Altbundespräsident Roman Herzog ist tot

Berlin/Jagsthausen  Seine „Ruck-Rede“ bleibt in Erinnerung. Unermüdlich forderte er die Bürger zu Reformen auf. Nun ist Altbundespräsident Roman Herzog im Alter von 82 Jahren gestorben.

Von unserer Redaktion und dpa
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Roman Herzog

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb nach Stimme-Informationen in der Nacht auf Dienstag  in einem Krankenhaus in Bad Mergentheim Alter von 82 Jahren. Das bestätigte das Bundespräsidialamt am Dienstag in Berlin. Herzog stand von 1994 bis 1999 an der Spitze der Bundesrepublik. Zuvor war der Jurist Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Der CDU-Politiker hatte unermüdlich vor Reform-Müdigkeit im Land gewarnt. Herzog machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“.

 

Roman Herzogs letztes großes Stimme-Interview

Am Dienstag ist Alt-Bundespräsident Roman Herzog gestorben. Im Interview vom April 2016 sprach er in Jagsthausen über Populismus, Angela Merkel, Schreibpläne und seine Gespräche mit Papst Johannes Paul II. >>Hier weiterlesen ...

Roman Herzog lebte zuletzt in Jagsthausen

Er setzte sich auch kritisch mit den Bürgern auseinander. „Das Volk bewegt sich nicht“, sagte er im Frühjahr 2008 der „Bild“-Zeitung. Es gebe zwar eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, „aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren“.

Roman Herzog und Alexandra Freifrau von Berlichingen
Roman Herzog mit seiner Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen in Jagsthausen, wo Herzog seit 15 Jahren lebte. Foto: Christian Gleichauf

Seine politische Karriere hatte das CDU-Mitglied als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg begonnen. Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß er in verschiedenen Kommissionen. Dazu gehörte der Konvent für Deutschland, ein Expertengremium, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen, wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zuhause ist.  Im April 2016 hatte er dort der Heilbronner Stimme zum letzten Mal ein Interview gegeben . Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

 

Stimmen zum Tod von Herzog aus Jagsthausen

„Ich bin ganz traurig. Denn ich habe Roman Herzog sehr verehrt. Nicht nur als Politiker, sondern als Menschen“, sagt Barbara Polzer. Die Jagsthausenerin ist seit über 40 Jahren engagierte Laiendarstellerin bei den Burgfestspielen und hat den Altbundespräsidenten unzählige Male getroffen. Mit seinen Bodyguards auf dem Weg zur Post, hinter den Kulissen des Freilichttheaters. „Die Leute im Ort hatten Vertrauen zu ihm, man konnte mit ihm schwätzen. Er war nett, höflich lustig“, erinnert sie sich. „Geistig klasse. Ich habe alle seine Bücher gelesen. Er hat Worte benutzt, die ich auch verstehe.“ Oft habe sie mit ihm gewitzelt, auch über den aktuellen Götz auf der Bühne. „Er kannte sich genau aus mit dem Stück, konnte genau sagen: Das hat der Regisseur aber dazu erfunden.“

„Das letzte Mal habe ich ihn beim 75. Geburtstag seiner Gattin Freifrau Alexandra von Berlichingen im Januar 2016 gesehen“, erinnert sich Daniel Werthwein, Laiendarsteller bei den Bugfestspielen. „Ich habe ihr einen Strauß Tulpen gebracht - und er hat ihn sehr freundlich entgegengenommen. Da war er schon vom Alter gezeichnet.“ Herzogs Tod sei ein großer Verlust. „Er war jemand, der sich Gedanken macht und versucht, Dinge in die Zukunft zu bringen. Er war ein sehr wacher Mensch und hat den Grundsatz gelebt: Theater ist kein Museum.“ Obwohl er auch nach seiner Zeit als Bundespräsident stark eingebunden gewesen sei, habe er sich für die Burgfestspiele und besonders die Laiendarsteller aus dem Ort eingesetzt. „Er hat sich zum Beispiel dafür engagiert, dass wir wieder namentlich im Programmheft erwähnt werden.“   vm 

 

Kluge Stimme wird fehlen 

Auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft trauern um den Altbundespräsidenten. Eine Auswahl der Reaktionen:

  • Bundespräsident Joachim Gauck schrieb an Herzogs Witwe Alexandra Freifrau von Berlichingen: „Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat er für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein. Als Minister, als Präsident des Bundesverfassungsgerichts und als Bundespräsident waren ihm die Bürger- und Freiheitsrechte niemals nur abstrakte Begriffe.“

  • Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: „Seine unverwechselbare kluge Stimme und seine Fähigkeit, Probleme offen zu benennen und dabei Mut zu machen, wird mir und wird uns allen fehlen.

  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte: „Mit ihm verlieren wir einen klugen und kritischen Menschen, der weit über seine Zeiten als Bundespräsident und Bundesverfassungsgerichtspräsident hinaus immer wieder wichtige Denkanstöße gegeben und damit Deutschland wie Europa vorangebracht hat.“

  • Frank-Walter Steinmeier (SPD), Außenminister und Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, sagte in einer Mitteilung: „Ich habe Roman Herzog als einen geradlinigen, ehrlichen und klugen Menschen erlebt, der sich nicht scheute, auch harte Wahrheiten anzusprechen, aber auch seinen tiefsinnigen Humor niemals verlor.“

  • Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) schrieb an Herzogs Witwe: „Unvergessen sind sein entschlossenes Eintreten für die Aussöhnung mit unseren polnischen Nachbarn in einem vereinten Europa und sein wegweisender Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur.“

  • SPD-Chef Sigmar Gabriel hob hervor: „Roman Herzog hat für einen Dialog zwischen den Religionen geworben, sich mit deutlichen Worten für Integration und gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus eingesetzt und frühzeitig auf die Probleme der globalisierten Welt hingewiesen.“

  • Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte: „Roman Herzog hatte stets die Zukunft im Blick. Wie kaum ein zweiter warb er für eine intelligent aufgestellte Politik und Wirtschaft sowie für die Belange der jungen Generation. Sein Einsatz für Nachhaltigkeit, seine Weisheit und sein Humor werden uns fehlen.“

  • Horst Seehofer (CSU), Bayerns Ministerpräsident, sagte: „Klug, weitsichtig, mutig, mit großer Liebe zum offenen Wort und dabei stets bescheiden haben wir ihn erlebt - als Bundespräsident, als Präsident des Bundesverfassungsgerichts, als Minister.“

  • Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte: „Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen war ihm immer ein Herzensanliegen.“

  • Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte: „In prägenden Reden hat er die grundlegenden Probleme der Gesellschaft benannt und ist dafür eingetreten, dass Deutschland auch international Verantwortung übernimmt.“

  • Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, meinte: „Roman Herzog hat das demokratische Selbstverständnis und die politische Kultur Deutschlands maßgebend mitgeprägt.“

  • Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender, sagte: „Als Bundespräsident hat er nie den Deutschen nach dem Mund geredet, sondern ins Gewissen, wenn es nötig war.“

  • Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter erklärten: „Über Parteigrenzen hinweg hat sich Roman Herzog als Bundespräsident um Deutschland große Verdienste erworben.“

 

 

 

 


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