Feuer verwüstet Pariser Wahrzeichen Notre-Dame

Paris  Eine riesige Rauchsäule steht über einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt - der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Über Stunden schlagen Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl. In der Nacht bringt die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle.

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Eine riesige Rauchsäule stand am Montagabend über einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt - der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Foto: Christian Böhmer/dpa

Ein verheerendes Feuer hat die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame verwüstet. Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch. Die Feuerwehr äußerte sich am späten Abend aber zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört wird.

Am frühen Morgen erklärte die Feuerwehr den Brand für "unter Kontrolle und teilweise gelöscht", wie französische Medien berichteten.

Feuerwehr war zwischendurch nicht sicher, ob sie die Kathedrale Notre-Dame retten kann

"Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist", sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Zuvor war die Feuerwehr zeitweise "nicht sicher" gewesen, ob sie die Ausbreitung des Feuers aufhalten kann.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sagte am späten Abend, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Der Kampf gegen das Feuer sei aber noch nicht vollständig gewonnen. Er versicherte: "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen." Auf Twitter erklärte er, wie alle Franzosen sei er an diesem Abend traurig, "diesen Teil von uns brennen zu sehen".

Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen. Über mögliche Verletzte war zunächst nichts bekannt. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, erklärte ein Sprecher.

Die angebliche Dornenkrone Jesu wurde rechtzeitig aus der Kathedrale gerettet

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Der kleine Spitzturm der Kathedrale Notre-Dame brach durch das Feuer zusammen. Foto: Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.

Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche ist aus der brennenden Kathedrale gerettet worden. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Weltweite Bestürzung über den Brand

Der Brand löste auch außerhalb Frankreichs tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus. Notre-Dame ist eine der wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité, die wegen des Feuers von Sicherheitskräften abgeriegelt wurde, wie die Stadt Paris auf Twitter mitteilte.

Der französische Premierminister Édouard Philippe schrieb: "Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich, aber wir kämpfen immer noch. An diesem Abend kämpfen die Feuerwehrleute heldenhaft gegen das Feuer." Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem "fürchterlichen Brand".

Macron sagte wegen des Brandes eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab und begab sich zu der Kathedrale. Macron hatte am Montagabend eigentlich im Fernsehen über die Ergebnisse einer monatelangen Bürgerdebatte sprechen wollte. Einen neuen Termin dafür teilte der Élyséepalast zunächst nicht mit. Der Präsident hatte die "Nationale Debatte" im Januar als Reaktion auf die Proteste der "Gelbwesten" gestartet - nun wollte er Zugeständnisse präsentieren.

"Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa"

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
In der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris war am Montagabend ein Feuer ausgebrochen. Über dem Wahrzeichen waren Flammen und eine riesige Rauchsäule zu sehen. Foto: Matthias Wagner/dpa

Weltweit sorgte der Brand für Entsetzen. Der Vatikan reagierte bestürzt. "Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen", erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

"Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa", schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. "Wir stehen heute alle an der Seite von Paris." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: "Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick."

Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte im Namen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): "Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen." Er fügte hinzu: "Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden." Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) teilte mit, er hoffe, dass es der Feuerwehr rasch gelingt, den Brand einzudämmen und das Wahrzeichen zu retten.

Unesco ist mit dem französischen Kulturministerium in Kontakt

Die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: "Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt." Die Unesco sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. "Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden." Es müssten rasch "strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden".

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich bestürzt. Die Kathedrale sei einer der größten Schätze auf der Welt, großartiger als fast jedes Museum auf der Welt. "So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um es zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden!" Die Reaktion der französischen Fachleute ließ nicht lange auf sich warten: Von einem Flugzeug Wasser auf ein solches Gebäude abzuwerfen, könne zum Einsturz des gesamten Gebäudes führen, schrieb der französische Zivilschutz auf Twitter.
 


Die Kathedrale von Notre-Dame gibt es seit dem 12. Jahrhundert

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. Um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden. Nun brachte die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine eine Spendensammlung für den Wiederaufbau auf den Weg. "Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf", schrieb die Stiftung.

Korrektur: Eine frühere Version dieses Artikels enthielt die Angabe, dass das Gerüst um die Kathedrale von der Firma Layher aus Güglingen stamme. Eine Unternehmenssprecherin teilte am Dienstag, 16. April, mit, dass dies nicht zutrifft. Dennach habe der Gerüsthersteller Layher in den vergangenen Jahren zwar häufig Gerüste für Arbeiten an der Kirche geliefert. Das Gerüst der aktuellen Baustelle, das vergangenes Jahr montiert wurde, stamme allerdings nicht von Layher.

 


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