Alles soll sich ändern: Die Rede von Trump im Wortlautauszug

In seiner Antrittsrede am Freitag hat der neue US-Präsident Donald Trump das amerikanische Volk in den Mittelpunkt gestellt. Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert die Rede in einer Übersetzung in Auszügen.

Email

Amerika stark machen heißt die Kernbotschaft: der neue US-Präsident Donald Trump bei seiner Eröffnungsrede.

Foto: dpa

"... Wir, die Bürger Amerikas, sind nun in einer großen nationalen Anstrengung geeint, unser Land wiederaufzubauen und seine Hoffnung für unser ganzes Volk wiederherzustellen. ...

Alle vier Jahre kommen wir auf diesen Stufen für die geordnete und friedliche Machtübergabe zusammen. ...

Die heutige Zeremonie, jedoch, hat eine ganz besondere Bedeutung. Denn heute übergeben wir die Macht nicht nur von einer Regierung an die andere oder von einer Partei an die andere, sondern wir nehmen die Macht von Washington DC und geben sie an euch, das Volk, zurück.

Zu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt unseres Landes von der Regierung profitiert, und das Volk hat die Kosten getragen. ...

Politikern ging es gut, aber die Arbeitsplätze wanderten ab und die Fabriken schlossen. Das Establishment schützte sich selbst, aber nicht die Bürger unseres Landes. ... All das ändert sich hier und jetzt. ...

Worauf es wirklich ankommt, ist nicht, welche Partei unsere Regierung führt, sondern ob unsere Regierung vom Volk geführt wird.

Der 20. Januar 2017 wird als der Tag in der Erinnerung bleiben, an dem das Volk wieder zu den Herrschern dieser Nation wurde.

Die vergessenen Männer und Frauen unseres Landes werden nicht mehr vergessen sein. ... Der Amtseid, den ich heute schwöre, ist ein Treueeid an alle Amerikaner. Viele Jahrzehnte lang haben wir ausländische Industrien auf Kosten der amerikanischen Industrie reicher gemacht; die Armeen anderer Länder finanziell unterstützt, während wir unsere eigene Armee ausgehungert haben. Wir haben die Grenzen anderer Länder verteidigt, aber uns geweigert, unsere eigene zu verteidigen. ... Aber das ist Vergangenheit. Jetzt blicken wir nur in die Zukunft.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um ein neues Dekret zu erlassen, das man in jeder Stadt, in jeder ausländischen Hauptstadt und in jedem Machtzentrum hören soll. Vom heutigen Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Vom heutigen Tag an wird es nur noch Amerika zuerst heißen, Amerika zuerst. ...

Wir werden unsere Arbeitsplätze zurückbringen. Wir werden unsere Grenzen zurückholen. Wir werden unseren Wohlstand zurückbringen. Und wir werden unsere Träume zurückbringen. ...

Wir werden uns bei den Nationen der Welt um Freundschaft und Wohlwollen bemühen, aber wir tun dies in dem Verständnis, dass es das Recht aller Nationen ist, ihre eigenen Interessen vorne anzustellen. ...

Wir werden unsere alten Allianzen verstärken und neue bilden und die zivilisierte Welt gegen radikal-islamischen Terrorismus vereinen, den wir vom Erdboden auslöschen werden. ...

Die Bibel sagt uns, wie gut und angenehm ist es, wenn die Völker Gottes zusammen in Einheit leben. Wir müssen unsere Gedanken offen aussprechen, unsere Meinungsverschiedenheiten offen diskutieren, aber immer Solidarität anstreben. Wenn Amerika geeint ist, dann ist Amerika absolut unaufhaltsam. ...

Eine neuer Nationalstolz wird uns bewegen, unseren Blick erheben und unsere Gräben schließen.

Es ist Zeit, sich an die alte Weisheit zu erinnern, die unsere Soldaten niemals vergessen werden − dass, egal ob wir schwarz, oder braun oder weiß sind, in unseren Adern dasselbe, rote Blut von Patrioten fließt. ...

Gemeinsam werden wir Amerika wieder stark machen. Wir werden Amerika wieder wohlhabend machen. Wir werden Amerika wieder stolz machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Und ja, gemeinsam werden wir Amerika wieder großartig machen." dpa

 

Bewertung

Vier Fünftel der Rede von Donald Trump waren nach Ansicht des Amerika-Experten Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies identisch mit seinen Wahlkampfreden. Thunert sagte dieser Zeitung, die Rhetorik der Rede sei nicht überraschend gewesen. "Sie war, wie wir sie kennen: Kurze Sätze, sehr drastisch, sehr deutlich. Nur zum Schluss hin wurde es dann etwas schwülstiger und pathetischer, um dann in den Slogan Make America great again zu münden."

Bemerkenswert sei, so Thunert, dass Trump in Washington das gesamte Politik-Establishment frontal angegriffen habe. Der US-Kenner verwies darauf, dass Trump wohl Hilfe der beiden Redenschreiber Bannon und Miller gehabt habe, und dass diese sich zuvor Reden von Kennedy, Nixon und Reagan genau angeschaut hätten. Thunert: . "Wenn ich etwas in dieser Rede wiedergefunden habe, dann war es weniger von Kennedy oder Reagan, sondern eher die nackte Machtpolitik von Nixon."

Die Antrittsrede habe laut Thunert auch deutlich gemacht, "dass Trump zwar Kontakte mit der Welt haben will, aber lieber auf bilateraler Ebene". Und dies am besten aus einer dominanten Position heraus. Ein Auseinanderfallen der EU wäre also gar keine Katastrophe für Trump. Die Bemerkungen des neuen Präsidenten zum Kampf gegen den Islamismus ließen an "Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig". Vermutlich wolle Trump stark mit Russland kooperieren, und er "wird auch vor drastischen Mitteln und militärischen Schlägen sicher nicht zurückschrecken".

Sehr symbolisch sei es gewesen, dass am Schluss der Rede − anders als bei Barack Obama − kein muslimischer Geistlicher aufgetreten sei. dl


Kommentar hinzufügen
In diesem Artikel findet keine Diskussion statt. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen.