Programmierer sagen Coronavirus den Kampf an

Berlin  Bei einem Ideen-Wettbewerb der Bundesregierung unter dem Motto "WirVsVirus" sind viele Ideen entstanden, wie das Coronavirus eingedämmt werden kann. Wir stellen ein paar der Apps und Webseiten vor, die von der Jury ausgewählt worden sind.

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Programmierer sagen Coronavirus den Kampf an Programmierer sagen Coronavirus den Kampf an

Screenshot: HSt

Eine Veranstaltung mit mehr als 28.000 Teilnehmern, das geht wegen der Corona-Krise derzeit nur noch im Internet. Und genau dort fand der Ideen-Wettbewerb der Bundesregierung zur Virusbekämpfung auch statt. Unter dem Motto "WirVsVirus" versammelten sich Programmierer aus ganz Deutschland ein Wochenende lang, um kreative Apps und Webseiten zu entwickeln, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen.

Gemeldet hatten sich Programmierer, Designer, Logistiker, Marketing-Experten, Unternehmer und viele mehr. Eingeladen hatten das Bundeskanzleramt und dessen Chef Helge Braun (CDU) sowie Digitalstaatsministerin Dorothee Bär. Der Wettbewerb wurde von Unternehmen und Organisationen aus der Tech-Branche begleitet.

Bundeskanzleramt schießt für 20 Projekte Geld zu

Die aussichtsreichsten Projekte wurden am Montagabend in einem Livestream vorgestellt. "Wir alle sind Sieger", fasste es Dorothee Bär zusammen und bedankte sich bei den Teilnehmern. Nun gehe es darum, die Ideen "auf die Straße zu bringen". Eine Woche lang hatte eine Jury aus Politik, Wirtschaft und Medien Zeit, um die Ergebnisse des Wettbewerbs zu begutachten. 20 aussichtsreiche Projekte können nun auf finanzielle Unterstützung aus dem Bundeskanzleramt und eventuell aus weiteren Ministerien hoffen. Alle weiteren Teilnehmer können sich ebenfalls für eine Förderung bewerben.

So sollen die Anwendungen schnellstmöglich fertig sein und bei der Bekämpfung des Virus helfen. Eine der Bedingungen: Der Programmcode muss Open Source, also öffentlich einsehbar sein. So soll gewährleistet werden, dass die Programme von jedermann verwendet werden können. Wir stellen ausgewählte Projekte und Ideen vor, die es unter die Top 20 des Wettbewerbs geschafft haben.

  • Sichertest: Wer den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, trägt seine Daten in der App von Sichertest ein. Im nächsten Schritt wird Kontakt mit dem Hausarzt hergestellt, der Symptome eintragen und den Patienten für einen Corona-Test anmelden kann. Die Teststellen können ihre Termine und ihre Auslastung melden, der Arzt kann Patienten je nach gewählter Entfernung zum Testtermin schicken. So sollen Kontakte beim Warten auf den Test vermieden werden. Außerdem reduziere sich dadurch die Dauer der Tests und der Kontakt zwischen Patient und medizinischem Personal.

  • Print4Life: Schutzmasken und medizinische Ausrüstung stellen zurzeit sogar Unternehmen her, die normalerweise etwas komplett anderes produzieren. Aber wo wird das hergestellte Material benötigt? Das soll Print4Life klären. Auf der Plattform können Krankenhäuser, Pflegeheime oder Ärzte anmelden, welche Güter sie brauchen. Wer einen 3D-Drucker besitzt oder anderweitig benötigte Gegenstände herstellen kann, soll die Aufträge annehmen können und den Bedarf erfüllen. So sollen etwa Schutzmasken direkt in der benötigten Stückzahl hergestellt und dann ausgeliefert werden.

  • IRIS: Hinter der Abkürzung für "Infection Response Information System" versteckt sich eine Nachrichten-App für Mediziner. Offizielle Stellen wie das Gesundheitsministerium oder das Robert-Koch-Institut sollen dort neue Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen für Ärzte und Pflegepersonal veröffentlichen. Mit einer Identifikationsnummer können sich Mediziner anmelden. In der App sollen sie auf einen Blick die aktuellsten Infos zum Coronavirus finden.

  • IDA: IDA soll eine Informationsplattform für Deutsche im Ausland sein. Wer im Ausland lebt oder arbeitet, soll sich registrieren können und in einer App alle relevanten Infos im Krisenfall finden. Außerdem soll über die App Kontakt zum deutschen Konsulat hergestellt werden können. Wer möchte, soll den Behörden Informationen wie Standort oder Kontaktdaten direkt übermitteln können.

  • Colivery: Diese Plattform soll Risikopatienten, die zu Hause bleiben sollten, und Freiwillige, die Zeit fürs Einkaufen haben, zusammenbringen. Hilfebedürftige schreiben per App oder am PC einen Einkaufszettel - oder nutzen eine Telefonnummer, unter der Ehrenamtliche die Liste zusammenstellen. Freiwillige können sich melden, um den Einkauf zu erledigen. Das System soll die Route möglichst effizient planen und kann bei Bedarf mehrere Routen kombinieren, damit auch die Freiwilligen nicht unnötig unterwegs sind.

  • Wir bleiben liqui: Über einen einfachen Fragebogen können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Angaben wie Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz eintragen. Die Webseite listet in einer Übersicht mögliche Fördermittel, Kreditbürgschaften und ähnliches auf und verlinkt die benötigten Anträge.

  • Videobesuch: Die Anwendung soll virtuelle Besuche in Alters- und Pflegeheimen erleichtern, damit Bewohner mit Angehörigen in Kontakt bleiben können. Ein Telefon oder Tablet wird von den Pflegern aufgestellt, zum Beispiel im Zimmer des Bewohners. Mögliche Besuchszeiten werden über eine Plattform festgelegt und Angehörige können sich in dieser Zeit einwählen. Der Videobesuch startet und endet automatisch, das Pflegepersonal muss nur bei Bedarf eingreifen.

 

Hintergrund

Während des Wettbewerbs hatten viele Entwicklerteams auch an E-Learning-Ideen gearbeitet, die den Unterricht zu Hause erleichtern sollen. Auch Anwendungen, die Infektionsketten des Coronavirus dokumentieren sollten, wurden entworfen. Beide Konzepte schafften es allerdings nicht unter die Top 20. Das Robert-Koch-Institut (RKI) arbeite derzeit selbst an einer App, um Infektionsketten festzuhalten, erklärte Christina Lang, Gründerin des Tech-Start-ups 4Germany.

Die App ist derzeit noch in der Entwicklung und könnte durch die freiwillige Angabe von Standortdaten helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Dabei soll es darum gehen, dass anonymisierte Daten von Handys und deren Kontakt untereinander oder mit einer Funkzelle genutzt werden. Wann eine solche App vom RKI veröffentlicht wird, ist derzeit noch unklar.

Im Bereich E-Learning gebe es bereits "interessante und gute Lösungen am Markt". Dennoch habe es gute Konzepte unter den Top 197 gegeben, sagte Lang.

 


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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