Katzen regieren das Internet

Region  Schon die alten Ägypter haben sie verehrt, und auch im Netz scheinen Katzen eine besondere Anziehungskraft zu haben. "Catcontent" ist ein fest stehender Begriff geworden für alle online geteilten Medien mit Katzeninhalten. Stimme.de zeigt hier eine Auswahl.

Von Vanessa Wormer
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Täglich grüßt "Grumpy Cat".

Ihr Blick ist böse, mürrisch zieht sie ihre Mundwinkel nach unten. Die großen Augen leuchten furchteinflößend. Der aktuelle Star des Internets ist kein niedliches Miezchen, sondern eine griesgrämige, scheinbar übel gelaunte Katze – „Grumpy Cat“ wird sie genannt, zu deutsch: grantige Katze.

2012 veröffentlichte der Besitzer ein Foto dieser grantigen Katze im Netz. Seither hat es millionenfach Aufmerksamkeit bekommen. Internetnutzer schicken sich gegenseitig Bilder der Katze, meist mit witzigen Sprüchen. „Grumpy Cat“ soll jetzt sogar in einem Kinofilm mitspielen.

Kindchenschema

Der Hype um Katzenbilder im Internet ist nicht neu. Katzeninhalte, „Catcontent“ genannt, regieren schon seit einigen Jahren das Netz. "Der Niedlichkeit und dem Kindchenschema können wir uns offenbar nicht entziehen“, sagt Jana Herwig.

Die Internetexpertin forscht an der Universität Wien über digitale Themen und sucht auch nach Erklärungen für Phänomen wie dem Catcontent: „Erbauliche Bilder von Katzen sind natürlich keine Erfindung der Internetzeit“, sagt sie. Man könne diese mindestens bis zu den Emblembüchern der Renaissance verfolgen. „Der Witz von Catcontent ist ein alter: Das Tier, das menschliche Züge zeigt, amüsiert uns“, erklärt Herwig.

Stimmungsbarometer

Auch Nadine Hagen aus Heilbronn ist Katzenfan, sie hat selbst zwei: Leila und Fröstelchen. „Die machen auch manchmal witzige Sachen oder sehen komisch aus – dann teile ich die Bilder bei Facebook mit meinen Freunden“, erklärt die angehende Mediengestalterin. Eine ihrer Katzen, Fröstelchen, sieht ein bisschen aus wie Grumpy Cat. 

 
Fröstelchen von Nadine Hagen: Wer kann da widerstehen?
 

„Die Fotos treffen manchmal einfach die Stimmung, die man gerade hat“, sagt die 23-Jährige. Zum Beispiel nach dem Aufstehen, dann teilt Morgenmuffel Nadine eben die Grumpy Cat mit dem Spruch: „Guten Morgen? Es gibt keinen.“ Das macht die Katzenbilder eben so erfolgreich: Sie treffen den Nerv der Netzgemeinde, die sehr gerne in ironischem Ton miteinander kommuniziert. Und vor allem befriedigen sie die Lust am Visuellen.

Kultur des Teilens

„Womöglich ist es die dröge Arbeit am Computer, die Catcontent und andere Web-Niedlichkeiten für uns so attraktiv macht“, sagt Jana Herwig. Die Kultur des regen Bildertausches, wie man sie bei Catcontent beobachten kann, setze aber entsprechende technische und soziale Bedingungen voraus – die mit dem Internet gegeben sind.

 


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