Abschied von Roman Herzog: „Geschenk für unser Land“

Berlin/Jagsthausen  Deutschland verneigt sich vor Roman Herzog. Er war ein Konservativer, aber auch ein kritischer Geist. Voller Humor und Selbstironie, aber auch ein unbequemer Mahner für Reformen.

Von dpa und Iris Baars-Werner

 

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Amtsvorgänger Roman Herzog als moralisches Vorbild und „Geschenk für unser Land“ gewürdigt. Bei einem Staatsakt im Berliner Dom für den am 10. Januar im Alter von 82 Jahren gestorbenen Herzog sagte Gauck am Dienstag: „Wir verneigen uns vor einem Bundespräsidenten, dessen Vermächtnis in Wort und Tat ein Schatz für unser Land ist.“ EU-Ratspräsident Donald Tusk erinnerte an Herzogs berühmte „Ruck-Rede“ von 1997 und sagte: „Auch durch Europa muss heute ein Ruck gehen.“

Vor rund 800 Trauergästen - unter ihnen neben Herzogs zweiter Frau, Alexandra Freifrau von Berlichingen, auch Kanzlerin Angela Merkel und viele Mitglieder ihres Kabinetts - hob Gauck hervor, dass Herzog „jeder Pomp, jeder Überschwang, auch jede devote Staats- und Autoritätsgläubigkeit“ fremd gewesen seien. Der gebürtige Bayer sei ein bürgernaher Präsident gewesen, den Humor und „unbändige Spottlust“ ausgezeichnet hätten.

Gauck würdigte in seiner Rede aber nicht nur seinen Vorgänger. Besonders ging er auch auf die Rolle von Alexandra von Berlichingen ein, der zweiten Frau Herzogs nach dem Tod von Christiane Herzog. Alexandra von Berlichingen sei ihrem Mann bei vielen Verpflichtungen, die der Altbundespräsident in den vergangenen Jahren für die Bundesrepublik in Europa noch übernommen habe, stets eine Stütze gewesen.

Tusk: Herzog hat zu Besinnung und Verständigung beigetragen

Ebenso wie Gauck erinnerte auch der frühere polnische Regierungschef Tusk daran, dass Herzog mit seinem Besuch in Polen 1994 gleich zu Beginn seiner Amtszeit des 50. Jahrestags des Warschauer Aufstands gedachte. Auch mit der Einführung des 27. Januars als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus habe Herzog zu Besinnung und Verständigung beigetragen, sagte Gauck.

Der Gedenktag am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, werde immer mit Herzogs Namen verbunden bleiben, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Predigt. Herzog habe damit „eine Erinnerungskultur unterstrichen und gestärkt, die Liebe zum eigenen Land nicht mit Selbstrechtfertigung und Verdrängen der eigenen dunklen Seiten verwechselt“.

Voßkuhle: Herausragender Jurist

Verfassungsgerichts-Präsident Andreas Voßkuhle würdigte Herzog vor allem als herausragenden Juristen, dessen Grundprinzip gewesen sei: „Im Mittelpunkt der Verfassung und der Rechtsordnung steht der einzelne Mensch“. Herzog war von 1997 bis 1994 Präsident des höchsten deutschen Gerichts. Finanzminister Wolfgang Schäuble erinnerte auch an den CDU-Politiker Herzog, der sich als Innenminister in Baden-Württemberg entschlossen für mehr innere Sicherheit eingesetzt habe.

In der kirchlichen Trauerfeier übernahmen zwei Enkel von Roman Herzog die Bibellesungen: Maximilian Herzog, der Sohn von Markus Herzog, und Friedrich Prinz zu Fürstenberg, der Sohn von Alexandra von Berlichingens Tochter Diana Prinzessin zu Fürstenberg. Mit Friedrich hatte Herzog ein ausgesprochen herzliches und enges Verhältnis. Der Altbundespräsident genoss, wie er gerne erzählte, die tiefgehenden politischen Diskussionen mit dem Enkel seiner zweiten Frau.

Trauerfeier in Schöntal

Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident. In seiner Amtszeit hatte er immer wieder vor Reformmüdigkeit gewarnt. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“
 
Roman Herzog hatte zuletzt mit seiner Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen auf der Götzenburg in Jagsthausen gelebt. In Jagsthausen wird er auch am kommenden Freitag nach einer Trauerfeier in Schöntal im engsten Familienkreis beigesetzt.
 
Bei der Trauerfeier in der Klosterkirche St. Joseph hält Vize-Regierungschef Thomas Strobl die Trauerrede, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart sagte. Herzog war einer der Vorgänger von Strobl im Amt des Landesinnenministers. Strobl, der auch CDU-Landeschef und CDU-Bundesvize ist, ist Herzogs Familie seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. 

 

Hintergrund: Staatsbegräbnisse und Trauerstaatsakte

Die nur selten angeordneten Staatsbegräbnisse und Trauerstaatsakte sind Ausdruck höchster Würdigung einer gestorbenen Persönlichkeit durch die Bundesrepublik Deutschland. Um dem Anlass Gewicht zu verleihen, richtet der Staat eine aufwendige Feier mit seinen höchsten Repräsentanten, Hinterbliebenen, Weggefährten und anderen geladenen Gästen aus.

Zum festlichen Rahmen gehören die Nationalhymne und eine Traueransprache des Staatsoberhaupts oder eines Vertreters. Gemäß einer Anordnung von 1966 werden Staatsakte durch den Bundespräsidenten angeordnet. Für die Organisation ist das Bundesinnenministerium zuständig.

 

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