Erstmals seit April mehr als 5000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Berlin/Region  Die Zahl der neu registrierten Corona-Infektionen liegt bei mehr als 5000. Die gesamte Bevölkerung müsse sich für den Infektionsschutz engagieren, appelliert das RKI. Unterdessen bereitet Heilbronn schärfere Corona-Maßnahmen vor.

Von dpa und unserer Redaktion
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Abstriche von getesteten Personen liegen bei einer Corona-Teststation in einer Schale.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erstmals seit April mehr als 5000 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Insgesamt belief sich die Zahl laut RKI auf 5132.

Das waren mehr als 1000 Fälle mehr als noch am Vortag. Der letzte Höchstwert seit April waren 4721 neu nachgewiesene Fälle am Samstag gewesen. Am Mittwoch vergangener Woche hatten die Gesundheitsämter dem RKI 2828 Neuinfektionen mitgeteilt.

Zuletzt waren Mitte April die Zahlen so hoch wie aktuell. Allerdings sind die Werte nicht miteinander vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Das RKI schreibt zur momentanen Situation: «Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert.» Der Anteil der Covid-19 Fälle nehme in der älteren Bevölkerung leicht zu. Senioren gelten in der Regel als anfälliger für eine schwere Corona-Erkrankung als Jüngere.

 

Die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensivstation stieg zwar in den vergangenen Tagen merklich, ist aber weiterhin vergleichsweise niedrig. So wurden laut Daten des DIVI-Intensivregisters von Dienstag rund 620 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt, eine Woche zuvor waren es noch rund 450. Insgesamt sind demnach in Deutschland aber noch knapp 9000 Intensivbetten frei.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 334.585 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9677. Das waren 43 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 281.900 Genesene.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Dienstag bei 1,18 (Vortag: 1,29). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert nach Angaben vom Dienstag bei 1,20 (Vortag: 1,25). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Heilbronn bereitet schärfere Corona-Maßnahmen vor

Der sogenannte Corona-Inzidenzwert lag im Stadtkreis Heilbronn am Dienstag  mit 47,4 knapp unter der kritischen Marke von 50. Im Landkreis Heilbronn lag der Wert bei 22,9, im Hohenlohekreis bei 20,4.

Die Heilbronner Stadtverwaltung hat trotzdem vorsorglich darüber informiert, welche Maßnahmen bei einer Überschreitung anstünden. "Der Trend steigt", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel am Montagnachmittag. "Wir müssen realistisch sein." Die Verwaltung geht davon aus, dass der Wert von 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen, gerechnet auf 100.000 Einwohner, demnächst überschritten wird. Der Stadtkreis wäre dann ein Corona-Hotspot wie schon Stuttgart oder der Landkreis Esslingen. Derzeit liegt der Wert bei 45,8.

 

 

In diesem Fall, so Mergel, würden Privatfeiern in privaten Räumen auf zehn Personen begrenzt, in angemieteten Räumen gilt dann ein Limit von 25. Ansammlungen von mehr als zehn Menschen im öffentlichen Raum würden verboten, die Maskenpflicht ausgeweitet. "Hier sind wir in Abstimmung mit der Polizei", so Mergel. Es ist möglich, dass die Maskenpflicht auf ganze Teile der Innenstadt ausgeweitet wird und dann auch im Freien gilt.Keine Sperrstunden

Eine Sperrstunde für die Gastronomie sind laut Mergel ebenso wenig ein Thema wie eine Einschränkung des Alkoholverkaufs, wie sie Stuttgart anordnen will. Man unterstütze Überlegungen des Landes, den Unterrichtsbeginn zu entzerren oder die Maskenpflicht auf die Klassenräume auszuweiten, sollte sich die Lage verschärfen.

"Wir tun das zum Schutz der Bevölkerung und um Schäden für die Wirtschaft zu vermeiden", betonte der OB. Größere Familienfeiern spielen bei den jüngsten Fällen eine Rolle, ohne dass der Anstieg an einem einzelnen Ereignis festzumachen wäre. "Das Infektionsgeschehen ist sehr diffus", erläuterte Dr. Peter Liebert, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes.

Das bedeutet auch: Eine Hintertür gegen drohende Reiseeinschränkungen wird es in Heilbronn nicht geben. Das derzeit umstrittene Beherbergungsverbot ist nur dann ausgehebelt, wenn sich Infektionen nachweislich auf einen einen Raum begrenzen, etwa ein einzelnes Gebäude. In Heilbronn ist das nicht der Fall.

Im Ernstfall müssen Hotels Heilbronner abweisen

Wird die 50er-Grenze überschritten, können Personen mit Wohnsitz in Heilbronn zwar ohne Einschränkungen durchs Land reisen. Sie dürfen aber in Hotels, Pensionen und Campingplätzen in Baden-Württemberg nicht mehr einchecken. Andere Bundesländer haben zum Teil ähnliche Bestimmungen.

Laut Verordnung gilt der Hotel-Bann nicht nur für jene, die in einem Risikogebiet gemeldet sind, sondern auch für alle, die sich dort aufhalten. Gemeint ist ein Aufenthalt von 48 Stunden am Stück, hieß es zuletzt auf Nachfrage im Sozialministerium. Berufspendler, die nicht in Heilbronn übernachten, sind also nicht betroffen.

 

 

 


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