Nobelpreisträger wollen Arzt vor Hinrichtung retten

Iran/Region  Der Mediziner Ahmadreza Djalali ist in Teheran zum Tode verurteilt worden. Nun nehmen die internationalen Proteste zu. Die EU übergab in Teheran eine Protestnote, Nobelpreisträger unterzeichnen einen Brief. Auch ein Arzt aus Heilbronn unterstützt die Proteste.

Von Hans-Jürgen Deglow
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Eingang des Evin-Gefängnisses in Teheran
Blick auf den Eingang des Evin-Gefängnisses in Teheran. Hier ist der Arzt Ahmadreza Djalali inhaftiert.

In den Fall des im Iran zum Tode verurteilten, international renommierten Mediziners Ahmadreza Djalali (46) kommt neue Bewegung. Nach Informationen der Heilbronner Stimme wurde bereits Ende Oktober in Teheran eine gemeinsame Protestnote der EU-Mitgliedstaaten übergeben, die sich gegen das Todesurteil aussprach. Das Auswärtige Amt steht zu diesem Fall in enger Abstimmung auch mit EU-Partnern.

Der iranische Mediziner Djalali, der eigentlich in Schweden lebt, wurde während eines Heimatbesuches verhaftet. Am 25. April 2016 war der Professor zu einem Kongress in sein Heimatland Iran gereist.

Djalali wurde bei einem Heimatbesuch verhaftet

Der Experte für Katastrophenmedizin war mit dem Auto von Teheran nach Karadsch unterwegs, als plötzlich Sicherheitskräfte den Wagen stoppten und ihn festnahmen.

Djalali wurde schließlich im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert. Die Haftanstalt ist bei Menschenrechtsorganisationen für Folter und unmenschliche Bedingungen bekannt. Der Vorwurf: Er habe für eine ausländische Macht spioniert. Schließlich wurde er wegen „Feindschaft gegen Gott“ angeklagt und am 21. Oktober 2017 zum Tode verurteilt. Zuvor befand sich Djalali mehrere Monate in Einzelhaft, auch trat er in den Hungerstreik, sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich rapide.

Wissenschaftler bitten Bundeskanzlerin um Unterstützung

Mediziner Djalali
Der iranische Mediziner Djalali ist Professor für Katastrophenmedizin.

International nehmen nach dem Todesurteil Proteste zu. 75 Nobelpreisträger, darunter die Schriftstellerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek sowie die Chemiker Gerhard Ertl und Joachim Frank, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung an den UN-Botschafter des Iran die Freilassung Djalalis gefordert.

Ein weiterer Brief, verfasst vom Committee of Concerned Scientists mit der Bitte um Unterstützung, ging an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die britische Premierministerin und die Präsidenten von Frankreich, Italien und der EU-Kommission. Das Kanzleramt bestätigte dieser Zeitung den Eingang des Briefes.

„Bitte tun Sie alles, was Ihnen möglich ist"

In dem Schreiben an die Bundeskanzlerin bitten die Wissenschaftler des Committee of Concerned Scientists Angela Merkel, sich für Djalali einzusetzen: „Bitte tun Sie alles, was Ihnen möglich ist, um ein solch schweres Unrecht zu verhindern, das das Leben eines angesehenen Wissenschaftlers und Arztes gefährdet.“

Aus dem Auswärtigen Amt ist zu hören, es verfolge die Entwicklung des Falles von Ahmadreza Djalali „sehr aufmerksam und mit großer Sorge“. Die Bundesregierung lehne die Todesstrafe ab. Und weiter: „Diese klare Haltung ist weltweit und auch in Iran bekannt. Wir sprechen die Menschenrechtslage, ausdrücklich auch Einzelfälle, regelmäßig auf allen Ebenen gegenüber der iranischen Seite an.“

Knapp 270.000 Menschen unterschrieben die Petition

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller
Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat den Aufruf an Irans UN-Botschafter unterzeichnet.

Djalali hat unter anderem am Forschungsinstitut für Notfallmedizin Crimedim in Novara (Italien) gelehrt. Eine an den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani gerichtete Petition im Internet haben fast 270.000 Menschen unterzeichnet.

Den Vorwurf, der 46-Jährige habe Spionage für den Erzfeind des Irans, Israel, betrieben, können die Wissenschaftler, die sich für ihn einsetzen, nicht nachvollziehen. Der Katastrophen-Spezialist habe auf seinen weltweiten Reisen zwar auch Mediziner aus Israel getroffen, sich aber lediglich fachlich ausgetauscht. Von Spionage könne keine Rede sein. 

Auch Mediziner aus Heilbronn unterstützt die Aktion

Auch in Baden-Württemberg findet die Aktion Unterstützer. Darunter ist der aus Heilbronn stammende Tübinger Arzt und Katastrophenmediziner Robert Wunderlich, selbst Gründer einer Hilfsaktion für Uganda. Er hat Djalali als seinen Dozenten in Novara in Italien kennengelernt. Wunderlich sagte der Heilbronner Stimme: „In Novara habe ich 2015 das Forschungsinstitut Crimedim besucht, in dem Ahmadreza zu der Zeit angestellt war und für die Betroffenen von Katastrophen weltweit sehr erfolgreich geforscht hat.“

Er beschreibt Djalali als „tollen Menschen und hochkarätigen Wissenschaftler“. Wunderlich fügte hinzu: „Wir wollen ihn unbedingt wieder in unserer Mitte und bei seiner Familie haben. Deshalb bitten wir als Absolventen, Ahmadreza ein neutrales Gerichtsverfahren zu ermöglichen und ihn dann frei zu lassen.“ 

Folter und andere Misshandlungen sind an der Tagesordnung

Autorin Elfriede Jelinek
Auch die Autorin Elfriede Jelinek gehört zu den Unterzeichnern der Nobelpreisträger-Erklärung.

Der Umgang mit Djalali ist kein Einzelfall. Für das Jahr 2015 bilanzierte Amnesty International: „Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit waren weiterhin stark eingeschränkt. Journalisten, Menschenrechtler, Gewerkschaftler und Personen, die Kritik äußerten, wurden aufgrund von vage formulierten und überaus weit gefassten Anklagen festgenommen und inhaftiert.“

Folter und andere Misshandlungen sind demnach an der Tagesordnung und blieben straflos. Gerichtsverfahren waren unfair und in einigen Fällen endeten sie mit Todesurteilen.

Über den Fall Djalali hatte die Heilbronner Stimme erstmals im Februar 2017 berichtet, als ihm die Anklage drohte. Damals hatten sich Politiker darum bemüht, eine Anklage zu verhindern. So bat Evelyne Gebhardt, Vize-Präsidentin des Europaparlaments, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini um Unterstützung.

Auch der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD) hatte sich als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses an das Auswärtige Amt gewandt mit der Bitte, den Fall zu prüfen und zu thematisieren.

 

Zur Person

Ahmadreza Djalali arbeitet seit 1999 im Bereich der Katastrophenmedizin. Die Hilfe für ihn wird angeführt vom Forschungsinstitut Crimedim und dem in der Türkei lebenden Professor Hakan Altintas. Djalali verließ 2009 den Iran, um seinen Doktor am Karolinska-Institut in Schweden zu machen. Zudem hat er als Dozent in Italien und in Brüssel gearbeitet.

 


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