittlichen Ausstoß von 130 Gramm/km mehr als 18 Milliarden Kilometer fahren, um diesen Wert zu erreichen. Die EnBW habe seit 2012 CO2-intensive Kraftwerke mit einer Leistung von etwa 2600 Megawatt aus dem Portfolio genommen, sagte ein Sprecher der Stimme. Ein Ausstieg aus der Kohle müsse neben klimaschutz- und versorgungssicherheitspolitischen Aspekten auch gesellschaftspolitische Perspektiven berücksichtigen.


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