Nach Sojus-Panne: Noch unklar, ob Gerst länger im All bleibt

Baikonur  Eigentlich sollte es ein Routinestart von Baikonur werden, doch dann kommt es zu einem Zwischenfall. Eine Sojus-Kapsel muss zur Erde zurückkehren.

Von dpa und unserer Redaktion

Notlandung der Sojus-Kapsel
Retter bargen den russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin und seinen US-Kollegen Nick Hague aus ihrer Kapsel.   Foto: Tass

Der Start einer bemannten russischen Raumkapsel zur Internationalen Raumstation ISS ist nach russischen Medienberichten fehlgeschlagen. Die Sojus-Kapsel mit zwei Mann an Bord sei in Kasachstan notgelandet, meldete die russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die Raumfahrer seien unverletzt. Beim Start vom Weltraumbahnhof Baikonur habe die zweite Stufe der Sojus-Trägerrakete versagt, teilten russische Raumfahrtquellen mit.

Die zwei Raumfahrer sollten am Vormittag zu einem etwa halbjährigen Forschungsaufenthalt auf der ISS aufbrechen. An Bord waren der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin und der US-amerikanische Astronaut Nick Hague. Sie sollten das Team um den Deutschen Alexander Gerst verstärken, der vor gut einer Woche das Kommando auf dem Außenposten der Erde übernommen hatte. Das Raumschiff „MS-10“ hätte nach rund sechs Stunden Flugzeit am Nachmittag an die ISS andocken sollen.

Die Landestelle der Sojus-Kapsel lag den Angaben nach bei der kasachischen Stadt Dscheskasgan in Zentralasien. Rettungsmannschaften seien mit vier Hubschraubern unterwegs.

Alexander Gersts Mission läuft bis Dezember

Nach der Notlandung ist über eine mögliche Verlängerung der Mission von Alexander Gerst noch nicht entschieden. „Dafür ist es jetzt zu früh, es hängt ganz wesentlich davon ab, wie schnell man die Ursache findet und für die Zukunft ausschließen kann“, sagte Europas Raumfahrtchef Jan Wörner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Gersts Mission auf dem Außenposten der Menschheit läuft bis Dezember. Falls Gerst wegen der Panne der russischen Sojus-Rakete länger im All bleiben müsse, wäre dafür alles vorhanden, sagte Wörner, der Europas Raumfahrtbehörde Esa leitet.

Gerst befindet sich seit Juni auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Als erster Deutscher führt er derzeit das Kommando auf dem fliegenden Labor. Der 42-Jährige aus Künzelsau wäre nicht der erste Deutsche, der unfreiwillig länger Dienst im Kosmos leisten müsste. Bereits 1995 erwischte es etwa Thomas Reiter - er musste auf der russischen Raumstation Mir mehr als einen Monat warten, bis eine Rakete für seine Ablösung fertiggebaut war.

Esa-Chef Wörner betonte, die Sicherheitsvorkehrungen hätten offensichtlich erfolgreich gewirkt, und die beiden Raumfahrer konnten sicher landen. „Natürlich wird man nach den Ursachen suchen, bevor man wieder startet“, sagte er. „Ich hoffe, dass die erfreuliche (internationale) Kooperation nicht gestört wird.“ Ein Aus für das Sojus-Modell erwartet Wörner nicht. „Davon gehe ich nicht aus.“

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Loch in Sojus-Kapsel

Erst am vergangenen Donnerstag war eine russische Sojus-Kapsel von der ISS sicher auf die Erde zurückgekehrt. Die Kapsel mit den drei Raumfahrern Oleg Artemjew, Drew Feustel und Ricky Arnold hatte in der Steppe von Kasachstan aufgesetzt.

Zuletzt war die ISS in die Schlagzeilen geraten, weil in einer der angedockten Sojus-Kapseln ein Leck entdeckt wurde. Das Loch wurde abgedichtet. Die Ursache dafür ist bis heute unklar.

Gersts Blick auf die Erde

Abseits seiner Arbeit auf der ISS bringt Alexander Gerst seine Twitter-Follower und Facebook-Fans immer wieder aufs Neue zum Staunen - immer dann, wenn er zurück auf die Erde blickt.