Fan-Plakate: Joachim Hermann will Regeln nicht verschärfen

Fußball/Politik  Fans von Borussia Dortmund und vom FC St. Pauli haben mit dem Zeigen von Bannern, auf denen geschmacklose Formulierungen standen, Entsetzen ausgelöst. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht aber keinen Grund, Sicherheitsrichtlinien zu verschärfen.

Von Hans-Jürgen Deglow
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Beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig zeigten die Dortmunder Fans unter anderem ein Transparent, das sich aufs Übelste auf RB-Sportdirektor Ralf Rangnicks Burnout-Vergangenheit bezog. Foto: dpa

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht nach den Vorfällen beim Zweitligaspiel in St. Pauli und dem Skandal in Dortmund derzeit keinen Anlass, Sicherheitsrichtlinien zu ändern. „Wir legen größten Wert darauf, dass in bayerischen Fußballstadien keine Transparente mit beleidigendem oder gar verbotenen Inhalten auftauchen. Die aktuellen Regelungen und Verfahrensweisen sind aber in der Regel geeignet, um das Zeigen von beleidigenden oder strafbaren Transparenten weitestgehend zu verhindern“, sagte Herrmann der Heilbronner Stimme.  

Die bayerischen Fußballvereine als Veranstalter seien „sehr darauf bedacht, dass die Regelungen durch den Einsatz von Ordnungskräften und durch Eingangskontrollen eingehalten werden".

Herrmann verwies auf die Maßnahmen, die in Bayern die Regel seien und bislang ähnliche Vorfälle wie in Dortmund und Hamburg verhindert hätten. Im Rahmen der Einlasskontrollen würden die Besucher einer Sicht- und einer Durchsuchungskontrolle durch Ordnungskräfte der Vereine beziehungsweise durch beauftragte Sicherheitsdienste unterzogen.

„Die Polizei führt hier nur im Ausnahmefall Kontrollen durch und unterstützt erforderlichenfalls die Einlasskontrollen des Ordnungsdienstes. Dabei werden im Stadion nicht zugelassene Gegenstände wie Glasflaschen oder auch Pyrotechnik in Verwahrung genommen. Hierbei erfolgt auch eine Sichtkontrolle mitgebrachter Transparente und Spruchbänder.“

Wie funktioniert die Banner-Kontrolle?

Sollten Transparente „eindeutig beleidigenden beziehungsweise strafbaren Inhalt vorweisen, werden diese in Verwahrung genommen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen durch die Polizei veranlasst“.  Herrmann weiter: „In Einzelfällen ist es möglich, dass Spruchbänder oder Banner mit beleidigendem Inhalt im Rahmen der Einlasskontrollen nicht festgestellt und diese dann im Stadion gezeigt werden. Bei rein provokanten Sprüchen erfolgen in der Regel keine Maßnahmen durch die Polizei. Im Fall von strafrechtlich relevanten Inhalten der Spruchbänder werden durch die Polizei lageangepasste Maßnahmen ergriffen, um das weitere Zeigen der Transparente zu unterbinden und eine beweissichere Strafverfolgung zu gewährleisten. In der Regel wird hier eine Festnahme bei taktisch günstiger Gelegenheit durchgeführt und die Beweissicherung in Verbindung mit Videoaufzeichnungen durchgeführt."

Insbesondere eine zweite Kontrolle durch Ordnungskräfte innerhalb des Stadions beim Zugang zum Fanblock in dem sich überwiegend Ultragruppierungen aufhalten - wie zu Beispiel in der Allianz-Arena üblich -  seien ein sehr wirkungsvolles Instrument. Herrmann: „Wir sehen deshalb derzeit keinen Bedarf an einer Verschärfung der Sicherheitsrichtlinien.“

Was war im Hamburger Millerntorstadion passiert?

Das heftige und geschmacklose Spruchband, das St. Pauli-Fans im Spiel gegen Dresden zeigten. Foto: dpa

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli muss wegen des verunglimpfenden Spruchbandes beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden mit einer Strafe rechnen. Während des Spiels am Sonntag war auf der Fan-Tribüne im Millerntorstadion ein Banner mit der Aufschrift „Schon eure Großeltern haben für Dresden gebrannt - gegen den doitschen Opfermythos“ gezeigt worden.

Die Aussage nahm Bezug auf die Bombenangriffe der Alliierten auf Dresden 1945. Am Montag jährten sich die Angriffe zum 72. Mal. „Opfer von Krieg und Gewalt zu verhöhnen - das überschreitet nicht nur alle Grenzen des Geschmacks und der Meinungsfreiheit, es ist nicht zu akzeptieren und untergräbt unsere auch im Sport geltenden humanistischen Werte“, sagte Dynamo-Geschäftsführer Michael Born in einer Stellungnahme der Dresdner.

Im Interesse der gesellschaftlichen Akzeptanz des Fußballs und der friedlichen Fans sei es wichtig, dass solche „Entgleisungen“ - gleich in welchem Stadion sie passieren und wem sie anzulasten seien - nie wieder geschehen würden, sagte Born. Die Vereinsverantwortlichen des FC St. Pauli hatten sich für das Plakat entschuldigt. 

 


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