Präsident des Zentralrats der Juden kritisiert Islamgemeinden

Religion  Der Präsident des Zentralrats der Juden (ZdJ), Josef Schuster, hat muslimischen Gemeinden Integrationsunwilligkeit vorgeworfen.

Von unserem Redakteur Karsten Kammholz

"Vorurteile seit der Nazizeit"

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden (ZdJ), in seiner Würzburger Praxis für Innere Medizin. Foto: dpa

Es gibt muslimische Gemeinden, die unser Wertesystem in keiner Weise praktizieren", sagte Schuster der Heilbronner Stimme. Imame aus dem Ausland seien in Deutschland aktiv, "die leider ein anderes Wertesystem lehren, als wir uns das vorstellen", beklagte der ZdJ-Präsident. Er sagte auch: "Mir ist noch unklar, inwieweit die muslimischen Verbände selbst aktiv die Integration fördern."

Wie zuvor der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sprach sich auch Schuster für einen "flächendeckenden Islamunterricht in deutscher Sprache an allen Schulen" aus. Diesen anzubieten, halte er für eine sehr gute Lösung, betonte der Repräsentant der 23 jüdischen Landes- und Mitgliedsverbände im Zentralrat.

Gesellschaft

Schuster machte deutlich, dass er die Flüchtlingskrise "in keiner Weise" als beendet betrachtet. Es gehe nicht nur um die Frage, wie viele Menschen ins Land kommen. "Die eigentliche Arbeit mit den Flüchtlingen beginnt jetzt erst. Die Hauptaufgabe ist nun, all die Menschen zu integrieren. Da geht es um Sprache, um die Anerkennung von Abschlüssen, um die Integration in den Arbeitsmarkt, aber eben auch in die deutsche Gesellschaft", erklärte er. "Damit meine ich unser Wertesystem mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, auch die Religionsfreiheit und die Abkehr vom Antisemitismus."

Konflikt

In der Antisemitismus-Debatte um den baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon zeigte sich Schuster enttäuscht von Fraktionschef Jörg Meuthen. Diesem sei es bisher nicht gelungen, "als Fraktionsvorsitzender den Konflikt mit dem Abgeordneten Gedeon zu klären und seitens der Fraktion eine klare rote Linie zu ziehen".

Eine "klare Abgrenzung der AfD von diesem Mann" könne er nicht erkennen. Die Fraktion sei nicht bereit, ihn aus der Fraktion auszuschließen, sondern bestelle ein Gutachten, so Schuster. "Bei diesen Thesen frage ich mich, zu welchem anderen Ergebnis ein Gutachter kommen soll, als dass es sich um Antisemitismus handelt", stellte der ZdJ-Präsident klar. Gedeon wird vorgeworfen, antisemitisches Gedankengut verbreitet zu haben. Die Fraktion will über seinen Ausschluss erst entscheiden, wenn ein bestelltes Gutachten vorliegt.

Schuster steht einem Dialog mit der AfD "skeptisch gegenüber". Es bestehe immer die Gefahr, "dass die AfD so ein Treffen für sich öffentlich ausschlachten würde".

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